Hohe Überkapazität, fortdauernde Kreditklemme, steigender Kosten- und Wettbewerbsdruck – die Branche der deutschen Automobilzulieferer steht vor einem Umbruch. Das ist das Ergebnis der Studie “Money vs. Technology 2009″, die jetzt von der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Deloitte und dem Marktanalysten IHS Global Insight veröffentlicht wurde. Befragt wurden führende Manager von 195 deutschen Zulieferbetrieben.
Zwar gebe es erste Anzeichen einer Markterholung, doch berge gerade das Probleme, meint Siegfried Frick, Partner Corporate Finance bei Deloitte: “Die Krise hat die Finanzdecke kleiner Betriebe stark angegriffen. Sie haben jetzt kaum mehr Mittel, auch weil Banken sich bei der Kreditvergabe nach wie vor zurückhalten. Trotz voller Auftragsbücher werden wir in den kommenden Monaten viele zahlungsunfähige Betriebe sehen.” In den vergangenen Jahren haben deutsche Zulieferer Überkapazitäten aufgebaut. So besteht nach Ansicht von rund der Hälfte der Befragten ein Überangebot von 30 Prozent im Chassisbau, in der Fahrzeugelektronik und im Antriebsbereich, bei der Innenausstattung wird die Überkapazität sogar auf 40 Prozent geschätzt. 57 Prozent der Betriebe planen daher, Kapazitäten abzubauen, außerdem rechnen 54 Prozent der Befragten mit einer Übernahmewelle ab 2011.
Größtes Hindernis beim Abbau der Überkapazitäten sind nach Einschätzung der Befragten die Banken. 87 Prozent gaben an, nur noch unter erschwerten Bedingungen an Bankkredite zu kommen. Bei der Geldbeschaffung für Betriebsmittel setzen die Zulieferer zunehmend auf Staatsbürgschaften, doch 75 Prozent der Befragten bezeichneten deren Vergabe als unzureichend. Bis November 2009 mussten bereits 83 Zulieferer Insolvenz anmelden, dies werde sich in 2010 fortsetzen. Trotz dieser Insolvenzwelle wird es nach der Studie nicht zu einer umfassenden Konsolidierung kommen: Die Automobilhersteller wollen zu große Konzentrationen auf Zuliefererseite vermeiden. Die Zulieferer bemühen sich, jedem Hersteller individuelle Lösungen anzubieten, um Austauschbarkeit durch zu große Einheitlichkeit zu verhindern.
Der kommende Aufschwung birgt noch andere Herausforderungen. Der Markt verlangt nach neuen, energiesparenden Technologien wie Leichtbauteilen, sparsamen Getrieben und kleinen Motoren mit niedrigem Energieverbrauch. Die Nachfrage nach Hybrid- und Elektroantrieben wächst beständig, erfordert aber noch erhebliche Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Laut Studie müssen die Zulieferer und Automobilhersteller deshalb enger als bisher in der Entwicklung zusammenarbeiten, vor allem in der Fahrzeugelektronik. Bis zu 80 Prozent kommender Innovationen werden voraussichtlich in diesem Bereich entwickelt. Die europäischen Zulieferer verfügten über eine hervorragende Expertise, so Christian Müller, Automotive Consult bei IHS Global Insight: “In keinem Fall darf an Forschung und Entwicklung gespart werden – sonst eröffnen sie branchenfremden Elektronikunternehmen die Chance auf einen Markteintritt.”





