Händler nutzen IT-Potenziale nicht richtig aus

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Fragt man Hersteller und Importeure, so nutzen Händler die IT-Potenziale noch unzureichend aus. Moderne DMS könnten den Herstellern und Händlern helfen, den Autohandel auf allen Ebenen zu professionalisieren, davon ist Michael Römer, Prinzipal beim Beratungsunternehmen A.T. Kearney, überzeugt. Seine Vorschläge:

Zum Ersten müsse der Kunde selbst stärker in die Prozesse des Autohauses eingebunden werden. Ein Beispiel: Der Kunde soll via Online-Anfrage in die Lage versetzt werden, seinen Werkstatttermin oder eine Probefahrt selbst zu organisieren. Römer: „Sie nutzen damit die Energie des Kunden für Ihre eigene Wertschöpfung.“

Zum Zweiten sollten künftig viel mehr persönliche Details über Kunden und Interessenten in Erfahrung gebracht werden: Wie groß ist ihre Familie, welcher Arbeit gehen sie nach, welche Hobbys betreiben sie, für wann ist der nächste Urlaub geplant? Kurz: Welchen Typ Autonutzer habe ich eigentlich vor mir? Die derzeit gängige Praxis der Datenerhebung geht oft über Name, Alter und Adresse nicht hinaus.

Doch wie lernt man seine Kunden kennen? Römer hat eine Vision, die an die Erfolge sozialer Online-Netzwerke anknüpft: „Wir müssen Plattformen schaffen, auf denen Kunden sich mit Kunden über Fahrzeuge austauschen, Fragen an die Werkstatt richten und generell mit dem Autohaus kommunizieren können.“ Eine Aufgabe, der sich nach Römers Meinung die Händler tatsächlich stellen sollten, damit sie auch in der Zukunft die Hoheit rund um das Geschäft mit den Fahrzeugservices behalten können.

Um betriebswirtschaftliche Defizite im Autohaus auszugleichen, sollten IT-Systeme in Zukunft auch das Thema „Risikomanagement“ beherrschen, unterstreicht der Experte. Das betreffe die Erkennung von Risiken, wie beispielsweise von Liquiditätsengpässen, die Ursachen- und die Lösungsfindung. Ein funktionierendes Risikomanagement ist besonders in Krisenzeiten wichtig. Dabei sollten im System bei drohenden Problemen nicht nur rote Ampeln leuchten, es muss auch gleich ein Weg zur Lösung des Problems vorgeschlagen werden.

Klar ist aber auch: IT im Autohaus erfordert Investitionssummen. Gebühren für Hardware, Softwarelizenzen, Wartung, Personal und Datentransfer fallen an und sind oft wenig an die Betriebsgröße und die tatsächliche Nutzung angepasst. Diese Kosten ließen sich laut Römer signifikant reduzieren, wenn nur noch das bezahlt würde, was tatsächlich auch genutzt wird: „Autohaus 2.0“. Dieses in IT-Kreisen auch als Cloud Computing bezeichnete Verfahren bietet die virtuelle Nutzung von Software, Speicher, Rechenleistung und IT-Infrastrukturen über das Internet. Im Automotive-Bereich sieht Römer die Hersteller in der Pflicht: Sie sollten seiner Meinung nach ihren Händlern Internet-basierte Lösungen kostenlos zur Verfügung stellen. Am Ende würden beide gewinnen, so Römer: „Der Händler mehr Kunden, der Hersteller mehr Volumen.“

Autor : Georg Winter

Foto: Claus Dick


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