Das vernetzte Autohaus

Dealer-Management-SystemDie aktuellen Schlagzeilen aus der Autoindustrie sind inzwischen alles andere als erfreulich: Horrorszenarien seitens der Autobauer, Insolvenzen bei den Zulieferern und Händlern – trotz der politisch motivierten Absatzprämie steckt die Branche tief in der Krise. Mit den richtigen Maßnahmen gilt es nun gegenzusteuern, damit es nicht zu noch größeren Verwerfungen auf dem Markt kommt. Kein einfaches Unterfangen, schließlich schob die Autoindustrie jahrelang Überkapazitäten vor sich her. Ein Umdenken ist also angesagt. Die Autobauer müssen ihre Finanzstärke wiederherstellen, eine nachfragegerechte Modellpalette aufbauen – beispielsweise hinsichtlich Elektrifizierung und CO2-Ausstoß – und eine zuverlässige Supply Chain sowie hohe Flexibilität in der Produktionsanpassung realisieren. Auf Händlerseite sind neben dem Einlösen des Markenversprechens eine hohe Qualität, Kundenorientierung sowie die Stärkung von Service und Ersatzteilgeschäft die wichtigsten Stellhebel, um die Krise überstehen zu können – und zwar auch nach dem planmäßigen Auslaufen der staatlichen Neuwagenförderung. Allerdings ist dazu auch die enge Vernetzung zwischen OEM und Händlern erforderlich. Das Topthema in Händlerkreisen lautet deswegen: Steigerung der Effizienz der Prozesse zwischen Handel und Autobauern.

 

 

Zentrales Element auf Händlerseite ist ein optimal ausgerichtetes Dealer-Management-System (DMS). Im Vordergrund steht dabei die Prozessqualität und -geschwindigkeit. Gerade diese beiden Merkmale prägen maßgeblich den Eindruck, den das Autohaus und dadurch auch die Marke bei den einzelnen Kunden hinterlässt. Sie sind somit von entscheidender Bedeutung. Die wesentlichen Prozesse, in denen das DMS die Vernetzung zwischen einem OEM und seinen Händlern optimieren kann, lassen sich auf neun zentrale Punkte komprimieren . E iner dieser Kernpunkte ist: Im Neuwagen- Vertrieb wird die Fahrzeugkonfiguration und -kalkulation in die Händlerprozesse und -systeme integriert. „So ist ein valider Sales-Forecast für den OEM sowie für den Händler auf Basis eines einheitlichen Vertriebsphasen-Modells möglich”, erklärt Thorsten Achenbach, Director beim Beratungshaus Cirquent.

 

Aber nicht nur im Neuwagengeschäft sollte der Austausch zwischen Händlern und Autobauern optimiert werden, sondern auch bei den Gebrauchtwagen. Ein Element ist das automatisierte Einstellen von Fahrzeugen in Gebrauchtwagen-Börsen. Damit ist gewährleistet, dass die Abläufe effizienter gestaltet und die Gebrauchten ad hoc vermarktet werden können. Und schließlich muss die Vernetzung auch im Service greifen: Gerade dieser Bereich profitiert von der Verzahnung zwischen OEM und Händler durch die starke Vereinfachung der korrekten und einheitlichen Erstellung von Aufträgen, da Kunden-, Fahrzeug- sowie Teilestammdaten – inklusive der Preise und Servicepakete – jederzeit aktuell und korrekt im DMS des Händlers vorliegen. DMS-Experte Achenbach fügt hinzu: „Selbst im Bereich Gewährleistung kann das DMS die Qualifikation von Gewährleistungsfällen, das Management der zurückzusendenden Gewährleistungsteile sowie das automatisierte Abwickeln der Gewährleistungsfälle unterstützen.” Für den Betrieb eine organisatorische und logistische Erleichterung.

 

In diesem Zusammenhang ist auch die Übertragung von Stammdaten vom OEM beziehungsweise Wholesale zum Händler in Bezug auf Teile, Preise, Reparatur- und Gewährleistungs-Packages sowie von Fahrzeugstammdaten zu sehen. „Ein darauf ausgerichtetes DMS nimmt viel Arbeit ab und erhöht die Qualität der beim Händler erstellten Angebote, Kostenvoranschläge und Rechnungen deutlich”, urteilt Aschenbach. Das Zauberwort lautet also hier: Automatisierung. Das zeigt auch ein anderes Beispiel. Eine automatisierte Supply Chain optimiert für den Händler die Lagerhaltung anhand von hinterlegbaren Verbrauchs- und Nachbestellungsprofilen. Die Supply Chain wickelt somit die Nachbestellung von „Schnelldreherteilen” ab und gestaltet über entsprechende Bestellvorschläge die rechtzeitige Nachbestellung der übrigen Artikel.

 

Bei der Einführung eines DMS ist es wichtig, bestimmte Gestaltungsprinzipien zu befolgen, damit der spätere Erfolg garantiert ist. So sollte man vorab klare Ziele definieren und eine Win- Win-Strategie verfolgen. „Weiter ist es äußerst ratsam, Prozesse zu definieren, die marktspezifische Anforderungen berücksichtigen und deren Güte messbar ist”, empfiehlt Aschenbach. Bei der Entwicklung der Lösung muss zwingend berücksichtigt werden, so der Fachmann, dass sie für den Händler einfach (mit nur wenig Training) zu nutzen sowie finanziell erschwinglich und optimalerweise in Ausbaustufen skalierbar ist. Achenbach:

 

„Ebenso ist ein Ausbalancieren zwischen hochintegrierten Prozessen und Systemen sinnvoll und sind die Prozesse und Systeme ausreichend flexibel zu gestalten, damit genügend Freiheit für den Händler besteht, individuell erforderliche Abwandlungen zu leben.” Beachtet man diese Vorgaben, so sind zahlreiche Vorteile für beide Seiten erzielbar: In jedem Händlerbetrieb ist – unterstützt durch Qualifizierungs- und Auditierungsmaßnahmen des Herstellers – die gleiche Güte der Prozesse sowie das gleiche Brand Behaviour erreichbar. Durch die aufgrund besserer Daten erhöhte Prozessqualität kann auch die Kundenzufriedenheit deutlich gesteigert werden. Der Händler profitiert durch die Automatisierung von Routineprozessen wie Bestellung schnell drehender Teile, Abwicklung von Gewährleistungsfällen und Einbuchung in den Bestand sowie die Buchhaltung. Das entscheidende Resultat dabei ist: Es bleibt mehr verkaufsaktive Zeit. Zeit, die man dem Kunden zur Verfügung stellen kann. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Fazit: Eine breite und gut durchdachte Vernetzung der OEMs mit ihren Autohäusern kann eine solide Plattform für beiderseitigen Erfolg darstellen. Man muss die Vernetzung nur in Angriff nehmen.

 

Vorteile der Vernetzung

  • Durch ein konsolidiertes Interessentenmanagement zwischen OEM und Händlern kanndie Kundenansprache professioneller und kostengünstiger werden.
  • Im Neuwagen-Vertrieb wird die Fahrzeugkonfiguration und -kalkulation in die Händlerprozesse und -systeme integriert.
  • Im Gebrauchtwagen-Vertrieb wird der Austausch zwischen Händlern und OEM optimiert (Autobörsen).
  • Der Servicebereich profitiert von der Vernetzung zwischen OEM und Händlern durch die starke Vereinfachung der korrekten und einheitlichen Erstellung von Kundenaufträgen bei den Händlern.
  • Im Bereich Gewährleistung kann das DMS unter anderem die Qualifikation von Gewährleistungsfällen unterstützen.
  • Die Übertragung von Stammdaten vom OEM oder Wholesale zum Händler in Bezug auf Teile, Preise et cetera nimmt viel Arbeit ab und erhöht die Qualität der beim Händler erstellten Angebote, Kostenvoranschläge und Rechnungen deutlich.
  • Eine automatisierte Supply Chain optimiert für den Händler die Lagerhaltung.
  • Eine Verlinkung zu Finanzdienstleistern vereinfacht die Kalkulation von Finanzierungen.
  • Durch eine Konsolidierung und Auswertung von Reparaturdaten kann der OEM wichtigen

 


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