Interview mit Prof. Alfred Katzenbach, Direktor Information Technology Management Mercedes-Benz Cars Research and Development für das “Best Practice Magazin” von T-Systems
Herr Professor Katzenbach, was sind Ihre Erwartungen, was sind die Key Performance Indicators an den globalen Smaragd-Betrieb?
Lassen Sie mich diese Frage aus der Nutzerperspektive beantworten. Smaragd muss jederzeit mit einem sehr guten Antwortzeitverhalten verfügbar sein. Denn in unserer Entwicklung gilt – auch wenn ich auf den Satz kein Copyright habe: „Im ganzen Auto ist kein Platz für Teile ohne Datensatz.“ Smaragd ist unser zentrales Engineering-Backbone-System, das alle unsere Konstruktionsdaten verwaltet und die weltweite Verfügbarkeit des aktuellen Entwicklungsstandes sicherstellt.
Wer hat Zugriff auf Smaragd und seine Daten?
Neben unseren 8000 Ingenieuren als Dateneigner ist dies eine ungleich höhere Zahl an Datennutzern – vom Designer über die Produktionsmitarbeiter im Werk bis zur Vorstandsebene.
Und die Effizienz im Engineering-Workflow Ihrer Produktentwicklung steigt?
Ständig. Allein, indem wir Iterationen vermeiden und Daten konsistent und frei von Redundanzen halten. Wir synchronisieren parallele Prozesse, verkürzen die einzelnen Entwicklungsphasen und verbessern unsereErgebnisvorhersage.
„Ergebnisvorhersage“ bedeutet was?
Smaragd ermöglicht uns Simulationen in einer virtuellen Realität, über die wir den Reifegrad von Prototypen deutlich erhöhen und physische Prototypen und Attrappen in den Fahrzeugprojekten einsparen. Schon der Erstaufbau eines Modells erfolgt mit einem viel höheren Reifegrad als noch vor wenigen Jahren. Aber am Ende des Tages erfolgt die Feinabstimmung unserer Fahrzeuge nur mit realem Erleben – des Handlings, von Komfort oder Nutzerfreundlichkeit. Die Feinabstimmung eines Mercedes muss „erfahren“ werden, daran – glauben Sie mir – wird sich auch in 100 Jahren nichts ändern.
Wo setzen Sie Smaragd ein?
Bei all unseren Fahrzeugen: Pkw, Busse, Vans und Trucks der Marken Mercedes, Smart, Maybach, Fuso und Freightliner. Dies gilt für alle Baureihen, die auf dem Markt sind und die sich in der Entwicklung befinden. Von der Strategiephase über das Prototyping (Fahrzeugphase) bis zur Produktionsphase verzahnen und integrieren wir die virtuelle Welt in den Entwicklungszyklus und verkürzen jede einzelne Phase. Vom Design über Strömungssimulationen, Interieur-Konzepte, Ergonomie, Crashtest, Verbrauchsoptimierung bis zur Produktion.
Worauf kommt es dabei an?
Fahrzeugentwicklung ist eine multikriterielle Optimierungsaufgabe, bei der sich Prozesse interdisziplinär beeinflussen. Da wird zeitnahe Absicherung von Entwicklungsschritten – jedem einzelnen Arbeitsschritt – zum Erfolgsfaktor. Das gilt besonders für Konstruktion und Engineering. Im Freigabe-Workflow, den bei uns täglich Hunderte von Bauteilen erreichen, geht es darum, die Zustimmung und rechtsverbindliche Absicherung aller Bauteileverantwortlichen – Stichwort Produkthaftung – über die in Smaragd integrierten Freigabeprozesse einzuholen und darzustellen.
Aber wenn das Auto irgendwann mal in Serie vom Band läuft, hat Smaragd seinen Job erledigt, oder?
Nein, Smaragd ist als „Kopilot“ quasi immer an Bord. So helfen uns digitale Ein- und Ausbausimulationen von Wartungs- und Reparaturarbeiten, schon in der Planung eines Fahrzeugs konstruktive Lösungen vorzusehen, um später den Werkstattaufenthalt des Kunden kurz und preisgünstig zu halten.
Interview : Thomas van Zütphen für T-Systems Automotive





