Crashtest ohne Fliegen

Im Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart rasen virtuelle Autos gegen imaginäre Wände, Benzin strömt aus dem Tank und Fliegen stören die Entwickler.

Wenn der Leiter des Automotive Simulation Center Stuttgart (ASCS), früher Entwicklungsingenieur bei Porsche Sportwagen, Prototypen virtuell zu Schrott fährt, kann damit nicht im Gegenzug auf reale Crash-Tests verzichtet werden. “Aber wir können durch die Auswertung der hohen Anzahl an virtuellen Crashsimulationen sagen, welche realen Crashtests sinnvoll und dringend erforderlich sind”, erklärt Schelkle, warum die Automobilentwickler dennoch sehr viel Geld sparen.

Bevor die ersten realen Prototypen aufgebaut werden, wird das Crashverhalten der Fahrzeuge im Rechner intensiv analysiert und optimiert. Im ASCS entwickeln Automobilhersteller wie Porsche, Daimler oder Opel, Zulieferer, Software- und Hardwarehersteller sowie Wissenschaftler Methoden für die Simulationen von morgen.

Leider führen auf den ersten Blick unbedeutende (und unvermeidbare) Streuungen an den Fahrzeugen inzwischen zu merklichen Änderungen an den Simulationsresultaten. “Sitzt zum Beispiel auf der Heckklappe eine Fliege, so kann dies die Simulationsergebnisse bereits beeinflussen”, sagt Schelkle.

Weder die Softwarehersteller noch die Automobilfirmen können solche komplexen numerischen Phänomene allein lösen. In einem derzeit laufenden Forschungsvorhaben arbeiten alle notwendigen Disziplinen aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um die mathematische/numerische Nuss zu knacken.

Rechnerverbund im Einsatz der Unternehmen

Das ASCS nutzt für seine sehr rechenzeitintensiven Projekte den Rechnerverbund des HLRS. “Nur wenige Zentren in Deutschland bieten genügend Supercomputerkapazität, um solche aufwendigen Simulationen in wenigen Stunden verarbeiten zu können”, sagt HLRS-Leiter Professor Michael Resch.

Zwar verfügen die meisten Fahrzeughersteller über umfangreiche eigene Rechnerkapazitäten, die aber für die täglich anstehenden Fahrzeugsimulationen benötigt werden. “Höchstleistungscomputer sind teuer und zahlen sich nur dann aus, wenn sie permanent im Einsatz sind”, sagt Resch.

“Das Besondere ist, dass Unternehmen von uns Höchstleistungscomputing auf Knopfdruck bekommen. Über ein Webportal stoßen sie selbst Berechnungen an und bezahlen anschließend pro genutzte Rechnerstunde”, erklärt Resch. Dafür sorgt das Joint Venture mit der hww (Höchstleistungsrechner für Wissenschaft und Wirtschaft), an dem unter anderem T-Systems beteiligt ist.

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