Die Praxis zeigt es deutlich: Projekte sind dann erfolgreich, wenn es nicht nur ums Sparen, sondern auch um einen Haltungswandel der Mitarbeiter bei der Energienutzung geht. Der Redmonder Softwareproduzent Microsoft beispielsweise hat beim Betriebssystem Vista den Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent verringert, mit dem neuen Windows 7 soll eine weitere Reduktion möglich sein. Bei Oracle gibt es eine Reihe von Green-Programmen, von Hilfen zum Messen des CO2-Verbrauchs bis zur grüneren Gestaltung von Supply Chains. Hier sieht der Hersteller BI-Software mit Nachhaltigkeitsanalysen und -Reporting als wichtigen Ansatzpunkt. Studien zufolge machen Vorgänge im Zusammenhang mit der Lieferkette mehr als 50 Prozent des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes eines produzierenden Unternehmens aus.
IBM hat sich mit seinem Slogan „A smarter Planet“ die Schaffung nachhaltiger Technologien zum Ziel gesetzt – und eine umfassende Herangehensweise, die sich nicht nur auf die Technik beschränkt. „Es gab einen Wandel in der Themenstellung durch die Krise: Derzeit geht es hauptsächlich um Effizienzbetrachtungen und Kosteneinsparungen“, sagt Klaus Schäfer, als Partner bei IBM Global Business Services für Energie- und Umwelteffizienzberatung zuständig. „Dabei wird von sehr kurzen ROI-Zyklen von ein bis zwei Jahren ausgegangen. Die reine Betrachtung der Energiekosten ist jedoch nur über den Lebenszyklus eines Geräts oder auch Rechenzentrums hinweg sinnvoll. Hier fehlt teilweise der Weitblick“, so Schäfer. Bei Rechenzentren beispielsweise seien die Energiekosten über 10 bis 20 Jahre bis zu fünfmal so hoch wie ein Neuinvest. „Es gibt auch sehr einfache Dinge, die geringe oder keine Investitionskosten erfordern – zum Beispiel Parameter zu optimieren und Kalt- und Warmluftströme konsequent zu trennen oder die Lüftungstechnologie von Luft zu Wasser umzustellen“, so Schäfer.
Auch der Versandhändler Dell konzentriert sich seit einiger Zeit auf „grüne“ Produkte. „Bei den meisten Unternehmen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass durch die Implementierung energieeffizienter Lösungen – zum Beispiel im Bereich Kühlung – die Betriebskosten in erheblichem Maße gesenkt werden können“, sagt Dieter Schramm, Practice Executive Simplify IT bei Dell. Deshalb würden in nahezu allen Ausschreibungen heute entsprechende Lösungen gefordert. Hardwarehersteller wie Fujitsu Siemens mit dem ersten Null-Watt-PC und Sun kommen mit immer energiesparenderen PCs, Thin Clients und Servern auf den Markt. „Die Umstellung von PCs an den Arbeitsplätzen auf Thin Clients beispielsweise führt zu einer signifikanten Reduzierung des Stromverbrauchs von über 100 Watt auf rund zwölf Watt pro Platz. Mit Virtualisierungslösungen lässt sich die Serverauslastung von meist 15 Prozent bis über 80 Prozent steigern“, nennt Harald Gessner, Manager bei Sun Microsystems, einige Zahlen. Portale wie OpenEco.org informieren über passende Green-IT-Lösungen.
Für Anwenderunternehmen gilt, dass ein Fahrplan in Richtung eines klimaschutzfreundlicheren und kostensparenden IT-Betriebs eine breite Bestandsaufnahme erfordert, um unterschiedliche Ansätze aufzugreifen. Im Bereich PC und Servertechnik sei man hier schon recht weit, während sich das Netzwerkumfeld mit Komponenten und Storage noch schwer tue. Hier gebe es auch auf Kundenseite noch keine ausreichende Nachfrage, meint Oliver Mark, Principal & Environmental Manager beim IT-Dienstleister Logica, der Daimler in einem groß angelegten Green-IT-Projekt berät.
„Technologisch ist die Softwareseite spannender – beispielsweise wenn es um den Energieverbrauch von Betriebssystemen geht, aber auch um traditionelle Middleware“, so Mark. Im Daimler-Projekt habe man exakt ausgerechnet, was der aktuelle Softwarestack verbraucht und wie es im Vergleich mit Windows 7 auf Intel-Hardware aussähe. Rund 30 Prozent Energieeinsparung seien hier möglich, zugleich benötige der Return on Invest jedoch mehrere Jahre. Die Berater vertreten einen Ansatz, der im Rahmen einer Green Agenda das Thema strategisch auf mehreren Ebenen verfolgt. Dazu gehört vor allem ein Veränderungsprozess, der die beteiligten Menschen zum Mitmachen motiviert. „Screensaver verbrauchen zum Beispiel extrem viel Strom. Um hier ein Umdenken zu erreichen, bedarf es einer guten Kommunikationsvermittlung. Ziel ist, Raum für Freiwilligkeit zu geben, anstatt mit Verboten zu arbeiten“, sagt Oliver Mark. Rund drei Jahre seien einzuplanen, bis „Green“ überall in einem großen Unternehmen angekommen ist. Eine Evolution, kein kurzfristiger Schnellschuss, denn schließlich geht es um Nachhaltigkeit.
Für Mark ist auch Cloud Computing eine grüne Technologie. Je monolithischer eine IT-Umgebung, desto komplexer sei jedoch der Umzug auf Cloud-Lösungen. Für den Wandel rechnet Mark mit langen Zeiträumen, denn Entwicklungsprojekte, die teilweise tausende Mannmonate gekostet hätten, würden nicht einfach eingestampft. Als Beispiel nennt der Green-IT-Experte ein Projekt bei Daimler. Der Hersteller plant für den After-Sales-Bereich ein Modell, das web- und cloudbasiert funktioniert – und bis 2017 terminiert ist.
Daniela Hoffmann




