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Die Pharmabranche investiert insgesamt 16 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, in der Autobranche beträgt der Wert nur vier Prozent.

| von Werner Beutnagel

Dies geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY hervor. Besonders stark steigerten die US-amerikanischen Unternehmen ihre Investitionen (plus elf Prozent). Einen besonderen Anteil hieran hat das Unternehmen mit dem weltweit höchsten Innovationsbudget – Amazon. Der Konzern investierte umgerechnet 20,1 Milliarden Euro in F&E, 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf den weiteren Rängen folgen die Google-Muttergesellschaft Alphabet (14,8 Milliarden Euro, Samsung (13,1 Milliarden Euro) und Intel (11,6 Milliarden Euro). Die weltweit fünfthöchsten Innovationsbudgets stellt Europas Nummer 1, der Volkswagen-Konzern, zur Verfügung.

„Weltweit steigen die Investitionen in Forschung und Entwicklung – ein rasanter technischer Fortschritt, immer kürzere Produktzyklen und sich rasch verändernde Verbraucherwünsche erhöhen den Druck auf die Unternehmen, ihre Innovationsbudgets aufzustocken“, beobachtet Julie Linn Teigland, Regional Managing Partner der DACH-Region. „Als hilfreich erweist sich dabei die weltweit gute Konjunkturentwicklung, die zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führt, wovon auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen profitieren.“

Auch gemessen an den Umsätzen sind nordamerikanische Unternehmen Spitze in Sachen Innovation: Während in Asien rund 2,6 und in Europa 3,4 Prozent der Umsätze in Forschung und Entwicklung fließen, sind dies in den USA stolze 5,6 Prozent. Und während bei den nordamerikanischen Konzernen die F&E-Budgets im vergangenen Jahr mit plus elf Prozent stärker stiegen als der Umsatz, der um acht Prozent zulegte, war es in Europa ein gegenteiliger Trend zu beobachten: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wuchsen nur um drei Prozent, der Gesamtumsatz hingegen um knapp zehn Prozent – also mehr als drei Mal so stark.

Vor allem die großen Digitalkonzerne erhöhen ihre Innovationsausgaben massiv: Die fünf größten US-Digitalkonzerne – die zugleich die fünf größten US-Investoren sind – setzten im vergangenen Jahr zusammen umgerechnet 68 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ein und steigerten ihre Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um knapp elf Milliarden Euro (19 Prozent). Auf der anderen Seite des Atlantiks stockten die Top-5-Investoren Europas ihre Budgets nur um 800 Millionen Euro bzw. zwei Prozent auf gut 41 Milliarden Euro auf.

„In Deutschland sind es vor allem die Auto- und die Pharmakonzerne, die auch im internationalen Maßstab erhebliche Summen in Forschung und Entwicklung investieren – und diese teilweise weiter kräftig steigern“, beobachtet Teigland. Im europäischen Vergleich erweisen sich die deutschen Top-Konzerne damit als überdurchschnittlich aktive F&E-Investoren.

Die größten Aufwendungen bringt weltweit die Pharmabranche auf: Insgesamt 16,3 Prozent der Umsätze fließen in Forschung und Entwicklung. In der IT-Branche beträgt der Wert noch acht Prozent, in der Autobranche vier und in anderen Industrieunternehmen 2,5. Die eher niedrigen F&E-Quoten in einigen Industriebranchen könnten sich für diese Unternehmen noch zum Problem entwickeln, fürchtet Teigland: „Die Digitalisierung und die damit einhergehende Branchenkonvergenz verschieben die Gewichte in der Weltwirtschaft massiv und erfordern ein rasches Umdenken gerade bei Unternehmen aus klassischen Industriebranchen. Denn die sehen sich zunehmend einer sehr finanzstarken und angriffslustigen Konkurrenz aus anderen Branchen gegenüber.“ Unternehmen täten gut daran, so die EY-Expertin, über Kooperationen mit Wettbewerbern, Forschungseinrichtungen oder auch Start-ups nachdenken, um trotz begrenzter Budgets ihre Innovationskraft auch im digitalen Zeitalter zu bewahren.