Radio Frequency Identification (RFID) auf dem Prüfstand:  Womit ist die Zurückhaltung der Unternehmen zu erklären? „Die Initialzündung fehlt bisher“, sagt Dirk Kling, Head of Marketing und Business Development bei der Seeburger AG und Mitglied der ITA-Projektgruppe. Während die großen Hersteller ihre internen RFID-Strategien im Container- und Behältermanagement bereits umgesetzt haben, liegen übergreifende Projekte meist brach. Volkswagen hatte Anfang des Jahres ein wegweisendes RFID-Pilotprojekt im Bereich Teilelogistik unter Einbindung der Zulieferer abgeschlossen. Geplant war, die RFID-Technologie verstärkt in die regulären Geschäftsabläufe einzubeziehen. Stand heute: unklar. Insgesamt wird im Markt abgewartet, wer den ersten Schritt tut.
„Dass geschlossene RFID-Kreisläufe über die Wertschöpfungskette hinweg Mehrwert bringen, wurde bereits nachgewiesen. Die Anfangsinvestitionen stellen derzeit jedoch eine Hürde dar, die angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation kaum ein Unternehmen zu überwinden bereit ist“, so Dirk Kling. Denn trotz der Vorarbeiten im Rahmen der ITA-Roadmap, die sich auch auf die VDA-Empfehlung 5501 stützt, bringt ein übergreifendes RFID-Vorhaben für alle Beteiligten auch einiges an Einsatz mit sich. Das gilt insbesondere für die Umstellung der eigenen Prozesse, die Standardisierung der Informationen auf den Tags – und nicht zuletzt die Einigung darüber, wer in der Kette welche Kosten übernehmen soll.
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Ursache für die zögerliche Haltung kann jedoch auch der Zweifel am Benefit gemeinsamer Initiativen sein. Marktforscher wie Gartner beispielsweise halten den Mehrwert durchgängiger RFID-Konzepte nicht für überzeugend genug. Auch eine aktuelle Untersuchung der Technischen Universität Berlin unter 100 Unternehmen und 50 Lösungspartnern kommt zu dem Ergebnis, dass fast 70 Prozent der Anwender ihre RFID-Piloten als wirtschaftlich nicht erfolgreich beurteilen. Allerdings herrsche hier dennoch eine optimistische Erwartungshaltung vor, denn 80 Prozent planen weitere RFID-Projekte bis 2010. Rund die Hälfte der Befragten hat ein oder mehrere RFID-Projekte bereits im Produktivbetrieb, das Behälter- sowie das Containermanagement zählen dabei zu den Favorites. Ein Defizit bestehe hingegen bei der Integration von Wertschöpfungspartnern und auch von Logistikdienstleistern.
Autorin: Daniela Hoffmann
| Die technsiche Zukunft von RFID |
Nach dem RFID-Hype 2003 – ausgelöst durch den Metro Future Store – und der darauf folgenden Ernüchterung ist mittlerweile die Zeit reif, die Technologie sachlich zu betrachten und mehrwertstiftend einzusetzen. In den kommenden Jahren wird eine Revolution in der Logistik erwartet. Die Chance für RFID. In der Automatisierung von Logistikprozessen mittels RFID werden die größten Nutzenpotenziale erwartet. Aber auch dem Thema Fälschungssicherheit kommt im Kontext minderwertiger Kopien zum Beispiel bei Ersatzteilen eine steigende Bedeutung zu. Technisch ermöglicht wird das so genannte „Internet der Dinge“ durch höhere Reichweiten der Funkverbindungen, die wiederum auf höhere Frequenzen und neue Datenübertragungsstandards zurückzuführen sind. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem OEMs. Denn in kaum einer anderen Branche sind die Logistikprozesse derart verzahnt, durch hohe Stückzahlen und kurze Durchlaufzeiten geprägt und weitgehend optimiert.
Das volle Potenzial dieser Technologie können Unternehmen nutzen, wenn es gelingt, bestehende Insellösungen zu einem Netzwerk aus RFID-Events über die gesamte Supply Chain auszubauen. Deutlich wird das beim Management von Behälterkreisläufen. Schätzungen zufolge sind im Automobilsektor etwa 50 Millionen Standardbehälter im Umlauf, wobei der aktuelle Aufenthaltsort von etwa 20 Prozent unbekannt ist. Dem Management dieser teils teuren Spezialbehälter kommt damit eine besondere Stellung zu. Sinnvoll lässt sich diese Herausforderung nur unternehmensübergreifend entlang der Supply Chain meistern.
Zur Automatisierung von Warenein- und -ausgängen ist eine enge Abstimmung und Vernetzung mit Lieferanten und Kunden notwendig. In der Anlieferlogistik muss etwa der Aufbringungsort der RFID-Tags am Transportbehälter oder Produkt selbst abgestimmt sein. Er darf beispielsweise nicht hinter metallischen Querverstrebungen im Lkw liegen, damit die Ladung fehlerfrei bei der Einfahrt des Lkw als Wareneingang gebucht werden kann. Das manuelle Abscannen von Barcodes kann damit entfallen.
Nicht das einzige Beispiel: Der Verbleib sowie die Optimierung von Liegezeiten teurer Spezialwerkzeuge basieren bei einigen Unternehmen bereits auf RFID. Hier fallen die Kosten für RFID-Tags und Infrastruktur angesichts der Einsparpotenziale wenig ins Gewicht. Für die erfolgreiche Einführung und Nutzung ist eine umfassende Erfahrung mit den vorhandenen Standards, der Technologie sowie den zu unterstützenden Prozessen die Voraussetzung. Aktuell gibt es noch keine RFID-Lösungen „von der Stange“. Die Integration in Backendsysteme bieten Projektlösungen. Innerhalb von Unternehmen und Supply Chains ist daher der einheitliche Einsatz dieser Lösungen notwendig, damit keine inkompatiblen oder nicht kooperierenden Lösungen entstehen. RFID ist also weniger Technologie als Strategie. Der Nutzen ergibt sich aus dem durchdachten Einsatz.
Autoren: Â Jan Appl und Oliver Kelkar





