Mittelstand leidet unter Fachkräftemangel

Viele Stellen lassen sich in der IT-Branche nicht mehr besetzen. Darunter leidet vor allem der Mittelstand

Die Wirtschaft boomt – doch es fehlt an Arbeitskräften. Die größte Knappheit auf dem Arbeitsmarkt sehen deutsche Unternehmen derzeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie IT. Selbst während der Wirtschaftskrise gab es 40 000 offene Stellen für so genannte MINT-Berufe: Mathematiker, IT-Spezialisten, Naturwissenschaftler und Techniker. Und auch mittelständische Unternehmen sehen den größten Mangel bei Topmanagern im IT-Bereich. Dies sind Ergebnisse der Studien „Recruiting Trends 2011“ sowie „Recruiting Trends 2011 im Mittelstand“ des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main und des Online-Karriereportals Monster. Zwar wollen in diesem Jahr alle befragten Großunternehmen und 89 Prozent der Mittelständler Mitarbeiter einstellen, allerdings wird in allen Unternehmen etwa jede dritte Vakanz nur schwierig zu besetzen sein. Dramatisch ist die Entwicklung in der IT-Branche. Dort wird voraussichtlich für zwölf Prozent der zu besetzenden Stellen gar kein passender Kandidat gefunden. Im Vergleich zu der branchenübergreifenden Betrachtung liegt der Wert damit dreimal so hoch. Die Personalknappheit macht sich besonders im Mittelstand bemerkbar. Dort schätzt die Hälfte der befragten Personalverantwortlichen, dass es 2011 noch schwerer wird, qualifiziertes Personal zu finden. Im Vergleich zum letzten Jahr bedeutet dies einen kritischen Zuwachs von 40 Prozentpunkten und verdeutlicht die schwierige Lage für mittelständische Unternehmen.

„Mittelstand und Großunternehmen sind fest in der Hand des Fachkräftemangels, und es ist nicht abzusehen, dass sich die Knappheit an guten Kandidaten in den nächsten Jahren ändert. Dabei ist es besonders schmerzhaft, dass die Not gerade in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie IT am größten ist, da hiervon das ganze Unternehmen auch strategisch betroffen ist. Rekrutierung wird immer mehr zu einem Wettbewerbsfaktor”, kommentiert Tim Weitzel, Inhaber des Lehrstuhls für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen der Universität Bamberg. Nicht das einzige Problem auf dem IT-Sektor: Die Bindung von Mitarbeitern ist die größte interne Herausforderung für die Personalbeschaffung der deutschen Top-300-Unternehmen. Auf dem zweiten Platz folgt der Aufbau eines nach innen gerichteten Arbeitgeber-Images. Von den externen Trends besitzt der demografische Wandel nach Ansicht der antwortenden Unternehmen die größte Bedeutung für die Personalbeschaffung, gefolgt vom Fachkräftemangel. 12,4 Prozent ihrer freien Stellen werden nach Ansicht der 300 größten deutschen IT-Firmen im Jahr 2011 nicht besetzbar sein. Zudem wird erwartet, dass sich die Besetzung in vier von zehn Fällen zumindest schwierig gestalten wird.

Autor: Frank Dresen


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