Weltauto: effiziente Technik und geringe Kosten

Der weltweite Automobilmarkt verändert sich rasant: Der Anstieg der Einkommen in den neuen Märkten ermöglicht immer mehr Menschen den Kauf eines Billigautos, so die Einschätzung der Marktforscher von A.T. Kearny. Entsprechend wird die Basismobilität nach Meinung der Experten stark ansteigen – mit jährlichen Wachstumsraten von etwa 18 Prozent. Von dieser Entwicklung profitieren vermutlich sehr stark lokale Hersteller. Gerade China und Indien wollen mit Autos, die nicht mehr als 7000 Euro kosten, weltweit punkten. Bestes Beispiel: Tata mit dem Nano. Damit wächst langfristig auch der Druck auf die etablierten Anbieter. Renault versucht bereits mit einem Konglomerat aus Billigmarken sein Terrain abzustecken. Mit Erfolg. Zur Strategie von Renault-Nissan gehört die Übernahme des rumänischen Fahrzeugbauers Dacia und die des südkoreanischen Autobauers Samsung Motors sowie die Beteiligung am russischen Hersteller AvtoVAZ, der die Modelle der Marke Lada produziert. Der Konzern überzieht derzeit die Welt mit Produktionsstandorten für seine Billigmarke Dacia. Doch auch die Zulieferer können nach Einschätzung von A.T. Kearny profitieren – vor allem deutsche Lieferanten, die bereits seit Jahren in den neuen Märkten tätig sind.

Conti beispielsweise versucht ein umfassendes, skalierbares Produktportfolio für diesen wachsenden Markt von Klein- und Kompaktfahrzeugen aufzubauen. „Kostengünstige Fahrzeuge sind keine Autos von minderer Qualität, die mit einfachsten Komponenten ausgestattet sind, sondern schlichtweg Fahrzeuge, die sich die Kunden leisten können. Sie sind minimalistisch und marktspezifisch mit Funktionen ausgestattet, die auf neuesten Technologien basieren. Sie sind auf den Kunden und seine regionalen Bedürfnisse zugeschnitten“, sagt Helmut Matschi, Leiter der Continental Division Interior und Mitglied des Vorstands der Continental AG. „Dieses Thema ist nicht nur relevant für China oder Indien, es ist bereits auch für Hersteller und Lieferanten in den USA und Europa von höchster Bedeutung“, so Matschi. Das kostengünstige Auto verlangt höchst effiziente Technik, die zum einen auf den Kunden und zum anderen auf regionale Besonderheiten zugeschnitten ist. Wer den Markt anführen will, muss Produkte und die Produktionsprozesse anpassen. Der „Bottom-up“-Ansatz wird laut Conti an Bedeutung gewinnen. So beim Body Controller (Zentralsteuergerät), der den Namen Basic Function Controller bekommen hat und das Herzstück einer intelligenten Elektronikarchitektur für den weltweiten Markt ist. Er wurde völlig neu und von Grund auf anders entwickelt als seine klassischen Brüder in Europa. Alle Anforderungen an das Gerät, die nicht direkt mit einer für den Kunden unmittelbar erkennbaren Funktion in Verbindung stehen, wurden auf ihre Notwendigkeit überprüft und konsequent vermieden. Mit dem Basic Function Controller verfolgt der Zulieferer eine Plattformstrategie, die sehr kosteneffizient sein soll, aber größtmögliche Flexibilität bietet. Die zentrale Steuerelektronik wird nicht an jeden einzelnen Fahrzeugtyp angepasst, sondern in Modulen angeboten. So umfasst das Basismodul Grundfunktionen wie die Steuerung von Abblend- und Fernlicht, Zentralverriegelung, Tagfahrlicht, Scheibenwischer oder Heckscheibenheizung. In einem Optionspaket kann der Automobilhersteller Funktionen wie die Steuerung der Funkfernbedienung dazunehmen. Vorteil: Gehäuse und Hardware können gleichbleibend in großen Stückzahlen gebaut werden, die ausgereifte Software muss nicht erst an jedes einzelne Modell angepasst werden.

Der BFC ist Basis eines erweiterten Controller-Portfolios: Benötigt der Autobau- er eine noch leistungsfähigere Hardware für die Steuerung der verschiedenen Karosseriesysteme, kann er mit einem zwei- ten BFC ein dezentrales Netzwerk realisieren. Diese Lösung ermöglicht durch die sofortige Verfügbarkeit bewährter Technik geringe Stückkosten dank hoher Stückzahlen und ein kostenoptimiertes Bordnetz. Damit nicht genug: Auch Käufer der so genannten Affordable Cars sollen in den Genuss von komplexen Fahrerassistenzsystemen kommen. Gerade die IT kann bei der Umsetzung der Affordable-Car-Strategie einen wesentlichen Beitrag leisten. Sie muss schließlich seit Jahren in der Business IT die Effizienz steigern – und dabei auch noch die Kosten senken.

Autor: Peter Rademacher

Foto: AutoReporter.NET


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