HP: Automotive-Strategie nach dem EDS-Deal

Oliver Bahns -HPOliver Bahns – HP Global Director Automotive & Aerospace über die Strategie hinter dem EDS-Merger und den Ausbau der HP-Automotive Aktivitäten.

Der Kauf der EDS ist eine der größten Akquisitionen der IT-Geschichte. Welche Ziele verfolgt HP mit dem Deal?

Der EDS-Merger ist ein weiterer logischer Schritt in unserer Strategie des Wachstums in wichtigen Marktsegmenten. Nach dem Ausbau unserer Hardwarekompetenz mit der Compaq-Akquisition haben wir in den letzten Jahren vorwiegend in Software investiert, unter anderem auch durch den Kauf von Mercury und Opsware. Durch den Merger mit EDS erreichen wir nun auf einen Schlag einenenormen Wachstumssprung im Bereich der IT-Services. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Akquisition ist der signifikante Ausbau unserer Branchen- und Prozesskompetenz – gerade im Bereich Automotive. Wir verfügen nun über ein einzigartiges, global lieferfähiges IT-Lösungsportfolio für die Automobilindustrie.

Welche Vorteile hat das für die Automobilindustrie? Was kann die neue HP den OEMs und Zulieferern anbieten?

Einfach gesagt – Business Technology. Wir bieten Lösungen, um unseren Kunden bei ihren geschäftlichen Herausforderungen zu helfen, also – ganz konkret in diesen Tagen – Kosten zu reduzieren und Kapital für alle notwendigen Investitionen innerhalb ihres Unternehmens freizusetzen, aber auch das eigene Wachstum und die Risikominimierung nicht aus den Augen zu verlieren. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: OEMs und Zulieferer verlagern Teile ihrer Produktion in Länder wie China, Indien, Russland und Brasilien. Sie bauen neue Produktionsstandorte in diesen Ländern auf. Die Zeit, die benötigt wird, die Produktion in diesen Werken zur Serienreife zu bringen,ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. HP leistet hier einen wichtigen Beitrag. Wir haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Anlaufprojekte weltweit für Kunden wie beispielsweise General Motors und Toyota unterstützt.Unsere Expertenteams können aufgrund dieser Erfahrungen die IT-Projekte im Rahmen von Fabrikanläufen sowohl im Projektmanagement als auch in der IT-Implementierung unterstützen. Neben diesen Beratungs- und Implementierungsleistungen bieten wir aber deutlich weiter reichende Lösungen. Diese gehen soweit, dass HP schlüsselfertig ein gesamtes Rechenzentrum im Container bereitstellt.
Selbstverständlich bieten wir aufgrund unserer globalen Aufstellung auch an, die IT eines Werkes für unsere Kunden komplett zu betreiben. Die Konsequenz: Projektrisiken werden reduziert,die Anlaufzeit verkürzt und in Folge die Anlaufkosten reduziert sowie der Umsatz erhöht. Ähnliche Beispiele ließen sich in der Produktentwicklung sowie bei Sales and After Sales Services anführen.

Wo sehen Sie in Ihrer Strategie die spezifischen Vorteile gegenüber dem Wettbewerb?

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Innovationskraft des Unternehmens.Hewlett Packard ist im Herzen immer ein „Engineering-orientiertes“ Unternehmen gewesen. Fast vier Milliarden US-Dollar investieren wir jährlich in unseren weltweiten HPLabs in Forschung und Entwicklung. Gerade für die Automobilindustrie sind wir global exzellent aufgestellt. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit allen großen Automobilfirmen sind wir heute in allen Automotive-Regionen vertreten. Eine ganz entscheidende Stärke von HP liegt aber meiner Meinung nach in der Unternehmenskultur und bei den Menschen von HP. Last but not least sehe ich einen Vorteil darin, dass HP selbst ein produzierendes Unternehmen ist und somit viele Herausforderungen der Kunden aus eigener Erfahrung kennt.

Jetzt müssen Sie sich ja auch erst einmal selbst inhouse formieren. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Die Integration liegt voll im Zeitplan und trägt bereits erste messbare Früchte. Wir konnten kürzlich eine Reihe von Projekten gewinnen, die vorher vermutlich weder die EDS noch HP für sich hätten entscheiden können.
Rund drei Milliarden Dollar resultieren bei HP/EDS offenbar aus dem Automotive-Geschäftszweig. Welche Potenziale sehen Sie mittelfristig?

Für uns ist die Automobilindustrie ein strategischer Markt. Sie steht vor den größten Herausforderungen in ihrer Geschichte und wir können ihr dabei helfen. Die Zukunft der Autoindustrie – insbesondere der Premiumhersteller – wird maßgeblich von IT-Innovationen beeinflusst, und zwar sowohl in den Prozessen wie auch im Produkt selbst. Fahrerassistenzsysteme, die Integration des Automobils in den digitalen Lebensstil sowie zukunftsweisende Verkehrsmanagement-Systeme erfordern einen massiven IT-Einsatz.

Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in allen automobilen Kernprozessen wird zu einem zentralen Erfolgsfaktor Diese Zusammenarbeit läuft weitgehend „virtuell“. HP wird mit Technologie und Service zum „Collaboration Partner“ .

Einer der Hauptkunden von EDS im Automotive-Sektor ist General Motors. Inzwischen dürfte das eher Risiko als Chance sein. Wie gehen Sie damit um?

General Motors ist tatsächlich ein wichtiger und strategischer Kunde für uns. Allerdings hat die EDS bereits in der Vergangenheit sehr gezielt daran gearbeitet, die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen in der Automobilindustrie weiter auszubauen.

In Anbetracht der prekären Situation ein Gebot der Stunde?

Diese Strategie werden wir konsequent weiterverfolgen. Sieht man sich die Kunden beider Unternehmen im Automobilbereich an, so sind diese größtenteils komplementär. War HP traditionell eher bei Herstellern stark, so hatte die EDS den Schwerpunkt ihrer Automobilkunden eher im Zuliefer- und Händlerumfeld. Das stellt eine hervorragende Basis für die weitere Entwicklung dar.

Der deutsche Automarkt gehört mit zu den lukrativsten der Welt. Die großen IT-Player sind IBM,  T-Systems und Siemens mit seinen IT-Solutions. Wie wollen Sie sich auf dem Markt aufstellen und behaupten?

Wir sind ja bereits heute sehr erfolgreicher und langjähriger Partner der deutschen Autoindustrie. Doch wir wollen noch deutlich besser werden. Dazu müssen wir unsere Kunden von der Leistungsfähigkeit der neuen HP überzeugen…

…und wie soll das gelingen?

Das gelingt, indem wir ihnen konsequent helfen, ihre Business-Probleme zu lösen. Durch den Zusammenschluss mit EDS haben
wir unsere Lösungskompetenz stark ausgebaut. Jetzt gilt es, diese Stärke bei unseren Kunden umzusetzen.

Sie sprachen die derzeitige Krise der Automobilindustrie bereits an. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Die Autoindustrie steht vor einem strukturellen Wandel. Vereinfacht kann man heute zwei Gruppen ausmachen. Die einen kämpfen ums Überleben, die anderen werden die Krise nutzen,um sich neu zu positionieren und Marktanteile dazu zu gewinnen. Eines haben beide gemeinsam. Sie benötigen Kapital, um die notwendigen Investitionen zu tätigen. Und das ist zur Zeit teuer. Welche Möglichkeiten haben Unternehmen? Kosten reduzieren und Anlagevermögen in liquide Mittel umwandeln – und natürlich den Umsatz steigern.

Welche Lösungen kann HP/EDS beisteuern?

HP hilft hier auf vier Ebenen: Bei der Prozessinnovation in den Kernprozessen, bei der IT-Effizienz und im IT-Outsourcing. Gerade im Outsourcing besteht die Möglichkeit, IT-gebundenes Kapital für das Unternehmen freizusetzen und Kosten für den IT-Betrieb zu reduzieren. Und viertens: bei der Finanzierung.HP setzt die eigene Finanzkraft für Kunden ein. Mit  maßgeschneiderten Finanzierungslösungen verbessern wir sowohl die Liquidität als auch das Rating unserer Kunden.

Das Gespräch führte Hilmar Dunker

Oliver Bahns (41) studierte an der Technischen Universität Berlin
Wirtschaftsingenieurswesen mit dem Schwerpunkt Produktionstechnik.
Er startete seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der
Fraunhofergesellschaft. Bahns beriet Automobilhersteller beim Aufbau
neuer Produktionsstandorte in Asien.1998 wechselte er als Leitender
Berater zum debis Systemhaus, wo er den Beratungsbereich für Produktion
und Logistik aufbaute und zuletzt die Business Development
and Consulting Manufacturing Industries leitete. 2008 kam Bahns als
Global Director Automotive and Aerospace zu Hewlett Packard.


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