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Huawei setzt in der eigenen Produktion auf ein hohes Maß an Automatisierung. Autor Harald Weiss fragt, welche Rolle der niedrige Lohnkostenanteil überhaupt noch beim Erfolg des ITK-Riesen spielt. Bild: Huawei

| von Harald Weiss

Vor wenigen Wochen hatte ich Gelegenheit, die Handyproduktion von Huawei in Dongguan näher in Augenschein zu nehmen. Das ist schon beeindruckend. Jede Fertigungsstraße ist etwa 100 Meter lang und komplett vollautomatisiert. Zu Beginn wird das Band mit hauchdünnen Kunststoffplatten für die Motherboards gefüttert und am Ende kommen fix und fertig getestete und mit Produkt-Barcodes versehene Smartphones heraus. Sie sind bereits in kleine weiße Kartons zusammen mit Bedienungsanleitung und Zubehör verpackt. Bis zum Empfänger in irgendeinem Handyladen auf der Welt werden sie nicht mehr in die Hand genommen. Alle 28 Sekunden schiebt das Transportband eine solche schicke Box in den darunter befindliche Versandkarton. Das heißt, 128 Handys pro Stunde, rund 1.000 pro Schicht und Fertigungsstraße.

Natürlich gibt es im Verlauf der Fertigung auch manuelle Kontrollen, außerdem müssen die Rollen mit den vielen Komponenten ab und an erneuert werden. Doch nur sieben Personen sind dafür am Band erforderlich. Sie sind es letztlich, die dafür sorgen, dass die Produktion nicht zum Stillstand kommt.

Harald Weiss

Der Erfolg chinesischer Unternehmen wie Huawei lässt sich nicht allein mit niedrigen Lohnkosten erklären, betont Autor Harald Weiss.

Da drängen sich dann verschiedene Gedanken auf. Zum einen: Wenn sieben Mitarbeiter mit Hilfe einer vollautomatischen Fertigungsstraße in einer Schicht 1.000 Handys produzieren, dann kann der Lohnkostenanteil am Endprodukt nicht sonderlich hoch sein. Damit kommt der zweite Gedanke: Diese Handy-Produktions-Maschinen könnten überall auf der Welt stehen. Ein besonderer Lohnkostenvorteil für eine Handy-Produktion in China ist hier nicht erkennbar. So wie diese Smartphones hier produziert werden, so könnten sie auch in München, Kamp-Lintfort oder Bochum hergestellt werden.

Nach dem Rundgang berichte ich einem Kollegen von meinen Überlegungen, der mir zwar zustimmt, was den Lohnkostenanteil angeht, doch er meint, dass der Hauptgrund für eine Produktion in China der sei, dass dort auch die Zulieferer sitzen. Das könnte eine Erklärung sein. Aber eine kurze Recherche beweist das Gegenteil. Allein in den USA gibt es über 1.200 Huawei-Zulieferer. Dazu gehören so wichtige Partner wie Micron und Seagate. Weitere sitzen in Taiwan und Südkorea, also zumindest in der Nähe.

Huawei hat heute bei den Smartphones einen Weltmarktanteil von 19 Prozent. Damit liegt man auf Platz zwei hinter Samsung und bereits vor Apple. Dabei starteten die Chinesen ihren Smartphone-Siegeszug erst vor zehn Jahren, also kurz nach dem Siemens aus diesem Markt ausgestiegen ist, Nokia sein Werk in Deutschland schloss und kurz bevor sich auch Sony-Ericsson aus diesem boomenden Geschäft verabschiedete. Vielleicht sind es ja gar nicht die Kosten, die für China sprechen, sondern eher Management-Qualitäten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen?