Die IT-Dienstleister feilen unter Hochdruck an neuen Cloud Services für die Autoindustrie, es geht um Marktanteile in den nächsten Jahren. Ein erster Trend: Plattformen für SCM oder Dealer Management (automotiveIT 06/07 2011).
Selber denken macht bekanntlich schlau. Auf der einen Seite gibt es eine Technologie, auf der anderen Seite müssen ihre Anwendungsfelder für einzelne Branchen noch definiert werden: Viel Raum für innovative Ideen mit neuem Charme und Querdenker. „Es gibt potenzielle Einsatzgebiete für Supply Chain Management in der Cloud. Das Thema macht jedoch nur Sinn, wenn mehrere Partner auf eine Basis zugreifen können. Kernfrage ist: Wo liegen die Daten und sind sie sicher genug?“, sagt Michael Unruh, Leiter des Competence Centers Integrated Customer Solutions beim ITDienstleister Cirquent. Nach eigenem Bekunden lotet Cirquent derzeit Cloudbasierte Dienstleistungsangebote aus, bei denen das Thema Datenschutz im Vordergrund steht und die den Einstieg für die Branche erleichtern sollen. Im SCM-Bereich müssten die OEMs selbst als Service-Anbieter auftreten, meint Unruh.
Vereinfachungen seien insbesondere bei Engineering und Distribution denkbar. Hier gebe es allerdings große Vorbehalte im Zusammenhang mit Datenschutz- und Geheimhaltungsanforderungen. Vielleicht werden die IT-Dienstleister künftig selbst zum Zulieferer: „Gut vorstellbar sind Lösungen, in denen Content, den die OEMs länderspezifisch für ihre Fahrzeuge benötigen werden, als Dienstleistung in der Cloud zusammengestellt wird“, nennt Unruh ein Beispiel. Beim ITA-Workshop zum Thema wurde Cloud Computing als Toptechnologie der nächsten Jahre gesehen. „Die Einsatzgebiete von Cloud sind noch längst nicht erschöpft und auch nicht komplett bekannt“, sagt Oliver Kelkar, Senior Manager beim IT-Dienstleister Mieschke Hofmann und Partner und Mitorganisator des Workshops. Als Anwendungsgebiete identifizierten die Teilnehmer Collaboration Services wie weltweite neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit bei der Produktentwicklung oder Individualentwicklung sowie der Vernetzung von Wissen.
Gerade im Bereich E-Mobility und Telematik sehen die Experten Cloud-Einsatzgebiete. „Allen voran die steigende Komplexität von zunehmend mehr industrieübergreifenden Geschäftsprozessen, das wachsende Datenvolumen sowie die wachsende Bedeutung von E/E erfordern immense Investitionen in ITSysteme, deren Kosten möglichst niedrig ausfallen müssen. Hier kann Cloud Computing helfen“, so Unruh. Das gelte zunächst für die Bereiche Plattform und Infrastructure as a Service. „Business- Prozess und Software als Service werden noch etwas auf sich warten lassen. Hier fehlen noch die guten Ideen oder Services, die tatsächlich akute Probleme der Branche lösen können“, schätzt Michael Unruh. Erste Ansätze seien zum Beispiel Fleet-Management-Lösungen in den USA. „Wir sehen große Optimierungspotenziale bei Process as a Service. Hier liegen umfangreiche Kostenreduzierungspotenziale, die zumeist erst mittelfristig gehoben werden können, da einfache und prozesssichere Schnittstellen in der Breite zur Verfügung gestellt werden müssen“, meint auch Kelkar. HP bastelt derzeit am Blueprint einer CRMLösung für die Automobilindustrie, es wird mit den OEMs darüber verhandelt, welche DMS (Dealer-Management-Systeme) hier einbezogen werden.
Details sollen demnächst bekannt gegeben werden. „Bei komplexen Zusammenhängen wie in der Automotive-Branche wird der Cloud-Dienstleister eine Art ‚Intermediate‘ zwischen den unterschiedlichen Parteien“, erklärt Dirk Schürmann, Director Automotive bei HP. Ein weiteres Anwendungsgebiet für die Cloud-Welt ist aus seiner Sicht das Thema der Rückrufaktionen, ähnlich wie es schon von der Organisation GS1 für den Retailbereich angegangen worden ist. Gerade im CRM-Bereich sind SaaSLösungen bereits richtig etabliert, nicht zuletzt dank des Klassikers Salesforce. Auch Oracle und Microsoft haben CRM als SaaS-Angebot im Programm. SAP ergänzte seine CRM-On-Demand-Lösung gerade mit der erst kürzlich angekündigten Cloud-Lösung SAP Sales OnDemand. Auch der österreichische CRM-Hersteller Update bietet seine Software seit letztem Jahr als SaaS-Lösung Update.Revolution mit IBM als Hosting-Partner an. Das Open-Source-System SugarCRM ist aktuell als Mietvariante erhältlich, ebenso wie das reine SaaS-CRM von Netsuite. Das ERP-Umfeld gilt als gewagter Markt, weil die Scheu, Business-kritische Informationen außer Haus zu geben, hier sehr groß ist. SAP hat sich mit der Einführung der On-Demand-Lösung Business ByDesign nicht leicht getan, mittlerweile gibt es 250 Anwender. „Wir sehen ein klares Potenzial für betriebswirtschaftliche Cloud-Anwendungen bei kleineren Unternehmen in der Automotive-Branche, die auf kostengünstige und flexible Unternehmenssoftware mehr denn je angewiesen sind“, so Andreas Barth, Vertriebsleiter Industry Solutions bei SAP. Tochterfirmen größerer Gesellschaften gehörten ebenfalls zur Zielgruppe. Während auch andere ERP-Anbieter wie Comarch mit Semirami, Infor mit SyteLine oder Epicor mit Express ihr ERP-System als SaaS-Lösung vertreiben, gibt es auf SaaS spezialisierte Hersteller wie Myfactory, Plex oder Netsuite.
Autorin: Daniela Hoffmann
Foto:Â Â Audi, Car2car, iStockphoto/halfshag, Illustration: Sabina Vogel





