Produktionsstopps und Zwangspausen an zahlreichen Standorten, stetig sinkende Nachfrage – die globale Finanzkrise hat die Automotive-Industrie getroffen wie ein starkes Erdbeben. Das zwingt Hersteller und Zulieferer dazu, alle Prozesse neu zu überdenken. Gleichzeitig müssen beide Seiten massiv Kosten reduzieren und systematisch nach überflüssigen Ausgaben suchen. Die Geschäftskundentochter der Deutschen Telekom T-Systems richtet den Blick auf die „schlanke Entwicklung“ in Automobilprojekten. Mit einer neuen Lösung folgt sie klar dem Trend zu Wertschöpfungsnetzwerken und firmenübergreifenden Projekthäusern. Schon 2005 kamen Analysten von Proudfoot Consulting zu einem ernüchternden Ergebnis: Über 37 Prozent der Arbeitszeit in Projekten verlaufen unproduktiv, werden also verschwendet.
Das gilt auch für die Automobilindustrie. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Die Gründe liegen hauptsächlich in einer mangelhaften Koordination der Entwicklungsarbeit. So ist oft der „Informationsverteiler“ für Produkt- und Prozessdaten nicht klar oder die Partner setzen auf falschen Projektständen auf und merken erst viel zu spät, dass sie aneinander vorbei entwickelt haben. In der Teamarbeit, insbesondere im kreativen Engineering-Prozess, der über 80 Prozent der späteren Produktkosten entscheidet, liegt deshalb großes Potenzial brach. So zeigt die Fraunhofer/IAOStudie aus dem Jahr 2004, dass Effizienzsteigerungen von 30 Prozent in der automobilen Produktentwicklung machbar sind. T-Systems zusammen mit der Fachhochschule Gelsenkirchen ließ aktuell 25 Firmen der Automobilzulieferindustrie befragen. Das Ergebnis zeigt, wie die ersten 20 Prozent kurzfristig erreicht werden könnten. Der Erfolgsfaktor, um dieses Potenzial zu erschließen, liegt in neuen Formen der Zusammenarbeit im Entwicklungsprozess. Die weiterhin anhaltende, starke Veränderung der Wertschöpfungstiefen benötigt Partnerschaften mit anpassbarem Rollenverständnis – je nach Aufgabe im Projekt. Klassisch ausgedrückt: Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung müssen auch in unterschiedlichsten Teams zusammenpassen. Arbeiten dann alle weltweit auf Basis von ICTStandardlösungen zusammen, laufen Prozesse reibungsloser und schneller ab.
Gleichzeitig steigt die Qualität und die Kosten sinken. Laut der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting (Jahr 2003) führen neue Wege der Kooperation pro Fahrzeug zu Kosten-Einsparungen von 600 bis 1.000 Euro. In Anlehnung an das Paradigma der „schlanken Produktion“ in den 1980er- Jahren ist nun die Zeit reif, die Prinzipien gegen Verschwendung auf die „schlanke Entwicklung“ zu übertragen, und zwar mit Hilfe von Informationstechnik, die für eine effizientere Zusammenarbeit über Firmen- oder Standortgrenzen hinweg sorgt. Zusammen mit Technologiepartnern wie Microsoft und Intel hat T-Systems eine Art virtuelles Projekthaus für die „schlanke Entwicklung“ prototypisch aufgebaut. Damit ist PLATON (Platform for Orchestrated Engineering Networks) eine neue und kompakte Lösung für die Zusammenarbeit zwischen mehreren Fahrzeugherstellern und Zulieferern auf Augenhöhe.
PLATON folgt hier klar dem Trend zu Wertschöpfungsnetzwerken und firmenübergreifenden Projekthäusern in der Automobilindustrie. Denn die klassische Punkt-zu-Punkt-Kommunikation in der Lieferkette vom Zulieferbetrieb zum Fahrzeughersteller ist absehbar ein Auslaufmodell. Wie funktioniert das aber ganz konkret im Arbeitsalltag? Vor einer Online- Besprechung sehen die Mitarbeiter auf Ihrem PLATON-PC über firmenübergreifende
Präsenzinformationen, ob ihr Ansprechpartner gerade zu erreichen ist und kontaktieren ihn über eine Chatfunktion. Erhalten sie vom Ansprechpartner eine positive Rückmeldung, bauen die Mitarbeiter wahlweise eine Sprach- oder Videoverbindung auf. Die Partner können sich gemeinsam an ihrem jeweiligen Bildschirm Dokumente und Bilder ansehen und sie bearbeiten. Bei gegenseitigem Einverständnis, können die Ergebnisse einer Besprechung aufgezeichnet werden. Auch mit mehreren Teilnehmern sind solche Kommunikationsprozesse ohne Medienbrüche möglich. Bei Bedarf lassen sich auch nur über Handy erreichbare Mitarbeiter in die Online- Besprechung einbeziehen. Der gesamte Kommunikationsprozess mit allen Sprach-, Bild- und Daten-Kanälen wird an nur einem Gerät, auf einer einzigen Oberfläche in einer hochsicheren Umgebung abgewickelt. PLATON bietet – integriert mit bestehenden Systemen für den CAD-Datenaustausch – eine Informationslogistik zum sicheren und nachvollziehbaren persönlichen Zustellen beliebiger Datenformate und großer Datenobjekte. Das Ziel ist klar: im Entwicklungsverbund einen einheitlichen Informationsstand zu gewährleisten und so Änderungen schnell und ohne Missverständnisse zu erledigen. Auf diese Weise stellt PLATON den räumlich verteilten Team-Mitgliedern Informationen bereit, wie ein Fließband in der Fabrik die Materialien. Das Entwicklungsteam kann unabhängig von der Firmenzugehörigkeit so rund um die Uhr auf die richtigen Engineering-Informationen zugreifen und vertrauliche Daten gesichert austauschen. Fazit: Komplexe Abläufe lassen sich durch einfache Regeln und Interaktionen koordinieren. Die „Intelligenz des Schwarms“, also die des gesamten Entwicklungsverbundes, wird effizient genutzt.
T-Systems als Dienstleister für Informationslogistik
PLATON: Schnell und einfach aufgebaut / zu 90 Prozent Standardlösungen Eine neue ICT-Infrastruktur benötigen Firmen für PLATON nicht. T-Systems stellt aus einem Baukasten die Standardelemente zusammen und rüstet das virtuelle Projekthaus mit allen Client-Arbeitsplätzen betriebsfertig aus. Somit müssen sich die Entwicklungspartner zunächst nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen. Neue Mitglieder lassen sich jederzeit in das Netzwerk einbinden. Ziel ist es, das Änderungsmanagement in den Griff zu bekommen und Nacharbeiten zu vermeiden. T-Systems setzt hier auf das Internet mit allen Möglichkeiten der Personenidentifizierung und Zugangskontrolle, wie sie jeder vom Homebanking kennt. Zudem können sensible Informationen über hochsichere Datentresore und Netzverbindungen ausgetauscht werden. Als „Trusted Third Party“ stellt der ICT-Dienstleister außerdem alle Elemente für das Rights Management zur Verfügung. Dazu gehören sichere feste und mobile Netzverbindungen, der USB-Stick mit persönlichem Zertifikat sowie die signierte Client-Software. Über das Trust Center der Deutschen Telekom stellt T-Systems auch die Zertifikate aus. Die Telekom-Tochter übernimmt neben der Bereitstellung der Technik (ICT) für das PLATON-Projekthaus auch weitere Dienstleistungen, wie Hilfe bei Störungen, Projekt-Coaching, Projekt-Office u.v.a. Ein Projekthaus kann gekauft oder auch nur ein Raum für die Projektdauer gemietet werden.

