E-Business -Plattformen bieten hohe Potenziale für Rationalisierungen

E-Business-PlattformenLeider werden sie noch nicht ausgeschöpft. 

Im Hinblick auf den Grad der elektronischen Abwicklung unternehmensübergreifender Prozesse ergeben sich deutliche Unterschiede. Die Studien zeigen, dass insbesondere bei Lieferabrufen sowie bei Angebots- und Reklamationsprozessen die Abwicklung über E-Business-Plattformen bereits heute Standard ist. Zukünftig gewinnen unter anderem Reklamationsprozesse und Änderungsmanagement an Bedeutung.

 

Zulieferunternehmen befinden sich in einer komplizierten Situation. Ihnen setzten die hohen Kostensteigerungen bei Materialien, Energie und Personal genauso zu wie der Preisdruck der Abnehmer – ein Druck, der oftmals nicht weitergegeben werden kann. Folgerichtig wird die Härte des Preiswettbewerbs von mehr als drei Viertel aller Befragten als zentrale und dringende Herausforderung empfunden. Der Anteil der Unternehmen, die angeben, vom Preiswettbewerb gar nicht oder kaum betroffen zu sein, ist verschwindend gering. Der Preiswettbewerb ist, unabhängig von der Unternehmensgröße, ein entscheidender Faktor. Der Grund: Gerade mit der Internationalisierung der Märkte ist die Konkurrenz aus Niedriglohnländern in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Um den kostengünstigen Angeboten aus Asien und Osteuropa begegnen zu können, haben Zulieferunternehmen konzentriert an der Rationalisierung ihrer Produktionsund Beschaffungsprozesse gearbeitet.

 

Die Kombination aus Kostendruck einerseits und Qualitätsanforderungen andererseits zwingt die Zuliefer-branche zu einem Spagat, der durch herkömmliche Strategien nicht mehr gemeistert werden kann. Ebenso wie der Preisdruck sind die steigenden Qualitätsstandards und die kurzen Modelllebenszyklen ein Trend, der unabhängig von Größe und Struktur der Unternehmen die Automobil- und Fertigungsindustrie erfasst hat. „Zero defect“ ist die inzwischen für die gesamte Branche verbindliche Devise. Diese Faktoren stellen neue Anforderungen an die Technologiekompetenz der Zulieferer: Innovationspartner der Kunden zu sein, ist heute eine Voraussetzung, um im Markt zu bleiben. 93 Prozent der Befragten spüren den zunehmenden Innovationsdruck, der längst nicht nur traditionell forschungsintensive Bereiche erfasst hat. Prozessmanagement wird zunehmend zum zentralen Thema der Zulieferer in der Automobil- und Fertigungsindustrie. Folgerichtig sehen mehr als 90 Prozent die Optimierung der internen Prozesse als erfolgskritisch für die Zukunft ihres Unternehmens an. Um die Prozesse und Strukturen den neuen Anforderungen anzupassen, darf sich der Blick jedoch nicht nur auf das eigene Unternehmen richten. Es gibt gerade bei den Schnittstellen zwischen Unternehmen erhebliches Optimierungspotenzial – zumal diese Schnittstellen durch die immer engere Zusammenarbeit auch zahlreicher und komplexer werden. Auch die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die Notwendigkeit unternehmensübergreifender Optimierungsansätze voll erkannt wird: Knapp 90 Prozent der Befragten bewerten die Optimierung der Prozesse mit Kunden und Lieferanten als erfolgskritisch und damit als genauso wichtig wie die Optimierung interner Abläufe.

 

Im Rahmen der Studie wurde deswegen auch der Nutzungsumfang der wichtigsten E-Business-Plattformen analysiert. Das Ergebnis: Rund die Hälfte der befragten Zulieferer kommuniziert mit den Kunden über eine elektronische Plattform. Gleichzeitig erfolgt die Kommunikation mit diesen Unternehmen auch äußerst intensiv, das heißt, die E-Business-Plattform wird hier für zahlreiche Prozesse genutzt. Im Hinblick auf den Grad der elektronischen Abwicklung unternehmensübergreifender Prozesse ergeben sich deutliche Unterschiede. Die Studienergebnisse zeigen, dass insbesondere bei Lieferabrufen sowie bei Angebots- und Reklamationsprozessen die Abwicklung über E-Business-Plattformen bereits heute Standard ist. Am anderen Ende des Spektrums rangieren die Projektplanung, das Vorschlagswesen und der Konzeptwettbewerb. Aber auch moderne Dispositionsmethoden wie VMI oder Kanban bleiben als elektronische Prozesse noch die Ausnahme. Ein großer Teil der Studienteilnehmer plädiert dafür, Lieferabrufe, Reklamationen, Erstmusterprüfberichte, Finanzprozesse sowie das Änderungsmanagement elektronisch abzuwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass sich insbesondere strukturierte Prozesse, bei denen Daten verwendet werden, die bereits in internen Systemen vorliegen und die sich durch eine hohe Transaktionshäufigkeit auszeichnen, optimal für eine Abwicklung über eine E-Business-Plattform eignen. Und: Der Digitalisierungstrend der letzten Jahre setzt sich fort: Im Rückblick auf die letzten drei Jahre konstatieren 84 Prozent der befragten Zulieferer einen teilweise stark gestiegenen Anteil digitaler Abläufe am gesamten Prozessvolumen. Für die nächsten drei Jahre rechnen 86 Prozent mit einem Fortschreiten dieses Trends. Die Anzahl der Unternehmen, die eine rückläufige Digitalisierung konstatieren oder prognostizieren, ist verschwindend gering. Betrachtet man wiederum die Anforderungen der Zulieferer an die weitere Entwicklung der Plattformen, zeigt sich, dass 88 Prozent der Zulieferer Standards für die elektronische Kommunikation fordern. Noch deutlicher ausgeprägt ist der Wunsch nicht nur nach einheitlichen Standards, sondern auch über eine Plattform mit möglichst vielen Kunden kommunizieren zu können: 90 Prozent gehören zu den Befürwortern dieser Forderung. Fazit: Der Trend, die Prozesse unternehmensübergreifend elektronisch abzuwickeln, setzt sich fort. Dieser Trend wird vom Gros der Zulieferer begrüßt, die in der elektronischen Prozessabwicklung eindeutige Vorteile sehen.


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