Auf dem großen zentralen Bildschirm des MBUX Hyperscreen leuchtet die Navigationskarte.

MBUX Hyperscreen: Das Zentraldisplay leuchtet dank neuester OLED-Technologie besonders brillant. Bild: Daimler

| von Ralf Bretting

Bevor nächste Woche die Tech-Messe CES ihre digitalen Pforten öffnet, hat Hersteller Mercedes-Benz schon einmal Weltpremiere gefeiert und mit dem MBUX Hyperscreen eine neue Anzeige- und Bedieneinheit für künftige Fahrzeugmodelle vorgestellt. Der große, gebogene Bildschirm spannt sich über die gesamte Breite von der linken zur rechten A-Säule und wird zuerst den Innenraum der Luxuslimousine EQS prägen, die dieses Jahr Premiere hat – vorausgesetzt, die Käufer sind bereit, für die Sonderausstattung zusätzliches Geld auf den Tisch zu legen. Wie viel das Autokino kosten soll, verrät Mercedes-Benz derzeit noch nicht. Vermutlich aus gutem Grund.

Der MBUX Hyperscreen ist der größte Bildschirm, der jemals in einem Serien-Mercedes verbaut wurde. Unter den mehr als 140 Zentimetern stecken nicht nur mehrere Displays, die fließend ineinander übergehen, sondern auch jede Menge Rechenpower: Acht CPU-Kerne, 24 Gigabyte RAM und 46,4 GB pro Sekunde RAM-Speicherbandbreite erlauben es, lernfähige Software laufen zu lassen, die dem Fahrer personalisierte Vorschläge für zahlreiche Infotainment-, Komfort- und Fahrzeugfunktionen unterbreitet. „Der Bildschirm zeigt nur an, was gebraucht wird, wenn es gebraucht wird. Kein Scrollen, kein Stöbern mehr. Sie müssen nicht nach Funktionen suchen – die Funktionen finden zu Ihnen“, versprach Daimler-Boss Ola Källenius bei der Präsentation.

Steuerungssoftware selbst entwickelt

Mercedes-CTO Sajjad Khan steht auf einer Bühne und präsentiert das neue Bediendisplay MBUX Hyperscreeen
Sajjad Khan, CTO von Mercedes-Benz, präsentierte das neue Cockpit-Display MBUX Hyperscreen. Bild: Daimler

Der große Bildschirm ist Teil des Internets der Dinge und kombiniert Supercomputer-Power mit künstlicher Intelligenz. Dank des sogenannten Zero-Layer-Prinzips müssen sich Nutzer weder durch unübersichtliche Menübäume quälen noch Sprachbefehle geben. Das schlaue MBUX blendet wichtige Applikationen situativ und auf den Kontext bezogen automatisch auf der obersten Ebene ein. Die Steuerungssoftware dafür hat Mercedes-Benz komplett inhouse entwickelt.

„Unser Ziel war es, eine Schnittstelle zu schaffen, die weder ablenkt noch zu komplex ist und die Kunden einen direkten und intelligenten Zugriff auf alle Funktionen bietet, die sie in jedweder Situation benötigen“, verrät Sajjad Khan, Chief Technology Officer von Mercedes-Benz. „Während der Entwicklungsphase haben wir aufmerksam untersucht, was Nutzer benötigen und wie sie mit dem Fahrzeug interagieren – insbesondere in Bezug auf ein elektrisches Fahrzeug.“ Ergebnis: 80 Prozent der Anwendungsfälle hängen mit Navigation, Radio und Medien sowie der Telefonie zusammen. Das Zero-Layer-Prinzip vereint alle Apps und Funktionen auf einer proaktiven Benutzeroberfläche.

Durch künstliche Intelligenz lernt das System ständig dazu und fügt je nach Bedarf weitere individuelle Funktionen zur persönlichen obersten Ebene hinzu. Oder es platziert sie im Hintergrund, wenn sie nicht gebraucht werden. Position, Temperatur und Uhrzeit zum Beispiel aber werden permanent überwacht. Die Navigationskarte bleibt stets im Zentrum sichtbar. Darunter befinden sich die Bedienelemente für das Telefon und das Entertainment – oder das Feature, das gerade am besten zur aktuellen Situation passt. Es stehen über 20 Steuerungsfunktionen zur Verfügung – von Vorschlägen auf der To-do-Liste über Geburtstagserinnerungen bis zum Aktiv-Massage-Programm.

Aber nicht nur der Fahrer soll vom neuen MBUX und seinem großen Display profitieren. Integriert in den Hyperscreen bekommt auch der Beifahrer seinen eigenen Bildschirm. Die Inhalte dort kommen den Fahreraktionen nie in die Quere. Genießt der Beifahrer auf seiner Seite während der Fahrt beispielsweise Videos, sorgt das intelligente kamerabasierte Sperrsystem dafür, dass der Fahrer auf dem Co-Driver-Screen nichts erkennt und nicht abgelenkt wird.

Es wirkt beinahe wie eine Entschuldigung, wenn Sajjad Khan sagt: „Es ging uns nie darum, etwas noch Größeres zu erschaffen, sondern darum, etwas Innovatives, Wertvolles und Intelligentes für unsere Kunden zu entwickeln.“ Mehr Displayfläche als die jetzt gezeigten 2400 Quadratzentimeter sind allerdings schwer vorstellbar, solange Autos noch normale Fenster haben, durch die man bei der Fahrt einfach nach draußen schaut.

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