„Herausforderungen in der globalen Supply Chain in der extremen Anlaufphase nach der Krise“ und „E-Mobilität – Auswirkungen auf innovative Konzepte und Funktionalitäten in der IT” sind Themenschwerpunkte auf dem 3. ITA-Kongress am 13. und 14. September in Wolfsburg. Karsten Ötschmann, ITA Vice-Chairman und Organisator des Kongresses, antwortet auf fünf Fragen zu diesem Themenkreis.
1. Bei welchen Themen erwarten Sie heiße Diskussionen?
Ötschmann: Das heiße Thema in diesem Jahr ist die Koordination und Synchronisation in der globalen Wertschöpfungskette in der schwierigen Wiederanlaufphase nach der tiefgreifendsten Krise, die die Automobilindustrie je erfahren hat. Die aktuelle Situation ist gekennzeichnet davon, dass die gesamte Supply Chain extrem fragil ist. Sie kollabiert Tag für Tag an einer anderen Schnittstelle. Für Hersteller und Zulieferer bedeutet das tägliches „Firefighting“ zur Vermeidung von Versorgungsengpässen und Bandstillständen. Das ist extrem aufreibend und unwirtschaftlich.
2. Was sind die Ursachen für die Instabilität der Supply Chain?
Ötschmann: Es sind im Wesentlichen drei Einflussfaktoren: die Engpässe bei Kunststoffen, beim Stahl/Metall und in der Elektronik – bei der Halbleiterfertigung. Das zusammen mit der Strategie des „Natural Hedging“ führt aufsummiert zur Eskalation.
3. Wird es auf dem ITA Kongress eine Antwort der IT auf diese Herausforderungen geben?
Ötschmann: Es gibt keine allgemeingültige Lösung für diese Herausforderungen. Diesen Aufschwung hätte vor sechs Monaten noch niemand vorhergesagt und in den letzten drei Monaten hat sich jeder gefragt, ob diese Nachfrage angesichts der Euro-Krise nicht doch noch in sich zusammen fällt. Man muss aber auch konstatieren, dass jeder für sich allein an den tagesaktuellen Herausforderungen arbeitet. Die globale, synchrone Perlenkette, von der immer so gerne gesprochen wird, wird weder ausreichend überblickt noch nachhaltig genug überwacht. Die meisten reagieren erst viel zu spät, es gibt keine Frühwarnmechanismen oder Szenarioanalysen. Der ITA Kongress ist erfolgreich, wenn er Impulse hin zu einer gemeinsamen, unterneh-mensübergreifenden Lösung setzt. Deshalb bin ich auch froh, dass wir Referenten aus allen Bereichen haben, vom OEM über den 1st Tier bis hin zur Halbleiterindustrie.
4. Zweites Schwerpunktthema neben der Wiederanlaufphase ist E-Mobilität. Wie passt das zusammen?
Ötschmann: Mit der E-Mobilität kommen in der Automobilindustrie neue Partner ins Spiel, Batteriehersteller zum Beispiel. Und da ist die Frage, wer gewinnt – der mit der besten Batterietechnologie, dem schnellsten Serienanlauf oder der mit der nachhaltig besten Supply Chain? Und da kommen die beiden Themen wieder zusammen. Es gibt noch keine robusten Lösungsvorschläge. Wenn man bis 2020 Millionen von E-Fahrzeugen über die Straßen gleiten sehen will, ist jetzt der beste Zeitpunkt, zu dem die Weichenstellung für die Supply Chain von morgen erfolgen sollte.
5. Welche Rolle kann ITA dabei spielen?
Ötschmann: ITA kann mit innovativen Ideen und Lösungen sowie ersten Pilotprojekten diesen Prozess unterstützen. Initialzündung dazu soll der kommende Kongress sein. Es ist entscheidend für das zukünftige Zusammenspiel aller Partner, dass möglichst viele Teilnehmer zum Ideenaustausch kommen. Denn nur das gewährleistet die Akzeptanz der Themen auch am Morgen nach der Veranstaltung.
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