Porsche bringt Daimler in Zugzwang

Die weltweite Absatzkrise und scharfer Gegenwind von der Konkurrenz zwingen die Rivalen Daimler und BMW nach Ansicht von Experten zu einer engeren Zusammenarbeit. «Daimler ist in einer Zwangslage und muss bei Kooperationen Gas geben», sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag in Stuttgart. «Das Unternehmen hat sich schon viel zu viel Zeit damit gelassen.» Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» hatte berichtet, die ersten Kooperations-Verträge zwischen den beiden Erzrivalen Daimler und BMW seien bereits unterschriftsreif.

Um die Kosten deutlich zu drosseln und wichtige Zukunftstechnologien weiter voranzutreiben, müssten die beiden Hersteller nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Entwicklung von Getrieben, Motoren und Fahrwerken zusammenarbeiten, sagte Dudenhöffer. Der Autofachmann Willi Diez sagte der dpa: «Allein durch eine Zusammenarbeit im Antriebsbereich könnten die beiden Hersteller rund 20 Prozent einsparen.»

 

Dudenhöffer sagte, es gehe bei der Zusammenarbeit von Daimler und BMW nicht nur darum, über die gemeinsame Entwicklung von Fensterhebern Kosten einzusparen. Der künftige Großkonzern Porsche mit seinen starken Marken VW und Audi werde Daimler künftig immer mehr den Rang streitig machen. Die bereits bestehende Zusammenarbeit von Daimler mit BMW sei daher sinnvoll, müsse aber noch deutlich weitgehender sein.

 

Daimler muss wegen der weltweiten Autokrise einen dramatischen Absatzeinbruch verkraften. Erwartet wird, dass Vorstandschef Dieter Zetsche an diesem Dienstag (17. Februar) einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen und ein umfassendes Sparprogramm ankündigen wird. Nach Medienberichten soll laufendes Programm verschärft und damit ein jährliches Einsparvolumen von 1,6 Milliarden Euro erzielt werden.

 

Der Daimler-Betriebsrat hat bereits Widerstand gegen Teile des geplanten Sparprogramms angekündigt. Der Autobauer will offenbar 20 Prozent seiner Auszubildenden nicht übernehmen. Dagegen wollen IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann und Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm in einer gemeinsam Aktion vorgehen. Für diesen Mittwoch (18.Februar) wurde bereits eine Protestkundgebung gegen die Personalpolitik organisiert.

 

Diez sagte, bei einer Kooperation von Daimler und BMW seien Einsparungen im Segment Antriebsstrang besonders wichtig, weil hier in den nächsten Jahren hohe Kosten auf die Hersteller zukämen. «Jeder muss seine Antriebspalette überarbeiten. Dies gilt nicht nur für die Entwicklung von Hybrid, Elektromotoren und Brennstoffzellen, sondern vor allem auch für die Optimierung von Benzin- und Dieselfahrzeugen.» Großes Einsparpotenzial sehe er vor allem bei Sechs- und Achtzylindermotoren. «Hier hat jeder für sich bisher relativ kleine Stückzahlen.»

 

Der Stuttgarter Premium-Hersteller und sein bayerischer Konkurrent verhandeln seit Monaten über gemeinsame Projekte. Zuletzt hatte BMW- Einkaufsvorstand Herbert Diess mitgeteilt, dass die beiden Rivalen neben einem gemeinsamen Einkauf von Komponenten auch über die Bündelung der Einkaufsaktivitäten in bestimmten Märkten wie China und den USA redeten. Daimler und BMW versprechen sich über den gemeinsamen Einkauf für Komponenten wie Gurtroller oder Klimaanlagen Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich. Zudem arbeiten die beiden Autobauer gemeinsam an Hybridtechnologien. (dpa)


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