2016-02-17-uebergabe-gutachten

EFI-Vorsitzender Dietmar Harhoff übergibt Bundeskanzlerin Angela Merkel das Jahresgutachten 2016. Bild: Bundesregierung/Güngör

| von Pascal Nagel

Die hat der Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Jahresgutachten 2016 vorgelegt. Der Fokus lag in diesem Jahr auf der Digitalisierung – und in diesem Bereich sehen die Experten Deutschland nicht gerade gut aufgestellt.

So wird insbesondere der Umgang mit jungen, auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichteten Unternehmen kritisiert. Die deutsche Politik sei derzeit „insgesamt zu sehr auf Anpassung und Verteidigung etablierter deutscher Stärken ausgerichtet“, so die EFI. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung würden nicht ausreichend berücksichtigt. Als Folge hätten es vor allem US-amerikanische Player einfach, den Zugang zum Endkunden quasi konkurrenzlos zu besetzen. Die EFI drängt daher erneut auf Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Wagniskapital und die Einrichtung eines Börsensegments für wachstumsorientierte junge Unternehmen.

Zudem wiederholt auch die Expertenkommission die häufig formulierte Forderung nach Informatikunterricht an Schulen und Universitäten. „Informatik ist als neue Schlüsseldisziplin zu begreifen; Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien und Geschäftsmodellen sind in allen Ausbildungs- und Weiterbildungssegmenten zu fördern“, betont der Vorsitzende der EFI Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb.

Besorgt zeigt sich die Kommission vor allem in Hinblick auf den Digitalisierungsgrad kleiner und mittlerer Unternehmen. Demnach tun sich KMU mit der Umsetzung von digitalen Geschäftsmodellen besonders schwer. Die Experten machen eine einfache Rechnung auf: Je kleiner das Unternehmen, desto weniger Bedeutung misst es digitalen Technologien bei. Laut Ansicht der Kommission unterschätze ein Großteil der KMU schlicht die Relevanz des digitalen Wandels.

Ein Lichtblick in Deutschland ist die Industrie 4.0. Die EFI kommt allerdings auch an diesem Punkt nicht ohne Einschränkung aus: „Deutschland ist im internationalen Vergleich beim industriellen Robotereinsatz derzeit noch gut aufgestellt,“ so Harhoff, „bei der schnell wachsenden Servicerobotik außerhalb von Fabrikhallen gibt es in Forschung und Innovation aber Defizite.“ Die Experten fordern die Bundesregierung daher dazu auf, eine explizite Roboter-Strategie zu entwickeln, damit das Thema Robotik an Hochschulen, in der dualen Berufsausbildung und in Weiterbildungsangeboten einen höheren Stellenwert erhält als bisher.

Klare Worte findet Harhoff auch für den Ausbau der elektronischen Abwicklung von Regierungs- und Verwaltungsprozessen, dem E-Government: „Das im Jahr 2010 in der nationalen E-Government-Strategie von Bund, Ländern und Kommunen formulierte Ziel, bis zum Jahr 2015 deutsches E-Government zum internationalen Maßstab für effektive und effiziente Verwaltung zu machen, ist verfehlt worden. Deutschland liegt in diesem Bereich deutlich zurück.“ Bürgern blieben Qualitätsverbesserungen in staatlichen Dienstleistungen vorenthalten und die Wirtschaft müsse auf wichtige Nachfrageimpulse verzichten, so die Kritik.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation wurde 2006 installiert. Sie erstellt jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.

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