Pfeiffer

„Sie haben eine einmalige Innovationsressource auf Ihrem Shopfloor“, so Pfeiffer. Bild: Claus Dick

| von Pascal Nagel

Sabine Pfeiffer, Lehrstuhl Soziologie der Universität Hohenheim, eröffnet den zweiten Referentenblock des automotiveIT-Forums Produktion & Logistik. Die Fragestellung: Wer „macht“ eigentlich Industrie 4.0? Pfeiffers Antwort: Nicht nur das Silicon Valley, Startups oder der CDO bringen das Thema nach vorne, sondern auch in deutschen Unternehmen schlummere noch immenses Potential.

Die Volkswirtschaft Deutschlands sei extrem breit aufgestellt und verfüge über eine hohe Vielfalt verschiedener Ausbildungen und Berufe, so Pfeiffer. Damit einher gehe auch eine starke Innovationsfähigkeit des Standortes, die durch das hohe Niveau der Berufsausbildung noch verstärkt werde.

Industrie 4.0 gehe zudem nicht zwangsläufig mit einem Abbau von Arbeitsplätzen einher, so Pfeiffer weiter. Eine Gleichsetzung von Tätigkeit an Produktionsmaschinen sei keinesfalls mit monotonen Abläufen gleichzusetzen, die durch Algorithmen ersetzt werden könnten. Ein bei soziologischen Untersuchungen beobachteter Anlagenführer mit Verantwortung für acht Roboter etwa müsse etwa 20 bis 30 Mal pro Schicht in die maschinellen Abläufe um Fehler zu vermeiden. Eine entsprechende Tätigkeit erfordere dabei ein enormes Wissen um die genutzten Maschinen und Prozesse.

Der Umgang mit Komplexität und der Wille zur Innovation seien nur mit menschlichen Kompetenzen möglich. Vor allem beruflich mittel- oder hochqualifizierte Mitarbeiter seien vergleichsweise häufig mit Wandel, Komplexität und Unwägbarkeiten konfrontiert. In der Autobranche liege der Wert der geforderten Mitarbeiter bei 83 Prozent – neun Prozentpunkte höher als in der Gesamtwirtschaft. Je technischer die Branche, umso höher der Grad an Komplexität und Wandel, so Pfeiffer.

Von Seiten des Managements finde zudem häufig eine Unterschätzung der digitalen Kompetenz der Beschäftigten auf dem Shop Floor statt. Einer relativ geringen Nutzung entsprechender Technologien im Unternehmen stehe eine hohe Ausprägung bei der privaten Nutzung gegenüber. „Sie haben eine einmalige Innovationsressource auf Ihrem Shopfloor“, so Pfeiffers Rat an die Kongressteilnehmer. Die jahrelange Erfahrung und das Wissen der Mitarbeiter werde zu häufig nicht in zentrale Entscheidungen einbezogen, was zu verschenkten Potentialen und Wettbewerbsnachteilen führe.