TechDay Quality

Audis Qualitätssicherung setzt verstärkt auf digitale Technologien. Bilder: Audi

| von Yannick Tiedemann

In kaum einem Segment ist der Anspruch an Qualität so hoch wie bei den Premium-Herstellern. Das gilt im digitalen Zeitalter im gesteigerten Maße. Um den Anforderungen, die der Premiumkunde an sein Fahrzeug stellt, gerecht zu werden, achten seit jeher bei den Autobauern Qualitäts-Kontrolleure über den gesamten Wertschöpfungsprozess hinweg auf die Tauglichkeit des Produkts Auto. Oft auf das Label „Hüter der Spaltmaße“ reduziert, kümmert sich die Qualitätssicherung mittlerweile von der Halbleiter-Entwicklung bis zur Service-Werkstatt um eine Vielzahl an Kontrollpunkten – und das mit digitalen Technologien.

In Ingolstadt zeigte Premium-OEM Audi anlässlich seines „TechDays Quality“, in welchen Bereichen die hauseigene Qualitätssicherung sich digital neu aufstellt. „Die Megatrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Urbanisierung verändern das Qualitätsverständnis und beeinflussen unsere Arbeit“, sagt Werner Zimmermann, Leiter der Audi-Qualitätssicherung. „Wir bewegen uns von der reinen Bauteilbetrachtung hin zu einer gesamtheitlichen Systembetrachtung. Dabei setzen wir immer stärker auf virtuelle und digitale Methoden.“

Kern der automobilen Qualitätssicherung ist der Meisterbock. Auf ihm wird jeder Zentimeter des Fahrzeugs kartografiert und begutachtet, hier kommt es auf den Zehntelmillimeter an. Bis dato eine rein manuelle Überprüfung von beispielsweise Türen, Front- oder Heckklappen wird die Arbeit am Meisterbock zunehmend durch optische Messverfahren ins digitale Zeitalter überführt. In einer Photometrie-Messzelle erfassen zwei Acht-Achs-Roboter, ausgestattet mit optischen Sensoren, gleichzeitig die Geometrie und die Oberfläche einer Karosse. Gegenüber taktilen Methoden verkürzt sich die Karossiere-Vermessung so von 48 auf vier Stunden.

„Der digitale Meisterbock erspart uns viel Zeit und ist darüberhinaus viel präziser“, erklärt Marcus Hoffmann, Leiter Meisterböcke und Messtechnik bei Audi. „Vieles, was wir früher an physischen Bauteilen zehn Monate vor Produktionsstart überprüfen konnten, können wir heute wesentlich früher an 3D-Modellen bearbeiten.“ Der nächste Schritt führt in die virtuelle Welt: Durch das sogenannte „virtuelle Fügen“ können CAD-Daten und digitalisierte Messdaten abgeglichen werden. Das ultimative Ziel: der virtuelle Meisterbock.

Qualitätssicherung im digitalen Zeitalter geht derweil über den Meisterbock hinaus: Wie sich das Produkt Auto nach dem Verkauf auf der Straße bewährt, lässt sich mithilfe digitaler Anwendungen wesentlich besser kontrollieren. Im Bereich der Service-Technik bietet Audi seinen Händlern eine App an, mit dessen Hilfe eine Störungs- und Fehleranalyse ohne stationäre Messtechnik möglich sein soll. Über einen WLAN-Ethernet-Adapter kann die App auf die Fahrzeugdaten zugreifen und die benötigten Werte in Echtzeit anzeigen. Die Daten sollen derweil nicht nur dem Mechaniker vor Ort und dem Kunden weiterhelfen: Die gewonnenen Erkenntnisse werden zum Teil direkt in Produktion und Entwicklung zurückgespiegelt.

Der Einblick in Audis Qualitätssicherung an diesem Tag liefert unterdessen nicht nur die Erkenntnis, dass sich die Ingolstädter durch die Digitalisierung mehr Effizienz versprechen. Sie verschaffen sich hierdurch auch eine bessere Argumentationsbasis gegenüber den Lieferanten. Besonders wichtig erscheint dies in neuen Technologie-Bereichen wie dem autonomen Fahren oder der Elektromobilität. Die Qualitätssicherung gönnt sich daher – nach eigenen Aussagen als einziger europäischer OEM – sogar ein eigenes Halbleiterlabor. 

„Mehr als 80 Prozent aller Innovationen in einem heutigen Automobil werden durch Mikroelektronik ermöglicht“, sagt Stefan Simon, Experte für Halbleiterbauelemente bei der

Qualitätssicherung. „In Summe stecken in einem Auto heute bis zu 8.000 aktive Halbleiterbauelemente in bis zu 100 untereinander vernetzten Steuergeräten.“ Neben Simon bewerten noch drei weitere Spezialisten das Innenleben der Steuergeräten auf ihre Eignung, Zuverlässigkeit und Fertigungsqualität. Bereits früh im Entwicklungsprozess eines neuen Audi-Modells schaut das Labor auf die Anforderungen, die ein Halbleiterchip für den Einsatz im Automobil erfüllen muss. Einsatzgebiete sind beispielsweise die OLED-Technologie für die Fahrzeugleuchten oder der Pulswechselrichter innerhalb der Leistungselektronik eines E-Fahrzeugs.

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