automotiveIT - Arbeitsplanung: Kaum Unterstützung durch fundierte IT
| von Hilmar Dunker

Vor diesem Hintergrund hat das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) an der Leibniz-Universität Hannover im Rahmen einer Marktstudie Trends und Tendenzen der Arbeitsplanungssoftware untersucht – mit acht Systemanbietern und 80 Unternehmen vor allem aus den Bereichen Fahrzeugtechnik und Maschinenbau. Ein zentrales Problem ist dabei die Integration von Expertenwissen in die Software. Das hat nach den Ergebnissen der Studie sowohl für die Systemanbieter als auch für die Anwender in den Produktionsstätten erste Priorität, denn die Abbildung dieses Wissens in der Software ist eine Grundvoraussetzung für eine höhere Automatisierung der Arbeitsplanung.

weiß Leif-Erik Lorenzen, Bereichsleiter Fertigungsplanung und -organisation am IFW und Mitautor der Studie. „Je länger ein Planer im Unternehmen ist und je mehr Wissen er dort gesammelt hat, desto besser sind die Planung und das Ergebnis, eben das, was hinten herauskommt.“ Doch dieses Wissen ist vielfältig und komplex – Rüstzeiten, Maschinen, Werkzeuge und Betriebsmittel sind nur einige von vielen Komponenten, die zu berücksichtigen sind. Das lässt sich bisher nur schwer in einer Software hinterlegen, zumal die meisten Anbieter nicht das gesamte Feld der Arbeitsplanung, sondern nur Teilbereiche abdecken. Aber selbst große Anbieter in diesem Markt – wie Siemens PLM und Dassault – konnten das Problem noch nicht lösen.

Das soll und wird sich ändern: Weiterentwicklungen in der künstlichen Intelligenz – so bei Agentensystemen und genetischen Algorithmen – versprechen schon für die nächsten Jahre große Fortschritte auf dem Weg zur Automatisierung. Mit ihrer Hilfe können Informationen für die Erstellung von Arbeitsplänen von den Systemen selbstständig interpretiert und verknüpft werden. Verbessert werden können nach den Ergebnissen der Studie auch die Schnittstellen der Software zu anderen Planungs- und Steuerungssystemen, um die einzelnen Abteilungen eines Unternehmens besser zu vernetzen. Der Informations- und Datenaustausch mit ERP-Systemen ist überwiegend sichergestellt, doch Schnittstellen zu MES- und CAD-Systemen gibt es bislang nur vereinzelt. Gerade da liegt noch viel Potenzial brach. Neben dem Informationsfluss während der Produktfertigung hätte ein rückwärts gerichteter Datenfluss große Vorteile – etwa für die Anpassung von Arbeitsplänen und Konstruktionszeichnungen aufgrund von Fehlermeldungen aus der Fertigung.

Obwohl das Potenzial für die Arbeitsplanungssoftware also noch längst nicht ausgereizt ist, zeigt sich die Mehrzahl der Anwender mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Insbesondere der Zeitbedarf für Planungen und die Reklamationen aus der Fertigung aufgrund fehlerhafter oder unvollständiger Arbeitspläne nahmen nach der Einführung einer softwarebasierten Arbeitsplanung deutlich ab. Und auch die Qualität der Planungsdaten und die Zuverlässigkeit der Systeme gaben wenig Grund zur Klage – nur die Datenflut in der Planung hätte jeder Vierte gerne reduziert. Steigender Rationalisierungsdruck und größere Produktvielfalt machen die Anwendung von Software für die Arbeitsplanung in Zukunft unerlässlich, so lautet die Prognose aufgrund der Marktstudie. Denn Arbeitsplanung ist für produzierende Unternehmen ein zentraler Bereich – Termintreue, Qualität und nicht zuletzt die Produktionskosten hängen ganz wesentlich davon ab.

„Intelligente Arbeitsplanung vermeidet unnötige Arbeit und Überkapazitäten bei Mensch und Maschine“, fasst Frank Pöschel seine Erfahrungen zusammen. „Zweistellige Einsparungsraten durch die Einführung der entsprechenden Software sind durchaus normal und auch bei guten Firmen erreichbar.“ Neben den Hauptanwendungsgebieten Fertigung und Montage sieht Pöschel noch Entwicklungsmöglichkeiten in der Kalkulation: „Da ist noch kein durchgängiger Einsatz derartiger Software zu verzeichnen. Es existieren noch viele Einzellösungen. Das liegt an nicht standardisierten Kalkulationsmethoden und dem meist sehr frühen Zeitpunkt, zu dem Aussagen benötigt werden.“ Es werde oft mit Analogieschlüssen („… ist ähnlich zu …“) und seltener präzise geplant. Doch der Wunsch nach exakter Planung sei bei den potenziellen Anwendern weit verbreitet. Der Experte hält grundsätzlich auch eine Automatisierung intelligenter Arbeitsplanung für realisierbar, aber: „Es zeigt sich oft, dass die dann in der Software zu hinterlegende Logik nur mit sehr großem Aufwand sicher abzubilden und vor allem an neue Situationen anzupassen ist.“

Autor: Gert Reiling

Foto: Bim/iStockphoto

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