| von Hilmar Dunker

Bislang war es Automobilzulieferern nicht möglich, die strategischen Handlungsfelder der SAP-Entwicklung direkt zu beeinflussen. Diese Situation hat sich seit vergangenem Jahr grundlegend geändert. „Nach unserer Forderung, auch die strategischen SAP-Roadmaps zu beeinflussen, hat der Arbeitskreis Automotive der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe die Initiative ergriffen“, erläutert DSAG-Branchenvorstand Otto Schell gegenüber automotiveIT. Zusätzliche Unterstützung bei der Einflussnahme auf die SAP-Automotive-Lösungen erhält der Anwenderverband von zwei unabhängigen Automotive-CIO-Arbeitskreisen. Darin haben sich die IT-Entscheider von über 20 internationalen Automobilzulieferern zusammengeschlossen – fast allesamt Mitglieder in der DSAG und damit SAP-Anwender. Eine ideale Voraussetzung, um mit ihren Vorschlägen und Anforderungen gemeinsam mit der DSAG auf den Strategieprozess bei SAP einzuwirken. Wichtige Impulse und Unterstützung bei ihrer Arbeit erhalten die Arbeitskreise und die DSAG vom Automotive Institute for Management (AIM) an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden. „Wir wollen uns als unabhängige Instanz mit unserer Automotive-Kompetenz und einem wissenschaftlich-fundierten, methodischen Ansatz in den Strategieprozess einbringen. Darin sehen wir unseren Beitrag zur Weiterentwicklung der SAP-Automotive-Roadmap“, erläutert Christine Legner, Professorin für Wirtschaftsinformatik.

Fragebogens haben die Gremiumsmitglieder die aus Sicht der SAP sechzehn wichtigsten Handlungsfelder in den Bereichen Logistik, Einkauf, Fertigung, Entwicklung und Finanzen priorisiert. Diese Handlungsfelder wurden mit den Geschäftsanforderungen und der IT-Bebauungsplanung der Unternehmen abgeglichen. Anhand der Kriterien Aufwand, Nutzen, Bereitstellungszeitpunkt und Abdeckung durch bestehende IT-Anwendungen haben sich die TOP-3-Themen von den übrigen Handlungsfeldern deutlich abgesetzt: Commodity Risk Management, Sales and Operations Planning und Supply Risk Management. Beim Commodity Risk Management geht es unter anderem darum, die Auswirkungen von Preisschwankungen, vor allem von Rohstoffen, sowohl auf Seite des Einkaufs als auch verkaufsseitig schnell zu erkennen und entsprechend reagieren zu können. Im Bereich Sales and Operations Planning besteht ein Ziel darin, bei zunehmend dynamischen Märkten die Absatzplanung rollierend durchzuführen und ein entsprechendes Frühwarnsystem aufzubauen. Mit einem Vorlauf von zwölf bis 24 Monaten soll es möglich werden, rechtzeitig auf sich abzeichnende Kapazitäts- und Liefer-engpässe reagieren zu können. Das Supply Risk Management kommt zum Zuge, wenn ein „Flaschenhals“ in der Versorgungskette unvorhergesehen auftritt oder erst kurzfristig erkannt werden kann. Dann soll über eine Impact-Analyse ermittelt werden, welche Gleichteile, Produkte und Kundenverträge in welchem Maße von der aufgetretenen Verzögerung betroffen sind.

Auf der Grundlage der priorisierten Handlungsfelder geht der eingeleitete Prozess nun in eine nächste Runde. „Aktuell planen wir Sondierungsgespräche mit dem SAP-Produktmanagement. In diesem Rahmen werden wir dann das weitere gemeinsame Vorgehen in Bezug auf die identifizierten Topthemen abstimmen“, blickt Volker Vogelgesang, Sprecher des DSAG-Arbeitskreises Automotive, optimistisch in die Zukunft. Harald Giesser, Chief Information Officer bei der Schaeffler-Gruppe, bringt es nachdrücklich auf den Punkt: „Die Tophandlungsfelder der Automotive-Roadmap wurden methodisch und strukturiert aufgenommen und hergeleitet. Die Erwartungshaltung ist jetzt, dass die SAP die Anforderungen, zum Beispiel im Commodity Risk Management, aufgreift und in der Produktentwicklung berücksichtigt.“

 

Autor: Frank Dresen

Der Eintrag "freemium_overlay_form_ait" existiert leider nicht.