Business-Fest mit Luft nach oben
| von Yannick Tiedemann

„Nur nach vorne, nicht zurück“, könnte die  Abschlusspressekonferenz der Organisatoren der Cebit 2018 betitelt werden. Deutsche Messe-Chef Oliver Frese wurde nicht müde zu betonen, dass die neue Cebit in Sachen Konzept oder Zuschauerzahlen nicht mehr mit der alten verglichen werden könnte.

„Wir haben überaus positives Feedback zur Zukunftsfähigkeit des neuen Konzeptes und zu unserem Mut, nicht nur von Disruption zu sprechen, sondern sie auch anzupacken“, lautete sein Fazit. Und in der Tat: Die neue Cebit ist nicht einfach nur vom Frühjahr in den Sommer gewandert, sie hat auch ein in weiten Teilen völlig neues Flair versprüht.

„Schuld“ daran hat in erster Linie das Freigelände mit SAP-Riesenrad, gebrandeten Chill-out-Areas und Musikbühne à la Rock am Ring oder Hurricane-Festival. Hier konnten sich tagsüber gestresste Aussteller und Fachbesucher bei Ramensuppe und Szenegetränk entspannen. Abends lockten Acts wie Mando Diao oder Jan Delay zusätzliche Cebit-Besucher aufs Messegelände. Insgesamt waren es nach Angaben der Messe rund 120.000 Besucher – deutlich weniger als in den Vorjahren, aber Vergleiche sollen ja nicht angestellt werden.

Deutlich weniger Festival-Esprit versprühten allerdings die Messehallen, die häufig nur zur Hälfte mit Ausstellern gefüllt waren. Hier zeigte sich: Die Cebit bleibt die Cebit, nämlich eine klassische B2B-Messe, auf der sich rund 2.800 Aussteller ziemlich analog aneinanderreihten.

Dazu lockerten in jeder Halle thematisch passende Diskussionspanels, die sich nach Messeangaben rund 30.000 Menschen angeschaut haben, die statische Szenerie auf. „Die neue Cebit ist das Forum für die Diskussion um die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“,  betonte Messechef Frese.

Unternehmen und Diskutanten beschäftigten sich dabei mit Themen wie künstliche Intelligenz, Blockchain, Security, Unmanned Systems oder der Zukunft der Mobilität. Gerade beim letztgenannten Thema zeigt sich das ungenutzte Potenzial der Hallengestaltung: In einer abgehängten Halle 25 tummelten sich mit Volkswagen, dem E-Auto-Unternehmen E.Go, der Deutschen Bahn und Mitsubishi gerade mal vier Aussteller. Warum nicht die zahlreichen Mobility-Startups dort ansiedeln, wieso keine Teststrecke fürs autonome Fahren?

 „Der frische Wind der neuen Cebit sorgt für eine digtale Aufbruchstimmung, die in jedem Detail spürbar war“, resümierte Frese. Das stimmt nur bedingt: Die neue Cebit macht in Sachen digitales Business-Festival vieles richtig, doch setzt ihr innovatives Konzept nicht überall konsequent um. In Zukunft wird es auch darauf ankommen, dass die Aussteller den neuen Geist in ihrer Standgestaltung beherzigen. Wie die Cebit müssen auch sie den Staub der Vergangenheit abschütteln. Gelegenheit haben sie im kommenden Jahr: schon jetzt steht fest, dass die neu aufgelegte Messe auch 2019 weitergeführt wird. 

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