Der Server steht in Deutschland, Die Systeme laufen in Mexiko, Brasilien oder China – Dynamisches Outsourcing über ITK-Dienstleister kann die internationale Expansion in der Automobilidustrie vereinfachen.
Am Beispiel der Wolfsburger Sumitomo Electric Bordnetze (SEBN) zeigt sich, wie Wachstum und effiziente IT Hand in Hand gehen können. Im mexikanischen Puebla produziert Volkswagen unter anderem die Jetta-Reihe. Kabelbäume der SEBN versorgen die Fahrzeuge in verschiedener Ausfertigung mit Elektrik und Elektronik. Die Teile müssen immer in der richtigen Reihenfolge im Werk sein – und zur richtigen Zeit. Kommt auch nur einer der vorkonfigurierten Elektrik- oder Elektronik-Stränge nicht rechtzeitig ans Band, kann VW das Auto nicht weiter bauen und muss die gesamte Produktion unterbrechen. Ein solcher Zeitverlust führt zu hohen Kosten.
Um diesen GAU niemals verantworten zu müssen, hat SEBN ein Werk nah am Herstellerstandort errichtet.Doch Nähe zum Auftraggeber allein reicht für Pünktlichkeit nicht aus. Damit die Belieferung „just in time and just in sequence“ reibungslos funktioniert, braucht SEBN ein leistungsfähiges und ausfallsicheres ERP-System (Enterprise Resource Planning) für die Ressourcenplanung. Es informiert den Zulieferer darüber, wann wie viele Kabelbäume am Fließband sein müssen und in welcher Spezifikation. SEBN muss sich deshalb auf die jederzeit vollständige Verfügbarkeit der Anwendung verlassen können. Um sich trotz der hohen Anforderungen an die Systeme auf das eigene Kerngeschäft konzentrieren zu können, hat das Unternehmen seine ICT-Landschaft komplett an T-Systems ausgelagert. Die SAP-Lösung befindet sich allerdings nicht in Mexiko, sondern in einem Rechenzentrum in München. Von hier aus fließen alle Daten über ein MPLS-Netz (Multi-Protocol Label Switching) zwischen Puebla und der Zentrale in Wolfsburg hin und her. Die Anwender greifen über „Thin Clients“ darauf zu.
Aus Gründen der Ausfallsicherheit ist das Netz, das Unterseekabel und Land-verbindungen auf beiden Kontinenten verknüpft, doppelt ausgelegt. Eine eigene IT-Abteilung gibt es in Mexiko nicht, es wird auf die Ressourcen des Anbieters zurückgegriffen. Für alle Fragen von Anwendern betreibt der ICT-Dienstleister in Puebla ein User Help Desk.Wenn das Geschäft aufgrund starker Nachfrage schneller wächst als erwartet, wird es bei den Ressourcen für die SAPSysteme häufig eng. Zusätzliche Kapa-zitäten stehen im traditionellen Betrieb ohne hohe Kosten nicht schnell genug zur Verfügung. Im dynamischen Outsourcing lässt sich in Zeiten höherer Auslastung oder auch bei einem plötzlich steigenden Ressourcen-bedarf die Rechnerleistung innerhalb weniger Stunden steigern – beispielsweise wenn der Auftraggeber sprunghaft die Nachfrage erhöht. Dann fließen im SAP-System deutlich mehr Daten als im normalen Tagesgeschäft. Per Monitoring verfolgen die ICT-Experten in Deutschland die Auslastung des Systems in Echtzeit und können so jederzeit schnell reagieren. Der Anwender muss für gelegentliche Lastspitzen keine Serverkapazitäten auf Reserve vorhalten und nutzt seine SAP-Lizenzen flexibler und kosteneffizienter. Am Monatsende erhält das Anwender-unternehmen eine transparente Rechnung. „Wir zahlen letztlich nur für SAP-Leistungen, die wir auch tatsächlich benötigen und verbrauchen“, so Romuald Barlóg, IT Department Manager bei SEBN.
Laut einer Studie des Marktanalyse und Beratungsunternehmens PAC (Pierre Audoin Consultants) setzen 87 Prozent der deutschen Unternehmen auf solche Virtualisierungskonzepte. Mehr als 50 Prozent der befragten IT-Manager wollen künftig Virtualisierungsangebote und flexible Preismodelle von externen Anbietern nutzen. Der Grund: Sie senken die IT-Kosten um bis zu 30 Prozent und bieten zudem eine moderne ICT-Infrastruktur.
Autorin: Daniela Hoffmann






