Die strategische Bedeutung des professionellen Lieferantenmanagements wurde erkannt. „Zum Teil sehen wir sehr ausgefeilte Strategien, dennoch wurde vieles von dem, was sich die Unternehmen vorgenommen haben, nicht umgesetzt“, sagt Markus Quicken, Vorstandsvorsitzender der Supply-On AG. Das wohl überraschendste Ergebnis einer Studie, die SupplyOn gemeinsam mit AMT Successfactory unter knapp hundert Unternehmen durchgeführt hat: 30 Prozent wickeln ihre Prozesse in der operativen Beschaffung noch immer mit dem Fax ab – obwohl am Markt unzählige kostengünstige, leicht zu adaptierende Web-EDI-Lösungen auch für kleine Unternehmen verfügbar sind. Punkten können hier offensichtlich die User der elektronischen Beschaffungsplattform. Sie nutzen kaum noch Kommunikationsmittel wie Fax oder E-Mail für die Beschaffungsprozesse. Beim Lieferantenstammdaten- und Zertifikatsmanagement klafft ebenfalls eine elektronische Lücke: 46 Prozent pflegen die Stammdaten zentral mit hohem manuellen Aufwand, 43 Prozent sogar nur dezentral. Nur elf Prozent haben ein durchgängiges elektronisches Stammdatenmanagement, bei der Zertifikatsverwaltung sind es 17 Prozent.
„Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die Anforderungen immer komplexer werden und die Prozesse zugleich immer kollaborativer“, meint Quicken. Da sei es auch für kleine und mittelständische Unternehmen sinnvoll, diese Entwicklung evolutionär mitzugehen, anstatt irgendwann mit einer Big-Bang-Umstellung konfrontiert zu sein. Aus Sicht der Plattformbetreiber hat sich die Situation innerhalb der Boom-Phase vor allem bei den Engpassteilen zugespitzt. „Wir sehen einen klaren Trend dahin, dass Bestellungen immer stärker überwacht und die Prozesse zwischen Bestellung und Warenabruf komplett transparent gemacht werden. Da reicht die Kommunikation per Fax nicht mehr aus“, führt Quicken aus. Und die Lieferanten kommen nicht mehr nur aus Deutschland. Auch durch die globale Struktur sei der Bedarf nach Kontrolle größer geworden. Für die Lieferanten sei die Bewertung durch den Kunden auch hilfreich, um Probleme im eigenen System zu erkennen. Zum Beispiel hilft der Vergleich zwischen Warenausgang und dem Eingang beim Kunden, um zu sehen, wie lang der Transport tatsächlich gedauert hat. Die Beschaffungsplattform setzt bereits seit ihrer Gründung erfolgreich auf eine Cloud-Computing-Strategie, alle User nutzen dieselbe Softwareinstanz. Sicherheitsaspekte hatten von Anfang an höchste Priorität. Es gibt ein dediziertes Rechenzentrum in Deutschland, aus dem die Applikationen weltweit zur Verfügung gestellt werden. Auf Private oder Public Cloud will man sich jedoch hier nicht festlegen lassen. „Übertragen gesprochen, sind wir eher ein öffentlicher privater Club“, sagt Quicken.
Autorin: Daniela Hoffmann, Foto: Daimler




