HP: Der nächste Schritt

HP Mit dem EDS-Merger vollzieht Hewlett-Packard den nächsten Schritt in der Evolution des Unternehmens. Die Übernahme ist eine Kampfansage an IBM und T-Systems – mit Auswirkungen auf den Automotive-Sektor. Mark Hurd, Boss des HP-Imperiums, scheut sich nicht, riskante Mega-Deals durchzuziehen. Der smarte USAmerikaner, der 2005 die umstrittene Wirtschaftswissenschaftlerin Carly Fiorina an der Unternehmensspitze ablöste, wickelte im vergangenen Jahr mit dem Kauf von EDS den bisher größten Merger im IT-Service-Bereich ab. Rund 14 Milliarden US Dollar ließ sich der geschickt taktierende Industriemanager die gigantische Zusammenführung kosten. Damit wirbelt Hewlett-Packard den Markt nachhaltig auf. 

 

Bis dahin rangierten die US-Amerikaner mit rund 17 Milliarden Dollar Umsatz (2007) im Geschäftsfeld IT-Services im internationalen Bereich gerade mal auf Platz fünf. Zum Vergleich: IBM erwirtschaftete mit IT-Dienstleistungen im selben Zeitraum satte 54 Milliarden Dollar. Durch die Verschmelzung mit EDS kommen auf HP-Seite jetzt weitere 22 Milliarden Euro Umsatzvolumen hinzu. Damit katapultiert sich HP auf Platz zwei in der Champions-League der IT-Dienstleister.
Eine glatte Kampfansage an die Konkurrenz. „Mit der Übernahme sind wir weltweit in einer erstklassigen Ausgangsposition – ein smart move“, so ein HP-Manager selbstbewusst gegenüber automotiveIT. Bisher stammten 16 Prozent der HP-Einnahmen aus dem Service, künftig werden es 30 Prozent sein. Der Deal wird auch von Analysten positiv beurteilt. „Generell ist der HP-EDS-Deal ein sinnvoller Schritt, der die Strategie des Unternehmens weiter verstärkt, nur in Märkten aufzutreten, in denen man sich als einer der beiden Spitzenspieler etablieren kann“, erklärt Claudio Da Rold, Research Vice President und Analyst bei Gartner.
Mit diesem Schachzug setzt Mark Hurd die Wachstumsstrategie des Unternehmens der letzten Jahre konsequent fort. Die EDS wird in HP’s Technology Solution Group integriert. Die „neue“ HP bündelt damit das Geschäft mit Servern und Storage Solutions, HP-Software-Lösungen und Support sowie IT- und Business-Services in einem Geschäftsbereich. Ausgehend von der traditonell starken Wettbewerbsposition im Hardwarebereich und dem konzentrierten Ausbau des HP-eigenen Softwareportfolios in den letzten Jahren greift Hurd jetzt auch im IT-Servicemarkt massiv an. Im Rahmen der Integration plant Hurd
auch gleichzeitig EDS wirtschaftlich auf Kurs zu bringen. 24 600 Jobs fallen der
Neuausrichtung zum Opfer. 1000 von zirka 4500 Arbeitsplätzen werden allein
in Deutschland abgebaut. Die Ersparnis auf Seiten der EDS: 1,8 Milliarden Dollar
jährlich. Entscheidend wird sein, wie schnell die Integration beider Unternehmen
vollzogen werden kann, ohne sich dabei in Kernkompetenzen zu schwächen.
Diesbezügliche Erfahrung hat HP jedenfalls genug – seit dem Compaq-Merger im Jahr 2002 wurden sechs größere Zukäufe (unter anderem Mercury und Opsware) erfolgreich integriert. Mit dem Merger verschieben sich die Verhältnisse unter den IT-Anbietern für die Automobilindustrie entscheidend. Die „neue“ HP ist mit Abstand der größte IT-Partner für die Branche. Die EDS ist seit Jahren führender IT-Dienstleister für die Industrie. Wichtigster Automotive-Kunde: der todkranke Riese General Motors. Vermutlich 1,7 Milliarden Dollar zahlt GM jährlich für die Leistungen der Texaner. 12 000 EDS-Mitarbeiter kümmern sich um die Belange des angeschlagenen Autobauers aus Detroit. Damit rangiert HP plus EDS im Automotive-Sektor deutlich an der Spitze. Rund drei Milliarden Dollar stammen aus diesem Geschäftszweig und auch bei der Prozesskompetenz hat der EDS-Deal Hewlett Packard weiter gestärkt. Spannend ist, wie HP mit dem Risiko umgeht, das sich aus der Abhängigkeit von GM ergibt. Größe allein ist kein Erfolgsgarant.

 

Für HP gilt es jetzt, die großen Player und Zulieferer weiter zu überzeugen – darunter auch die deutschen Autohersteller. Allen voran Volkswagen und Daimler. Beides langjährige Kunden von T-Systems. „Der deutsche Markt wird von den lokalen Riesen T-Systems und Siemens IT Solutions and Services dominiert. Das gebildete Unternehmen wird eine Herausforderung für die lokalen Marktführer und IBM darstellen“, urteilt Claudio Da Rold. Der neu geformte Automotive-IT-Gigant hat die Arme jedenfalls schon ausgestreckt. Damit ist der Verdrängungs-wettbewerb in Europa und Deutschland programmiert. HP ist hierfür sicher gut gerüstet. Das Unternehmen ist in allen Produkt- und Servicebereichen, in denen es agiert, in einer weltweit führenden Position.
Ausschlaggebend für den Erfolg wird jedoch sein, ob HP es schafft, aus 1 +
1 mehr als 2 zu machen. Der Schlüssel hierfür liegt in der Bündelung einzelner
Produkte und Services zu maßgeschneiderten Lösungen für die Bedürfnisse der
Automobilkunden. Statt ausschließlich Server, Softwarelösungen oder Infrastruktur- Dienstleistungen bereitzustellen, geht es darum, das so genannte
Automotive Ecosystem in seinen Kernprozessen zu unterstützen. Beispielsweise,
wenn es um die unternehmensweite Zusammenarbeit in Produktion und Produktentwicklung geht. Gelingt dies, kann HP einen wesentlichen Beitrag
dazu leisten, die derzeitigen Herausforderungen der Automobilindustrie zu
meistern. Notwendige Voraussetzung ist: Die gezielte Bündelung von Innovationskraft und Produkt- beziehungsweise Serviceportfolio über Branchen- und Prozesskompetenz im Automotive-Bereich. Kein einfaches Unterfangen.
Eines zeichnet sich auf jeden Fall aber bereits jetzt ab: Mit dem vollzogenen
Merger hat sich HP in eine gute Ausgangsposition für die zukünftige Entwicklung gebracht. Stellt sich nur noch die Frage, ob man die neu hinzugewonnenen
Assets auch alle punktgenau ausspielen kann? Fehler verzeiht in diesem wettbewerbsintensiven Geschäft niemand – weder der Kunde noch die Konkurrenz.
Autor: Hilmar Dunker


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