Verabschieden von der permanenten Erreichbarkeit

Kommunikationswissenschaftlerin Professor Dr. Miriam Meckel über die Zukunft der Manager ohne ständige mobile Erreichbarkeit, Daten-Ownership und Sabbaticals.

Miriam Meckel: Die Professorin forscht an der Harvard University.

Ein Sommertag in Boston. Massachusetts. Die Tage sind heiß, die Menschen suchen schattige, kühle Plätze, genießen die Ruhe der weitläufigen Parks im Universitätsviertel Cambridge. Boston, Harvard, MIT, die schlauesten Köpfe Amerikas schreiben sich hier ein.

Für Europäer ist es eine Auszeichnung, wenn sie einen Studienplatz an den berühmten Hochschulen ergattern; im Normalfall zahlen sie zusätzlich viel Geld dafür.

Miriam Meckel, einst jüngste deutsche Hochschulprofessorin, forscht derzeit in Boston. Sie ließ sich durchs Berufsleben hetzen und wurde dabei immer kurzatmiger. Die junge deutsche Professorin durchflog das vergangene Jahrzehnt, lehrte zunächst an der Universität in Münster, moderierte nebenbei bei RTL und der ARD, wechselte dann in den Regierungsapparat des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement.

Es folgte ein Führungsjob bei der amerikanischen Kommunikations- und Strategieagentur Brunswick, dann die Berufung an die renommierte Universität St. Gallen in der Schweiz. Ein Leben bestimmt durch Terminkalender und 14-Stunden-Tage, ständige Erreichbarkeit und dazwischen noch ein wenig Privates, das durch ihre Beziehung zur ARD-Moderatorin Anne Will auch noch im Scheinwerfer der Öffentlichkeit ausgeleuchtet wird.

Vor gut zwei Jahren dann der Absturz – Burnout. Schleichend kam die Krankheit, heimlich hat Miriam Meckel sich in einer Klinik therapieren lassen und dann darüber das Buch “Brief an mein Leben” veröffentlicht. Miriam Meckel hat sich aus der permanenten Erreichbarkeit verabschiedet.

Email free Friday”

Miriam Meckel, die für die Deutsche Telekom AG untersucht hat, welche Auswirkungen die mobile Kommunikation auf den Berufsalltag hat, sieht die Amerikaner schon viel weiter als die Europäer. Immer mehr Unternehmen würden den “Email free Friday” einführen.

US-Konzerne verordneten ihren Mitarbeitern jetzt den Verzicht auf Email und Blackberry. Der Technologie-Riese Intel sei dabei richtungweisend: “Es kehrt nicht nur die Menschlichkeit in den Arbeitsrhythmus zurück, sondern viele Probleme lassen sich leichter lösen, wenn die Mitarbeiter wieder Face to Face kommunizieren und entscheiden”, sagt die Harvard-Forscherin.

Die Deutsche Telekom AG bewegt sich als eines der ersten deutschen Unternehmen in diese Richtung. Mechthilde Maier, Leiterin Group Diversity Management, erläuterte Mitte Juli in einem Spiegel-Online-Interview einen entsprechenden Vorstandsbeschluss. Von Notfällen abgesehen, können und sollen Mitarbeiter in ihrer freien Zeit keine E-Mails beantworten.

“Kein Unternehmen kann und soll komplett über die Zeit der Menschen verfügen. Es muss Frei- und Ruheräume geben, in denen Mitarbeiter wissen, dass sie das Recht und die Freiheit haben, nicht gestört zu werden, souverän zu sein.” Die ständige Erreichbarkeit auch nach Dienstschluss, das Arbeiten am Abend und an Wochenenden, lasse keinen Raum für Kreativität, meint Meckel, und schade damit dem Unternehmen.

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