Entwurf Rohdecan Architekten, DresdenStädtebaulicher Wettbewerb zum Siemens Campus ErlangenDesign submitted by Rohdecan Architekten, DresdenUrban development architectural design competition for Siemens Campus Erlangen.

Rohdecan Architekten (Dresden): Rendering mit Blick auf die das komplette Areal durchziehende Ost-West-Achse des Siemens Campus Erlangen. Rohdecan Architekten (Dresden) Rendering: View of the main East-West road traversing the entire Siemens Campus Erlangen.

Piloten, Ärzte, Juristen – geht es nach den Durchschnittsgehältern, spielen diese Berufsstände in Deutschland noch immer ganz vorne mit. In die Riege der Topverdiener aber reihen sich mittlerweile auch Beschäftigungsgruppen ein, mit denen vor einigen Jahren kaum jemand gerechnet hatte: Softwarearchitekten, Datenbankspezialisten sowie Web- und App-Entwickler haben laut einer Gehaltsübersicht des Personaldienstleisters Robert Half auf ihren Lohnzetteln inzwischen ein kräftiges Plus stehen. Abhängig von ihrer Berufserfahrung konnten viele IT-Profis schon im vergangenen Jahr mit einer deutlichen Entgelterhöhung rechnen.

Zu den klaren Gewinnern 2018 wird beispielsweise die Gruppe der Webentwickler zählen, die zehn Jahre und länger im Job sind. Sie können mit mehr als 65 500 Euro planen. Das entspricht einem Gehalts­plus von beachtlichen 6,9 Prozent. Auch auf dem C-Level verdienen etwa der Chief Information Officer (CIO) und der Chief Security Officer (CSO) mehr Geld. So liegt das aktuelle Grundgehalt eines CSO mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung zwischen 82 250 und 101 500 Euro – was einem Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Grundsätzlich befinden sich IT-Experten aktuell in einer ausgezeichneten Situation auf dem Arbeitsmarkt. Der Bedarf nach Fachkräften ist sehr hoch“, sagt Emine Yilmaz von Robert Half.

Insbesondere im Bereich Cybersecurity wird der Ruf nach fähigen Arbeitskräften immer lauter. Doch entsprechend qualifizierte Experten sind auf dem Arbeitsmarkt noch immer Mangelware. Die Nachfrage übersteigt das Angebot derzeit um ein Vielfaches. So finden es aktuell 60 Prozent der CIOs besonders schwierig, Mitarbeiter für die IT-Sicherheit zu gewinnen. Ein Grund dafür: Auf einem Markt, der händeringend um eine überschaubare Zahl an Fachkräften buhlt, können sich die Tech-Experten ihre Jobs aussuchen – bessere Verdienstmöglichkeiten inklusive.

Laut Arbeitsmarktstudie kommt ein Netzwerk- oder Securityadministrator nach Neueinstellung auf ein Jahresgrundgehalt zwischen 45 250 und 51 000 Euro. Das sind 6,4 Prozent mehr als noch 2017. Mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung stehen sogar 7,4 Prozent mehr Lohn in Aussicht. Dann verdienen die entsprechenden Sicherheitsexperten zwischen 50 000 und 60 250 Euro im Jahr. Im Wettbewerb um die talentiertesten Köpfe geht es aber längst nicht mehr nur um attraktive Gehälter, sondern um das individuell passende Gesamtpaket. So lässt sich die hohe freiwillige Fluktuation unter IT-Experten erklären.

Gefragt nach den Topgründen für einen Jobwechsel, sagen 43 Prozent, dass sie vielfältigere berufliche Erfahrungen suchen. Jeweils 27 Prozent beklagen stagnierende Entwicklungsmöglichkeiten, zu niedrige Gehälter oder eine schlechte Work-Life-Balance. „Für den einen Kandidaten ist viel Arbeit aus dem Home Office wichtig, weil er viel Zeit für sein kleines Kind haben möchte. Für andere können es Sabbaticals, flexible finanzielle Nebenleistungen oder viele Urlaubstage sein. Neben diesen Zusatzleistungen suchen die allermeisten Fachkräfte aber auch nach einer klaren Karriereperspektive und guten Entwicklungsmöglichkeiten“, betont Yilmaz.

Während die Unternehmen die Qual der Wahllosigkeit haben, könnte die Ausgangslage für technikaffine Berufsgruppen auf dem Arbeitsmarkt zur Zeit kaum besser sein. Wie der Hightech-Verband Bitkom berichtet, fehlen deutschlandweit mehr als 55 000 IT-Fachkräfte. Das sind noch einmal 4000 mehr als im Vorjahr. Von den aktuell 55 000 freien Stellen entfallen 23 500 auf die IT- und Telekommunikationsbranche. Den größten Bedarf haben Softwareanbieter und IT-Dienstleister mit 20 800 offenen Stellen.

In diesen Branchen können qualifizierte Bewerber den Arbeitgeber quasi frei wählen. „Der Arbeitgeber muss den Bewerber überzeugen und nicht umgekehrt“, fasst Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim Bitkom, die Faustformel für die IT-Rekrutierung zusammen. Das begehrte Fachpersonal könne nach Petrichs Meinung die angespannte Arbeitsmarktlage für sich nutzen, indem es bei Personal- oder Bewerbungsgesprächen ehrlich Ziele und Wünsche äußert. Im Zweifelsfall können die IT-Profis mit großer Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass an anderer Stelle ein besseres Jobangebot wartet.

Für die Unternehmen kommt es bei der Bewerberauswahl neben den finanziellen Rahmenbedingungen vor allem auf die Talente der IT-Spezialisten an. „Für sie ist es wichtig, dass Bewerber relevante Vorerfahrungen mitbringen, zum Beispiel Führungserfahrung. Aber auch Soft Skills werden immer wichtiger. Denn durch die fortschreitende Digitalisierung vieler Geschäftsbereiche gibt es immer mehr Berührungspunkte zwischen IT-Abteilung und anderen Unternehmensbereichen. Damit diese Zusammenarbeit gut gelingt, sind Kommunikationsfähigkeit und emotionale Intelligenz notwendig“, unterstreicht Emine Yilmaz von Robert Half.

Im Zuge des mühsamen Anwerbens von digital-affinem Spitzenpersonal richten viele Unternehmen deshalb ihren Blick auch auf die eigene Belegschaft, um verborgene IT-Potenziale zu nutzen. Diese Strategie unterstützt auch der Bitkom und spricht sich für eine stärkere Initiative von Politik und Wirtschaft aus, um lebenslanges und informelles Lernen zu fördern. In der beruflichen Weiterbildung sollen die Angebote kontinuierlich verbessert und an die sich wandelnden Anforderungen der digitalen Transformation angepasst werden.

Eine gezielte Förderung der eigenen Mitarbeiter treibt beispielsweise Bosch voran: Das Stuttgarter Technologieunternehmen bietet der Stammbelegschaft verschiedenste Weiterbildungsmöglichkeiten. Über die Bosch Management Support GmbH nutzt der Zulieferer etwa gezielt das Wissen und die Erfahrung seiner Ruheständler. Diese werden projektbezogen als Seniorexperten eingesetzt, um ihre Fähigkeiten an jüngere Mitarbeiter weiterzugeben, teilt das Unternehmen auf Anfrage von auto­motiveIT mit. Möglicherweise ein Weg mit Zukunft – denn dort, wo IT-Fachkräfte faktisch fehlen, kann ein lukratives Gehalt allein kaum Abhilfe schaffen.

Bild: Siemens