Forschung und Entwicklung (F&E) gelten als Kernkompetenzen der Autoindustrie, die man möglichst ,,im eigenen Haus” behält. Doch der steigende Kostendruck zwingt zum Umdenken. Eine Marktstudie der Strate-gieberatung Roland Berger mit einer Befragung führender Manager der Autoindustrie zeigt, wohin die Reise geht. Outsourcing von Engineering Services wird kontinuierlich an Bedeutung gewinnen – im diesem Sektor ein relativ neuer Trend, der lange vorher schon IT und andere Geschäftsprozesse erfasst hatte.
Die Studie fasst es in Zahlen: Um jährlich vier bis fünf Prozent steigen die externen Forschungs- und Entwicklungsausgaben, 2008 waren es erst acht, 2013 sollen es 12 Prozent des Gesamtbudgets sein. Die internen Ausgaben hingegen dürften sogar leicht sinken. Vor allem in den Bereichen Antrieb und Elektronik/Entwicklung wächst der Outsourcing-Anteil schnell, dagegen kaum beim Interieur und der Karosserie.
Motor dieser Entwicklung ist der Zwang, die Kosten zu senken. Vor allem Unternehmen in den Schwellenländern arbeiten mit hochqualifizierten Technikern auf niedrigem Gehaltsniveau. Sie haben schon eine umfassende Kompetenz bei Design-Konzepten für Low-Cost-Fahrzeuge. Da sie eine steile Lernkurve durchlaufen, dringen sie oft schon in die oberen Marktsegmente vor. Der Konkurrenzdruck zwingt etablierte Hersteller und Zulieferer zum Low Cost Engineering vor allem durch Outsourcing.
Durch gut umgesetztes F&E-Offshoring lassen sich 25 bis 30 Prozent der intern notwendigen Kosten einsparen, heißt es in der Studie. ,,Die Zusammenarbeit mit einem Engineering Services-Anbieter senkt die eigenen F&E-Fixkosten, weil einige Aufgaben von externen Ingenieuren übernommen werden können, deren Gehalt normalerweise niedriger ist,” erklärt Norbert Dressler, Partner im Kompetenzzentrum Automotive von Roland Berger.
Engineering Outsourcing bedeutet nach der Studie aber nicht nur auf der Kostenseite Vorteile. Flexbilität und Zugang zu externem Wissen sind zwei weitere Pluspunkte. Durch die externe Vergabe erhalten die Auftraggeber Zugang zu einem großen Ressourcen-Pool. Sie können ihre eigenen F&E-Kapazitäten je nach Bedarf rasch aufstocken, abbauen oder neu ausrichten. Durch Auslagerung freigestellte Techniker können für andere Projekte eingesetzt werden. Der aktuelle Trend zum Elektroauto etwa zwingt die Autohersteller, ihre Engineering-Kapazitäten aufzustocken. Die Kooperation mit einem externen Engineering-Services-Anbieter kann da eine große Hilfe sein.
Outsourcing hat neben Vorteilen aber auch zwangsläufig Risiken – möglicher Verlust von Know-how, versteckte Kosten oder oder Doppelung von F&E-Aufgaben. Die Studie stellt deshalb Maßnahmen zu einer erfolgreichen Outsourcing-Strategie vor. So müssen zunächst interne Prozesse im Bereich F&E bereinigt und klar definiert werden, dann eine Strategie entwickelt und ein globaler F&E-Footprint entwickelt werden.
Die Studie beleuchtet den Markt auch aus Sicht der Anbieter von Engineering Services. Ihnen eröffnen sich neue Chancen durch die zunehmende Standardisierung von Basistechnologien und Kompetenzen, die nicht zum automobilen Kerngeschäft gehören. Doch dazu benötigen sie Know-how auf höchstem Stand mit einem Kompetenzschwerpunkt – ,,umfassende Fahrzeugkompetenz” wirke wenig überzeugend auf Autohersteller. Die Anbieter sollten ihre Bereichskompetenz nachweisen und mit einem klaren Wertversprechen verbinden können. ,,Genau wie ihre Kunden müssen auch die Engineering Services Provider ihren globalen F&E-Footprint festlegen,” sagt Studienautor Dr. Wolfgang Bernhart.




