Systemwechsel mit eMobility

De Elektromobilität zeigt deutliche Elemente eines echten Systemwechsels. Die Unternehmensberatung Bain & Company identifiziert und analysiert Quantensprünge, die diesen Systemwechsel in der individuellen Mobilität kennzeichnen.

Durch den elektrischen Antrieb sind Automobilhersteller und Autofahrer nicht mehr nur von einer einzigen Energiequelle, dem Erdöl, abhängig. Diese Technologie unterstützt also einen Systemwechsel in der Energiepolitik.

Rund 70 Prozent der jährlich etwa 550 Milliarden in Deutschland gefahrenen Pkw-Kilometer könnten elektrisch zurückgelegt werden, sagt Dr. Gregor Matthies, Partner bei Bain & Company und Leiter der europäischen Automobilpraxisgruppe. Volkswirtschaftlich wäre das ein enormer Schritt, denn Deutschland müsste rund 40 Prozent weniger Erdöl importieren, was einem Wert von gut 20 Milliarden Euro nach heutigen Preisen entspräche.

Der Mehrbedarf an Strom von etwa zehn Prozent würde in seiner Erzeugung etwa 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro kosten und könnte zur Hälfte aus dem bestehenden Netz kommen, denn Elektroautos laden meist nachts, wenn ohnehin Überkapazitäten vorhanden sind. Die restlichen fünf Prozent des zusätzlichen Strombedarfs könnten bereits heute mit erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden.

Der Elektroantrieb ist deutlich effizienter als ein Benzin- oder Dieselmotor. Beim Verbrennungsmotor werden nur maximal 30 Prozent des Energieinhalts im Tank in Bewegungsenergie umgewandelt, beim Elektroantrieb sind es 80 Prozent. Ein Fortschritt in der Energieeffizienz, der dazu führt, dass die Energiekosten pro gefahrenen Kilometer drastisch sinken können.

Das E-Auto besitzt gerade in der Stadt eine deutlich bessere Fahrdynamik, die höchstens mit der eines Sportwagens vergleichbar ist. Das volle Drehmoment steht zu 100 Prozent und von Anfang an zur Verfügung und die Beschleunigung erfolgt ohne Schaltunterbrechungen. Darüber hinaus verursacht das E-Auto keine lokalen Emissionen.

Nahezu alle Zukunftsszenarien gehen davon aus, dass mittelfristig die individuelle Mobilität nur durch Elektrofahrzeuge für alle Bürger zugänglich und bezahlbar bleiben wird. Möchten Kunden bereits heute ein E-Auto kaufen, scheitert das allerdings noch an verfügbaren und vor allem preiswerten Elektroautos.

Hierbei werden zwei Entwicklungssprünge helfen: Zum einen verringern sich die Material- und Produktionskosten mit der deutlichen Gewichtsreduzierung der Batterien.

Zum anderen verbilligt die relative Einfachheit des elektrischen Antriebsstrangs die Produktionsanlagen. So liegen die Kosten für den Aufbau einer hoch automatisierten Dieselmotoren-Fertigungsstraße heute bei rund 200 Millionen Euro – die Investitionskosten einer Fertigungsanlage für gleich starke Elektromotoren betragen dagegen lediglich fünf Millionen Euro.

In seiner CO2-Bilanz ist ein mit Strom betriebenes Fahrzeug davon abhängig, auf welche Weise der elektrische Strom hergestellt wird. Deshalb wirkt sich jede Verbesserung im Erzeugungsmix automatisch positiv auf die CO2-Bilanz aller vorhandenen E-Fahrzeuge aus.

Autofahrer sind heute oft noch unsicher, ob sie ein Fahrzeug kaufen sollen, das eine Batteriekapazität für lediglich 150 Kilometer Reichweite hat. Legt man die typischen Nutzungsprofile von Autos zugrunde, zeigt sich jedoch, dass fast jedes Auto einen elektrischen oder teilelektrischen Antrieb haben könnte. Denn die meisten Fahrzeuge stehen 90 Prozent ihrer Zeit still und legen täglich nur geringe Wegstrecken zwischen 40 und 60 Kilometer zurück.

,,Genau betrachtet, ist es nicht die begrenzte Reichweite, die ein E-Auto limitiert, sondern vielmehr die Geschwindigkeit mit der die Batterie – stationär oder mobil – wieder aufgeladen werden kann”, sagt Bain-Automobilexperte Matthies.

,,Für diese vermeintliche Einschränkung gibt es bereits sehr überzeugende und bestens funktionierende technische Lösungen, wie den Range Extender oder Plug-in-Hybride, bei denen der Fahrer bei leerer Batterie auf das ihm bekannte System des Verbrenners zurückgreifen kann und somit die 100-prozentige Flexibilität hat, wie lange und wo er sein Auto fahren möchte”, so Matthies weiter.

,,Der Systemwechsel hin zur Elektromobilität steht unmittelbar bevor. Die damit verbundenen Quantensprünge werden eine rasante Entwicklung der Nachfrage nach sich ziehen”, sagt Bain-Partner Matthies.

,,Die große Unbekannte dabei ist jedoch die Rolle der Automobilindustrie und die Geschwindigkeit, mit der diese den Systemwechsel umsetzt. Hier gibt es Vorreiter wie Renault/Nissan, Mitsubishi/PSA oder GM/Opel, die der deutschen Automobilindustrie bei der Vermarktung erster Serienfahrzeuge momentan zwei bis drei Jahre voraus sind”, so Matthies weiter.

Von bedeutenden staatlichen Hilfen kann in Deutschland zurzeit nicht ausgegangen werden. Somit wird die Automobilindustrie aus ihrer eigenen Innovationskraft und Dynamik heraus den Systemwechsel vorantreiben müssen.


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