Drei-Punkte-Plan für Anwerbung von IT-Experten

Die Zahl der Arbeitsplätze in der ITK-Branche steigt in Deutschland  2010 auf den Rekordwert von 843 000,  rund 8 000 mehr als vor einem Jahr. Zugleich wird der Fachkräftemangel immer stärker.  BITKOM schlägt deshalb einen Drei-Punkte-Plan für die Anwerbung von ausländischen IT-Experten vor.

Die Anbieter von Informationstechnik, Telekommunikation und Internetdiensten sind nach den jüngsten Zahlen hinter dem Maschinenbau zweitgrößter Arbeitgeber in der deutschen Industrie – noch vor der Automobilindustrie. Das teilt der Branchenverband BITKOM in Berlin mit.

Gleichzeitig ist die Zahl der freien Stellen für IT-Spezialisten kräftig gestiegen. Aktuell gibt es rund 28 000 offene Stellen für IT-Experten in Deutschland. Das sind ebenfalls 8 000 mehr als im Vorjahr – ein Plus von 40 Prozent. 11 200 freie Stellen entfallen auf die Kernbranchen Informationstechnik und Telekommunikation.

Diese neuen Daten ergeben sich aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des BITKOM unter 1 500 Unternehmen. „Der Mangel an IT-Spezialisten ist ein strukturelles Problem, das von der Wirtschaftskrise nur vorübergehend gemildert wurde“, sagte BITKOM-Präsident Professor August-Wilhelm Scheer.

Vor allem Softwarehäuser, IT-Dienstleister und Internetfirmen stellen ein. Dringend gesucht sind Software-Entwickler und Mitarbeiter für den internen IT-Support.

Fast die Hälfte (47 Prozent) der befragten IT-Unternehmen sagt, dass es einen Fachkräftemangel bei IT-Experten gibt. Zwei Drittel der Firmen geben an, dass sie in Zukunft mehr IT-Experten mit Hochschulabschluss benötigen. „Die Anforderungen an die Bewerber wachsen mit der technologischen Entwicklung “, sagt Scheer. „Die Hochschulen können diesen Bedarf schon seit Jahren nicht decken.“

Gleichzeitig werden viele Bewerber um Ausbildungsplätze in den IT-Berufen den Anforderungen nicht mehr gerecht. Laut BITKOM konnten 29 Prozent derFirmen freie Stellen für Auszubildende in den IT-Berufen nicht besetzen, weil geeignete Bewerber fehlten.

Wegen des schärfer werdenden Expertenmangels mahnt der BITKOM neue Anstrengungen in der Bildungspolitik und bei der Zuwanderung an. „Die unerträgliche Debatte um einen Zuwanderungsstopp muss umgehend beendet werden“, so Scheer. „Stattdessen brauchen wir eine internationale Kampagne im Wettbewerb um die klügsten Köpfe in der Welt.“

In der Zuwanderungspolitik schlägt der BITKOM folgenden Drei-Punkte-Plan vor:

1. Bei Berufsgruppen wie IT-Experten und Ingenieuren, in denen der Expertenengpass besonders groß ist, sollte auf die Vorrangprüfung verzichtet werden. Dabei prüft die zuständige Arbeitsagentur, ob der entsprechende Job nicht von einem arbeitslosen Deutschen oder EU-Bürger gemacht werden könnte. Das Mindesteinkommen für den Erhalt einer Niederlassungserlaubnis sollte von 66000 Euro im Jahr auf rund 40 000 Euro gesenkt werden.

2. Start einer internationalen Marketingkampagne „Study and Work in Germany”: Die bestehenden Möglichkeiten der Zuwanderung sollten im Ausland aktiv beworben werden.

3. Eine unabhängige Kommission sollte ein Konzept ausarbeiten, wie die Zuwanderung auf Basis eines Punktesystems aktiv gesteuert werden kann. Danach kann eine bestimmte Zahl von Hochqualifizierten nach Deutschland einwandern, wenn sie Kriterien wie Qualifikation, Alter oder Sprachkenntnisse erfüllen und ein entsprechender Arbeitskräftebedarf besteht.


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