5G-Campusnetz, das verschiedene Fabriken miteinander verbindet

5G-Netze, die in einigen Industrieunternehmen derzeit aufgebaut werden, sind gesundheitlich nicht bedenklich. Bild: Siemens

| von Claas Berlin

Wie viele Campusnetze wird es geben?

In dieser frühen Phase ist das schwer abzuschätzen. Stand Ende Januar waren bei der Bundesnetzagentur, die die lokalen Frequenzen vergibt, 22 Anträge eingegangen. Bosch zum Beispiel hatte bereits im November angekündigt, 5G-Frequenzen für Campusnetze zu beantragen – zunächst für ein Industrie-4.0-Leitwerk in Stuttgart und einen nahe gelegenen Forschungscampus. Die Politik erwartet, dass Campusnetze auf reges Interesse stoßen werden, weil Unternehmen dadurch in der Produktion unabhängig vom allgemeinen 5G-Ausbau werden.

In welchem Frequenzbereich funken 5G-Campusnetze?

Die Zuteilung durch die Bundesnetzagentur erfolgt derzeit ausschließlich im Bereich zwischen 3,7 und 3,8 Gigahertz. Grundsätzlich ist 5G für zwei Frequenzbereiche vorgesehen: Der eine liegt zwischen 0,6 und 6 Gigahertz, der andere oberhalb von 24 Gigahertz. Sowohl bei Campusnetzen als auch bei den landesweiten 5G-Netzen wird in der ersten Ausbaustufe nur der niedrigere der beiden Frequenzbereiche genutzt. Auf diese Weise lässt sich die installierte LTE-Technik weiterverwenden. Frequenzbereiche und Übertragungstechnologien ähneln also stark dem bestehenden Mobilfunk. Für den oberen Frequenzbereich gibt es bislang noch keinen konkreten Zeitplan – und keine Frequenzversteigerung.

Sind negative gesundheitliche Folgen durch 5G-Mobilfunknetze zu erwarten?

Nein. 5G wird in den nächsten Jahren in denselben Frequenzbereichen arbeiten, in denen Menschen seit Jahrzehnten Radio­wellen für technische Zwecke nutzen: für Rundfunk, Mobilfunk, WLAN, Bluetooth und so weiter. Alles bewegt sich innerhalb der geltenden Grenzwerte.

Löst Mobilfunk Krebs aus?

Nein. Das ist umfassend untersucht worden. Die wissenschaftlich exakte Antwort lautet: Es ist bis heute nicht nachgewiesen, dass hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der durch die Grenzwerte festgelegten Intensität Krebs auslösen. Das methodische Dilemma: Wissenschaftlich lässt sich prinzipiell nie die Nichtexistenz eines Effekts – in diesem Fall von Krebs – nachweisen. Wissenschaftlich unstrittig ist zudem, dass Strahlung im Bereich von Mobilfunkfrequenzen grundsätzlich kein Erbgut im Menschen direkt schädigen kann – eine Einhaltung der Grenzwerte vorausgesetzt. Eine solche Schädigung wäre nur mit UV-, Röntgen- oder Gammastrahlung möglich – Strahlungsarten, die um Größenordnungen energiereicher sind.

Warum hat die Internationale Krebsforschungsagentur IARC im Jahr 2011 elektromagnetische Felder in bestimmten Frequenzbereichen als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft?

Bislang gibt es keine verlässlichen Labor- oder Tierstudien, in denen ein solches Krebsrisiko nachgewiesen wurde. Die Entscheidung der IARC beruht vielmehr auf epidemiologischen Studien, bei denen große Bevölkerungsgruppen über längere Zeit beobachtet wurden, um potenzielle Gesundheitsrisiken zu identifizieren. Hier gab es einige Auffälligkeiten, die sich allerdings in späteren Studien nicht bestätigen ließen. Wie die Ergebnislage zu interpretieren ist, war laut dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bereits innerhalb der IARC-Expertenkommission umstritten. Um aber auch die geringsten Zweifel nicht zu ignorieren, habe sich die IARC dann für die Einstufung „möglicherweise krebserregend“ entschieden. Noch eine Stufe höher auf der Gefährdungsskala der IARC eingestuft sind übrigens rotes Fleisch, Nachtarbeit und Glyphosat – alle drei Faktoren gelten demnach als „wahrscheinlich krebserregend“.

Wie wirkt sich die Mobilfunktechnologie unmittelbar auf Menschen aus?

Die einzige bislang nachgewiesene Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder ist eine Erwärmung. Eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um weniger als ein Grad ist jedoch gesundheitlich unproblematisch. Es gelten entsprechende Grenzwerte, die mit einem Sicherheitspuffer versehen sind.

Reagiert der Körper auf den höheren Frequenzbereich, der weitab der heutigen Mobilfunkfrequenzen liegt, auf andere Weise?

Mobilfunkstrahlung oberhalb von 24 Gigahertz dringt nicht ins Körperinnere ein, sondern wird in den oberen Hautschichten in Wärme umgewandelt. Auch für diesen Frequenzbereich existieren schon heute Grenzwerte. Trotzdem: Die Forschung ist hier noch nicht abgeschlossen, gerade weil man den Frequenzbereich ja künftig für 5G-Netze nutzen will. Zum Beispiel plant das Bundesamt für Strahlenschutz derzeit acht Forschungsvorhaben, die sich mit 5G befassen. Die Projekte haben unterschiedliche Laufzeiten. Mit ersten Ergebnissen ist laut der Behörde für 2021 und 2022 zu rechnen.

Sind sogenannte Elektrosensible durch den Mobilfunk besonders gefährdet?

Sie haben kein erhöhtes Krebsrisiko. Das gilt auch für Kinder und für Menschen mit Vorerkrankungen. Elektrosensibilität ist ein kontroverses Thema. Immer wieder wird der Nocebo-Effekt als alleinige Erklärung angeführt, dass also allein der Glaube, Schaden zu nehmen, das Wohlbefinden verschlechtert. Das Fazit einer Metastudie aus dem Jahr 2019 unter Leitung der RWTH Aachen lautet: Viele der veröffentlichten Studien zur Elektrosensibilität – sowohl mit positiven als auch mit negativen Ergebnissen – seien methodisch unzureichend. In den verbleibenden 28 methodisch sauberen Studien deute wenig auf einen physischen Effekt hin.

Autor: Michael Vogel