Von der autofreundlichen Stadt zum stadtgerechten Auto: ,,Die Industrie muss sich darauf einstellen, dass die Städteplaner zunehmend die Modellentwicklung beeinflussen und nicht – wie bisher üblich – umgekehrt,” fasst Dieter Becker, Global Head of Automotive bei KPMG, das Ergebnis einer weltweiten Umfrage zusammen.
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte mehr als 200 Hersteller, Zulieferer und Händler, von denen zwei Drittel einen Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar verzeichnen, nach ihren Trenderwartungen befragt.
Bevölkerungswachstum und Urbanisierung sind die wesentlichen Ursachen für die Veränderung der Automobillandschaft. Becker: ,,Umweltzonen und autofreie Innenstädte sind nur ein Anfang. In New York läuft zurzeit eine Ausschreibung für das Taxi der Zukunft mit alternativem Antrieb, das ab 2014 die bekannten Yellow Cabs ablösen wird.
Und mit Masdar wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurzeit eine neue Stadt gebaut, die ganz unter ökologischen Gesichtspunkten entwickelt wird. Hier wird auf einen elektrisch motorisierten Individualverkehr gesetzt.”
Der Absatz von Autos mit Hybrid- und Elektroantrieb wird nach Ansicht von rund 80 Prozent der Branchenexperten in den kommenden fünf Jahren im Vergleich zu anderen Modellen am stärksten steigen. Vor allem aufgrund der relativ hohen Kosten dürfte der Anteil an Autos mit Elektroantrieb aber weiterhin deutlich dem der mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Fahrzeuge hinterherhinken.
Um Elektrofahrzeuge für die breite Masse erschwinglich zu machen, sind nach Überzeugung von mehr als einem Drittel der Branchenexperten vor allem staatliche Subventionen unabdingbar (38 Prozent). Als zweitbeste Refinanzierungsmöglichkeit erachten die Fachleute Dienstleistungsangebote rund um das Thema Elektromobilität, die sich aus Partnerschaften zwischen Herstellern und Energielieferanten ergeben könnten (20 Prozent).
Ein geringer Treibstoffverbrauch ist nach Überzeugung von 91 Prozent der Branchenfachleute nach wie vor das wichtigste Entscheidungskriterium für Autokäufer. 82 Prozent der Experten gehen davon aus, dass Sicherheitsaspekte bei der Auswahl eines Fahrzeugs künftig wieder eine stärkere Rolle spielen werden.
Eine Hauptsorge der Branche bleiben nach Angabe der Experten die Überkapazitäten – vor allem auf dem nordamerikanischen Markt. Hier sehen fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) trotz umfangreicher Restrukturierungsaktivitäten in den vergangenen Jahren derzeit eine Überproduktion.
Mit deutlichem Abstand gefolgt von Japan (24 Prozent) und Deutschland (22 Prozent). Auf die Wachstumsmärkte China und Indien sehen 50 beziehungsweise 42 Prozent der Befragten innerhalb der nächsten fünf Jahre entsprechende Probleme zukommen.
Dieter Becker: ,,Zwar scheinen sich die meisten Fachleute über die Überkapazitäten im Klaren zu sein. Doch jeder Vierte sagt, er wolle diesem Problem durch Auslandsexporte begegnen. Dabei haben doch die Hersteller in den vergangenen Jahren massiv in China und anderen Wachstumsmärkten investiert und eigene Produktionsstätten aufgebaut und beschneiden somit automatisch ihre Exportmöglichkeiten.”
Weil strategischen Partnerschaften bei der Entwicklung technologischer Innovationen eine immer stärkere Bedeutung zukommt, geht die Hälfte der Branchenexperten davon aus, dass sich die Wertschöpfungskette stark wandeln wird (49 Prozent). Dieter Becker: ,,Hersteller, Zulieferer, ganz neue Player wie Energieversorger und auch Nischenanbieter werden der Industrie eine neue Dynamik verleihen.”





