33 000 IT-Experten sind mit der Greencard nach Deutschland gekommen. Zum zehnjährigen Bestehen der Zuwanderungsregelung zieht der Branchenverband BITKOM jetzt eine positive Bilanz, fordert aber Nachbesserungen.
,,Die Greencard hat eine wichtige Debatte über Zuwanderung angestoßen“, sagt BITKOM-Präsident Professor August-Wilhelm Scheer. „Die derzeit gültigen Gesetze sind für den Zuzug von Hochqualifizierten aber immer noch zu restriktiv.“ Der BITKOM schlägt deshalb einen Drei-Stufen-Plan für eine erleichterte Zuwanderung von Hochqualifizierten nach Deutschland vor. Danach sollen die bestehende Gesetzeslage verbessert, im Ausland aktiv für den Studien- und Arbeitsstandort Deutschland geworben und parallel dazu ein Konzept für die Einführung eines Punktesystems erarbeitet werden.
„Der Expertenmangel ist eines der größten Herausforderungen der deutschen Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren. Das Problem verschärft sich und wir müssen jetzt die Weichen für die Nachwuchssicherung unter Einbeziehung ausländischer Spezialisten stellen,“ so Scheer.Aktuell gibt ein Drittel der ITK-Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel ein Hindernis für ihre Geschäftstätigkeit ist. Auf dem Höhepunkt des Aufschwungs im Jahr 2008 gab es zeitweise 45 000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in der deutschen Wirtschaft. Neben Verbesserungen im Bildungssystem plädiert der BITKOM dafür, die Zuwanderung für Hochqualifizierte zu erleichtern. und schlägt in seinem Drei-Stufen-Plan folgende Maßnahmen vor:
1. Zügige Verbesserung der bestehenden Gesetzeslage: Bislang müssen Nicht-EU-Bürger einen festen Arbeitsplatz nachweisen, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Dabei prüft die zuständige Arbeitsagentur, ob der Job nicht von auch von einem arbeitslosen Deutschen gemacht werden könnte. Bei Berufsgruppen wie IT-Experten und Ingenieuren, in denen der strukturelle Expertenengpass besonders groß ist, sollte auf diese Vorrangprüfung verzichtet werden. Das Mindesteinkommen für den Erhalt einer Niederlassungserlaubnis sollte außerdem von 66 000 Euro im Jahr auf rund 40 000 Euro gesenkt werden.
2. Start einer Informations- und Marketing-Kampagne „Study and Work in Germany”: Die bestehenden Möglichkeiten der Zuwanderung müssen im Ausland aktiv beworben werden.Botschaften, Auslandshandelskammern und Wirtschaftsverbände sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) sollten zu diesem Zweck eng zusammenarbeiten.
3. Kriteriengestütztes Auswahlverfahren: Eine unabhängige Kommission sollte ein Konzept ausarbeiten, wie die Zuwanderung auf Basis eines Punktesystems aktiv gesteuert werden kann. Danach kann eine bestimmte Zahl von Hochqualifizierten nach Deutschland einwandern, wenn sie Kriterien wie Qualifikation, Alter oder Sprachkenntnisse erfüllen und ein entsprechender Arbeitskräftebedarf besteht. Scheer: „Die Kriterien und die Zahl der Zuwanderer könnten von Politik und Wirtschaft gemeinsam je nach Bedarf und konjunktureller Lage festgelegt werden.“





