Daimler steuert Materiallogistik mit SAP

Montage der A-Klasse im Werk Rastatt.

Die Steuerung der Materiallogistik mit SAP ist seit mehr als einem Jahrzehnt Teil der Firmenstrategie von Mercedes-Benz Cars (MBC). In Rastatt wurde diese Strategie jetzt erstmals in einem inländischen Montagewerk umgesetzt – die beiden großen Werke in Bremen und Sindelfingen könnten folgen.

Am Anfang stand der ,,Business Blueprint”. Im Sommer 2007 begannen Mitarbeiter aus der Logistik, Produktionsplanung und IT der drei inländischen Montagewerke mit der Erstellung dieses standardisierten Prozessmodells für die Beschaffungs- und Versorgungslogistik. Es beschreibt, wie die Prozesse in der Standardsoftware SAP abgebildet werden können.

m Januar 2009 startete das Einführungsprojekt ,,Automotive Supply NFA” für das Werk im badischen Rastatt. Mit dem Produktivstart in Rastatt ist jetzt der erste Meilenstein des Weges erreicht.

Mehr als 5 000 MBC-Mitarbeiter sind dort für Mercedes-Benz tätig, jährlich rollen mehr als 200 000 Pkw der A- und B-Klasse vom Band. Bislang hat MBC in der Stadt am Schwarzwald mehr als zwei Millionen Kompaktfahrzeuge produziert. In diesem Jahr ist noch eine Kleinserie der A-Klasse E-CELL hinzu gekommen – rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge.

Der gemeinsame Business Blueprint Automotive Supply wurde konsequent auf den für den Standort Rastatt unbedingt notwendigen Umfang reduziert.  Bei einem Rollout in Bremen und Sindelfingen würde er dann schrittweise erweitert.

In Rastatt betrifft die Umstellung der bisherigen hausinternen, selbstprogrammierten Systeme auf SAP etwa 500 Anwender. Erfasst werden alle Zielprozesse der Materiallogistik: Teilebedarfsrechnung, Materialdisposition, Wareneingang, Lagerwirtschaft, Produktionsversorgung und Teileversand.

Die Gesamtverantwortung lag bei der IT, doch der wesentliche Erfolgsfaktor lautete: Zusammenarbeit von IT und Fachbereichen. Erst durch die Entscheidung der Logistik im Werk Rastatt für das Projekt wurde seine Umsetzung möglich. Logistik- und Werksleitung mussten auch zunächst die Voraussetzungen schaffen – wie die Inventur vor der Bestandsübernahme und die Bereinigung korrupter Daten in den Altsystemen.

Neun Monate vor dem Start wurden gezielt Mitarbeiter aus den operativen Bereichen wie Disposition, Lager, Versorgung und Wareneingang einbezogen. Auch das IT-Top-Management leistete mit der Unterstützung durch interne SAP-Experten und deren Erfahrungen aus früheren Einführungsprojekten bei Daimler wichtige Aufbauhilfe.

Etwa 600 Mitarbeiter wurden in der Nutzung der Systemfunktionen geschult, mehr als 50 Anlaufunterstützer betreuten die Anwender nach dem Produktivstart in drei Schichten vor Ort. Die Produktiveserver stehen wegen der besseren Verfügbarkeit an den jeweiligen Standorten, das Monitoring erfolgt zentral über einen Solution Manager.

Für Helmut Schütt, IT-Chef bei Mercedes-Benz Cars & Vans, ist die Umstellung ein wichtiger technologischer Zukunftsschritt: ,,Mit diesem System konnten wir in Rastatt als erstem Werk auf einen Schlag fünf unserer zum Teil 20 Jahre alten Legacysysteme ablösen.”

Die Einführung neuer, standardisierter Prozesse ist für Rainer Genes, Leiter der MBC-Produktionsplanung Fahrzeuge, der zentrale Punkt: ,,In Rastatt wurde unser gemeinsames Prozessmodell für die Materiallogistik erstmalig mit Leben erfüllt. Unser Ziel muss jetzt sein, die anderen  Werke Schritt für Schritt folgen zu lassen.”

Zuvor war die Logistik-Strategie schon in den Powertrain-Werken Untertürkheim, Berlin, Hamburg und Kölleda sowie den internationalen Montagewerken East London (Südafrika), Tuscaloosa (USA), Hambach (Frankreich) und Peking (China) umgesetzt worden. Jetzt wird geprüft, ob und wann weitere Werke im In- und Ausland folgen können.

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