Vielen Zulieferern fehlt Geld für neue Strategien

Deutsche Automobilzulieferer sind nur unzureichend auf die Herausforderungen der nächsten 15 Jahre vorbereitet. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Managementberatung Kienbaum und des Center Automotive Research (CAR).

Die Studie  „Automotive 2025 – Evolution oder Revolution?“ untersucht die Auswirkungen von Zukunftstrends auf die Zulieferindustrie auf Basis der Einschätzungen von 147 deutschen Unternehmen. Ein Großteil der befragten Führungskräfte rechnet mit einer Veränderung der regionalen Marktstrukturen. Es fehlen jedoch oft die Ressourcen, um die damit verbundenen Änderungen strategisch zu antizipieren.

Unter den Befragten besteht Einigkeit, dass Europa auch 2025 ihr Absatzmarkt Nummer eins sein wird.  Verschiebungen werden für den zweiten und dritten Platz erwartet: China wird zum zweitwichtigsten Absatzmarkt und die USA  nimmt den dritten Platz ein.

Trotzdem herrscht auch auf den so genannten „Emerging Markets“ rege Betriebsamkeit: Dabei bildet der indische Subkontinent bei der Planung neuer Aktivitäten für viele Unternehmen einen Schwerpunkt. 26 Prozent der Zulieferer geben an, aktuell bereits Produktionswerke in Indien zu besitzen und 16 Prozent planen, dort bis 2025 Produktionswerke aufzubauen.

Die Studienteilnehmer stehen neuen Mobilitätskonzepten wie „Car-Sharing“ gelassen gegenüber: Trotz immer wiederkehrender Anläufe verschiedener Anbieter prognostizieren die Experten, dass dieses Thema erst in zehn bis 15 Jahren aktuell wird. Auch einen nennenswerten Anteil von Elektroautos erwarten die Unternehmen erst für diesen Zeitraum.

72 Prozent der befragten Führungskräfte  erwarten, dass das Low-Cost-Fahrzeugsegment weiter an Bedeutung gewinnt. „Dieses Wachstum wird auf Kosten von großen Premium-Fahrzeugen stattfinden und wahrscheinlich auch einen Rückgang bei den Mittelklassefahrzeugen auslösen”, sagt Martin Neuhold, Automotive-Experte bei Kienbaum.

Neue Antriebstechnologien und Werkstoffe sind kostenintensive Entwicklungsfelder und 15 Prozent der Befragten verfügen über zu niedrige Margen, um an Grundlagenentwicklungen mitwirken zu können. Eine Verbesserung  scheint nicht in Sicht, denn: 65 Prozent  erwarten steigenden Kostendruck. „Vor diesem Hintergrund gewinnt die Handlungsoption von Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette einmal mehr an Bedeutung“, so Neuhold.

Automobilzulieferer planen ihre Strategie lediglich kurz- bis mittelfristig, ergab die Studie: Der durchschnittliche zeitliche Planungshorizont liegt bei gerade einmal drei bis sechs Jahren. „Das erscheint recht kurz angesichts möglicher massiver Veränderungen in der Branche und vor dem Hintergrund der Tatsache, dass für Innovationen oder das Erschließen neuer Märkte oft ein langer Atem erforderlich ist“, sagt Neuhold.

Trotzdem fasst die Mehrheit der Befragten bis 2025 keine signifikanten Änderungen ihrer übergeordneten Geschäftsstrategie ins Auge. Die Kriterien Technologie und Qualität sollen auch weiter im Zentrum der Aktivitäten stehen.

42 Prozent der Zulieferer wollen damit das Ziel einer Kostenführerschaft im jeweiligen Segment verknüpfen. „Es besteht die Gefahr eines unlösbaren Zielkonflikts. Die Studie drängt die Frage auf, ob die deutschen Automobilzulieferer in einer Strategiefalle stecken und wie sie sich daraus befreien können“, sagt Martin Neuhold.


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