Deutschland ist ein guter Cloud-Standort

Deutschland bietet  im weltweiten Vergleich einen der besten Standorte für Cloud Computing, doch diese Position ist gefährdet. Das sind Folgerungen aus einer aktuellen Studie der Business Software Allianz (BSA).

In der Business Software Alliance sind an die 100 weltweit führende Unternehmen versammelt, aus Deutschland unter anderem Acronis, Adobe, Apple, Asseco Poland S.A., Autodesk, Bentley Systems, CNC, Corel, DBA Lab S.p.A., i&k Software, Microsoft, PTC, Siemens, Symantec, Tekla und The MathWorks.

Nach Meinung der BSA sind Deutschlands Probleme hausgemacht. Strenge Auslegung von Datenschutzbestimmungen könnte dazu führen, dass die Cloud  ihr Potenzial nicht entfalten kann. Aktuell belegt Deutschland den dritten Rang in der BSA-Studie der Rahmenbedingungen für den Cloud-Computing-Markt, nur knapp hinter Japan und Australien, aber noch vor den USA. Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien bilden das Schlusslicht.

Untersucht wurden die Bedingungen für die Umsetzung von Cloud Computing Diensten in 24 Ländern. Deutschlands Spitzenplatz wird auch durch die geplante Reform des EU-Datenschutzrechts gefährdet, welche den Umfang und die wirtschaftliche Bedeutung von Cloud Computing untergraben könnte. Die BSA fordert Regierungen weltweit auf, ihre Gesetzgebung besser aufeinander abzustimmen.

BSA-Direktor Thomas Boué fordert:  ,,Die Vorteile des Cloud Computing sind stark volumenabhängig. Ziel einer weltweiten Wirtschaftspolitik sollte es daher sein, dass Anwender die Technologien, die sie privat oder geschäftlich benötigen, von Servern auf der ganzen Welt beziehen können. Dazu müssen Gesetze und Verordnungen den freien grenzüberschreitenden Datenverkehr gewährleisten.”

Wichtige Ergebnisyse der Studie  ,,BSA Global Cloud Scorecard”:

- In Deutschland gelten umfassende und wirksame Gesetze gegen Cyberkriminalität und zum zeitgemäßen Schutz geistigen Eigentums. Unklar ist aber noch, ob Webhoster und Internetanbieter für Urheberrechtsverstöße auf ihren Systemen zivilrechtlich haften.

- Deutschland hat moderne Gesetze für E-Commerce und zur digitalen Signatur. Wie die Mehrheit der Länder in Europa  schützt Deutschland  umfassenden Schutz  Privatsphäre und Datenschutz, was aber auf der Kostenseite den Einsatz von Cloud Computing behindern kann. Zudem hat Deutschland sehr viele Datenschutzbehörden, was zu Unsicherheit bezüglich der Auslegung der Gesetze führt.

- Deutschland legt großen Wert auf internationale Standards und Interoperabilität. Japan, die USA und die EU insgesamt haben solide gesetzliche Grundlagen für Cloud Computing geschaffen – im Gegensatz etwa zu China, Indien oder Brasilien.

Zu den überraschendsten Erkenntnissen zählt, dass manche Länder und Regionen sich regulativ und rechtlich abgrenzen. Ein Beispiel für Gesetzgebung, die im Widerspruch zu der anderer Länder steht, ist die geplante Reform des EU-Datenschutzrechts.

Idealerweise würde es einen harmonisierten Gesamtmarkt schaffen, indem es unnötige Unsicherheiten und Verwirrung bei Anbietern und Anwendern beseitigt. Doch es gilt ein empfindliches Gleichgewicht einzuhalten: die Regeln müssen die Datenschutzrechte der Menschen bewahren, gleichzeitig aber dafür sorgen, dass sie Zugang zu allen Diensten des Internet haben, darunter auch Cloud Computing.

Thomas Boué: ,,”Deutschland hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei den Rahmenbedingungen erzielt, die Cloud Computing die größte Effizienz ermöglichen. Ein gesunder nationaler Markt ist aber nicht automatisch mit den internationalen Gesetzen in Einklang. Doch nur so kann es freien Datenaustausch geben. Wir müssen an der Förderung des  globalen Cloud-Computing-Ökosystems arbeiten.”

Sieben Schritte für die bessere Cloud

Die BSA gibt den Regierungen weltweit sieben Handlungsempfehlungen:

- Dattenschutz: Die Privatsphäre und Daten von Anwendern müssen im freien Datenverkehr geschützt bleiben.

- Sicherheit: Ohne eine bestimmte Technologie zu bevorzugen, müssen die aktuellsten Cybersecurity-Strategien und Prozesse gefördert werden.

- Kampf gegen Cyber-Kriminalität mit wirkungsvoller Abschreckung und klar definierten Klagegründen gegen Cyber-Kriminelle.

- Geistiges Eigentum: Schutz vor widerrechtlicher Aneignung oder Missbrauch von Cloud-Technologien durch Rechtsschutz und -maßnahmen.

- Interoperabilität: Förderung von Offenheit und Interoperabilität sowohl unter Cloud Anbietern als auch -Herstellern.

- Freier Handel: Abkehr von Handelsschranken und der Bevorzugung bestimmter Technologien oder Unternehmen.

- Infrastruktur: Schaffung von Anreizen für private Anbieter, in Breitband-Infrastruktur zu investieren, um so den allgemeinen Zugang für die Bürger ermöglichen.

Die BSA Global Cloud Scorecard ist die erste vergleichende Analyse der weltweiten Voraussetzungen für die Förderung eines global integrierten Cloud-Marktes. Sie berücksichtigt die Gesetze und Verordnungen in den Ländern, die gemeinsam 80 Prozent des globalen IT-Marktes ausmachen. Diese werden auf sieben Faktoren hin untersucht: Datenschutz, Sicherheit, Cyber-Kriminalität, geistiges Eigentum, Interoperabilität, freier Handel und Infrastruktur.

Die vollständige Studie finden Sie hier

 

 

 

 


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