automotiveIT Kongress 2020

Ralf Bretting, Chefredakteur von automotiveIT und carIT, leitet eine Paneldiskussion auf dem automotiveIT + carIT Kongress 2020.

| von Werner Beutnagel

Breakfast Session, T-Systems

Der zweite Kongresstag beginnt mit der virtuellen Breakfast-Sessions von T-Systems, in der Jörg Tischler, Leiter Connected Cars, und Joachim Klink, Leiter Autonomes Fahren und Integrierte Mobilität beim IT-Anbieter, durch das Programm führen. Im Fokus der beiden Experten steht die Frage, wie weit die zentralen CASE-Themen der Automobilbranche auf einer einzelnen Plattform dargestellt werden können. Grundlegend existiere ein Kanon an Funktionen, der für nahezu alle Funktionen von Connected Services im Fahrzeug, in der Edge und in der Cloud nötig sei, erklärt Jörg Tischler, dieser umfasse unter anderem den Digital Twin und Over-the-Air-Updates. Wichtig sei es beim „One Size Fits All“-Ansatz von T-Systems, diesen nicht als statische Lösung zu verstehen: „Transformation ist Teil des Ansatzes für solche Plattformen“, so Tischler.

Frank Loydl, CIO & Andrea Feuerlein, IT Services / IT Projektleitung, Audi

Audi-CIO Frank Loydl stellt die Transformation der eigenen IT im Rahmen der Strategie Next:IT vor. Bereits auf dem vergangenen automotiveIT Kongress im Jahr 2019 hatte Loydl die Zielsetzung des Mammutprojekts vorgestellt, 2020 kann Audis IT-Chef konkrete Ergebnisse vorlegen. Mit den Maßnahmen wollte man unter anderem Redundanzen vermeiden und Synergien heben, Komplexität senken und die Kerneigenleistung steigern.

Unter anderem habe Audi inzwischen einen IT-Steuerkreis auf Vorstandsebene ins Leben gerufen. Im Rahmen der personellen Organisation sei es außerdem gelungen, Führungspositionen zugunsten von Fach- und Projektmanagement-Positionen zu verringern. Im Bereich des Delivery Management habe man unter anderem mit Pulse@BT die Möglichkeit geschaffen, 30-sekündige Statusberichte vorzunehmen, ergänzt Andrea Feuerlein. Ein weiterer großer Erfolg für Audi sei der Aufbau des eigenen Software Development Centers (SDC) in Ingolstadt, in dem Experten des Autobauers gemeinsam mit dem IT-Partner Pivotal per Pair Programming neue Lösungen entwickeln.

Frank Loydl kommt zudem auf die Rolle zu sprechen, die die IT innerhalb der Corona-Krise gespielt hat:  Bereits zu Beginn der Pandemie habe sich die Reputation der Abteilung erhöht, die den „Laden am Laufen“ gehalten habe. Etwa ab Juni habe sich das Remote-Arbeiten und die neuen Arbeitsweisen als „New Normal“ etabliert. Ab Herbst hätten sich weitere Erkenntnisse herauskristallisiert: Teams, die bereits zuvor gut zusammengearbeitet hätten, würden auch per Remote-Kooperation gut funktionieren, bei anderen Gruppen sei mehr Unterstützung notwendig. Daher identifiziere man derzeit Anpassungspotentiale.

Rino Ariganello, Industry Director Automotive & Steffen Blattner, Chief Strategist Connected Mobility Platforms, DXC Technology

Im Fokus des Vortrags der DXC-Experten Rino Ariganello und Steffen Blattner steht die Frage, wie Automotive-Unternehmen die Bereiche Automotive-IT und Car-IT besser zusammenführen können. „Wer im Mobilitätsbereich führend sein will, muss fortwährend analysieren und optimieren“, erklärt Steffen Blattner. Dabei gelte es, Plattformen zu bündeln, Entwicklungsprozesse zu integrieren und das Deployment im Fahrzeug zu beschleunigen. Prozesse sollten zudem Ende-zu-Ende vom Kunden bis ins Backend betrachtet werden, wobei der IT-Architektur im Fahrzeug eine wichtige Rolle zukomme. Wichtig sei zudem die optimale Synergie zwischen Infrastruktur, Mitarbeitern und Ökosystem.

Klaus Blüm, CIO, Skoda

Die aktuelle Lage bei der VW-Tochter Skoda skizziert nun CIO Klaus Blüm. Durch die Corona-Pandemie habe sich unter anderem die Zahl der Einwahlen per VPN sowie die Menge an Videokonferenzen aktuell deutlich erhöht, was neue Anforderungen an die IT bedeutet habe. „Die Corona-Pandemie ist ein Katalysator für alles, was mit Digitalisierung zu tun hat“, erklärt Blüm. Digitalisierung sei allerdings natürlich mehr als nur Mobile Work, sondern umfasse auch den Bereich Operational Excellence, etwa in der Produktion. Skoda habe in diesem Zusammenhang rund 50 Einzelprojekte definiert, die den Weg zum digitalen Unternehmen ebnen sollen. Diese umfassen unter anderem Maßnahmen zur papierlosen Produktion und Qualitätssicherung oder die digitale Erfassung und Steuerung von Mitarbeitern. Auch Zukunftstechnologien wie KI kommen dabei zum Einsatz: Unter anderem testet Skoda derzeit eine entsprechende Lösung, die mit Hilfe von Soundanalysen Fehler in Bauteilen auffinden kann, sowie auf eine Logistik-Lösung zur Optimierung von Container-Beladungen.

Hans Adlkofer, Vice President Automotive System Group, Infineon Technologies AG

Hans Adlkofer von Infineon spricht in seinem Vortrag über die Rolle, die Halbleiter für die Mobilität der Zukunft spielen werden. Bei neuen Systemen spiele nicht nur das Wettrennen um die beste Technik eine zentrale Rolle, so Adlkofer, im Fokus stehe auch das Wettrennen um das Vertrauen der Kunden. Besonders beim autonomen Fahren der Stufe drei spiele dies eine zentrale Rolle, da hier der Fahrer als Rückfallebene für die genutzten Systeme zunehmend wegfalle. Dies erfordere sichere und verlässliche Systeme im Bereich Sensorik, Computing und Stromversorgung. „Funktionale Sicherheit ist ein integraler Bestandteil jedes Systems und jedes Halbleiters, der hier zum Einsatz kommt“, so Adlkofer.

Durch mehr Funktionen und höhere Abhängigkeiten verschiedener Systeme erhöhe sich hier derzeit deutlich die Komplexität für die Sicherstellung von Qualität und (Ausfall-)Sicherheit über einen langen Produktlebenszyklus im Fahrzeug. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Bereich Software, der mit sicheren Ökosystemen und Schnittstellen einen Teil zur reibungslosen Funktion beitragen müsse. „Die sichere Hardware alleine ist hier nicht die Lösung“, erklärt Adlkofer. Gleichzeitig bestehe inzwischen ein Zusammenhang zwischen funktionaler Sicherheit im Fahrzeug und der Sicherheit der genutzten IT-Systeme: Es gebe „keine Safety ohne Security“. Diese Herausforderungen machen es dringend notwendig, dass unterschiedliche Player aus dem Hard- und Softwarebereich zunehmend kooperieren.

NTT Group Startup-Pitch

Im Rahmen des NTT Group Startup-Pitch stellen sich die Startups Automotive Artificial Intelligence (AAI), Kopernikus Automotive und Pylot vor. Im Fokus der Kurzvorträge stehen neue Geschäftsmodelle für die autonome Mobilität. Eine kurze Einleitung übernimmt Oliver Köth, CTO von NTT Data Deutschland, der die Rolle digitaler Plattformen für die Zukunft der Unternehmenswelt hervorhebt. Ein relevanter Teil der Wertschöpfung aller Branche werde dem Digital-Experten zufolge in Ökosystemen stattfinden, die sich außerhalb des eigenen Unternehmens befinden. In Bezug zur Autobranche etwa seien Kunden zunehmend auf Plattformen für Shared Mobility unterwegs, die nicht zwingend der Kontrolle der traditionellen Unternehmen unterstehen.

Den Startup-Pitch beginnt Intakhab Khan, Founder & Managing Director, Automotive Artificial Intelligence (AAI). Das Unternehmen bietet Lösungen an, um ein möglichst akkurates Abbild der Realität zu erzeugen und für die Simulation autonomer Fahrfunktionen nutzbar zu machen. Entsprechende Assets können für verschiedene Szenarien verändert werden, um eine Vielzahl von Situationen darstellen zu können.

Stefan Jenzowsky, CEO von Kopernikus Automotive, stellt nun das eigene Portfolio vor. Ursprünglich war Kopernikus als Entwickler autonomer Fahrfunktionen im Fahrzeug angetreten, ist allerdings aktuell auf einen infrastrukturbasierten Ansatz umgeschwenkt. Mit Hilfe von Kamerasystemen an der Straße werden dazu externe Kamera-Aufnahmen in Echtzeit erzeugt, die mit Informationen aus dem Fahrzeug fusioniert werden, um autonome Fahrfunktionen zu realisieren. Gemeinsam mit Porsche habe man etwa bei der automatischen Einfahrt in die Werkstatt bereits mit Hilfe der eigenen Systeme autonome Funktionen umsetzen können. Entsprechende Versuche seien auch mit anderen Herstellern angestoßen worden, so Jenzowsky.

Den dritten Pitch übernimmt Hendrik Kramer, Mitgründer und CEO von Pylot. Autonome Fahrzeuge werden niemals in allen denkbaren Situationen fahren können, so das initiale Statement von Kramer. Die Lösung hierfür könne es jedoch nicht sein, in jedem Fahrzeug einen Sicherheitsfahrer an Board zu haben. Vielmehr bedürfe es Teleoperations-Systeme, mit deren Hilfe Fahrzeuge durch Situationen gesteuert werden können, in denen die autonomen Systeme an ihre Grenzen stoßen. Bereits jetzt teleoperiere Pylot Fahrzeuge auf Privatgeländen, etwa Traktoren, Gabelstapler oder Shuttle-Busse.

And The Winner Is: Kopernikus Automotive! Das Unternehmen darf sich über ein Media-Paket in den Print- und Online-Auftritten der automotiveIT freuen.

Andrea Sroczynski, Geschäftsführerin Deutschland, SBD Automotive

Im Markt für Connected Services-Plattformen seien derzeit mehrere Trends zu sehen, so Andrea Sroczynski. Einerseits konsolidieren Volumenhersteller die internen Entwicklungskapazitäten eigener Plattformen, während kleinere Hersteller eher auf der Suche nach Partnerschaften seien. Gleichzeitig unterscheide sich die Bereitschaft der Kunden, Daten bereitzustellen, je nach lokalen Gegebenheiten und sei etwa in den USA höher als in Europa. Bei der Monetarisierung entsprechender Daten sei dementsprechend derzeit GM vor BMW, VW und Ford global führend, während PSA, FCA und Geely im Ranking von SBD die letzten Plätze belegen. Zudem hat SBD die Reife der Over-the-Air-Updates bei verschiedenen Herstellern beleuchtet: Führend sei hier mit großem Abstand Tesla vor Daimler und BMW, am unteren Ende der Skala finden sich Volkswagen, Mazda, Toyota und Mitsubishi.

Armin Bolenius, Sales Manager, Akamai Technologies

Armin Bolenius von Akamai Technologies beleuchtet in seinem Vortrag die Frage, wie die Vernetzung von Fahrzeugen transparent, sicher und performant sichergestellt werden kann. Bei Over-the-Air-Updates bestünden bei Autobauern im „Blindspot Internet“ drei zentrale Herausforderungen in den Bereichen Verfügbarkeit, Sicherheit und den regulatorischen Randbedingungen, so Bolenius. Die Verfügbarkeit müsse dabei trotz hohen Datenvolumen, begrenzten Zeitfenstern und Paketverlusten in mobilen Netzwerken sichergestellt werden. Hinsichtlich der Sicherheit sei es nötig, Datenschutzvorschriften zu beachten, die Infrastruktur sowie die APIs zu schützen und die Integrität der Daten sicherzustellen. „Am Ende geht es darum, dass die Software möglichst einfach und möglichst sicher ins Fahrzeug kommt“, so Bolenius.

Paneldiskussion

Als letzter Punkt vor der Mittagspause steht eine Paneldiskussion mit Andrea Sroczynski (SBD Automotive), Armin Bolenius (Akamai) und Henning Wiefelspütz (Otonomo) auf der Agenda des automotiveIT + carIT Kongresses. Einigkeit besteht bei den Teilnehmern der Diskussion zunächst hinsichtlich der Rolle, die Asien künftig bei Connected Services neben den USA und Europa spielen wird. „Man kann in Zukunft davon ausgehen, dass es hier ein Dreier-Rennen geben wird“, sagt etwa Armin Bolenius.

Ein weiteres Thema der Diskussion stellt die Datensicherheit im Bereich Car Data dar. Wichtige Herausforderungen seien hierbei unter anderem das Consent Management gemäß der DSGVO sowie eine entsprechende Weiterverarbeitung der erhobenen Informationen, erklärt etwa Henning Wiefelspütz. Vor allem im Vergleich zu US-Unternehmen wie Tesla herrsche bei deutschen Herstellern eine höhere Sensibilität gegenüber dem Datenschutz.

Michael Hoffmann, Geschäftsführer ZF Mobility Solutions

„Die individuelle Mobilität steht stark unter Druck“, sagt ZF-Experte Michael Hoffmann zu Beginn seines Vortrages. Etwa vor dem Hintergrund verstopfter Städte und drohender Fahrverbote in vielen Städten, brauche es neue Lösungen für die urbane Mobilität. Unter anderem adressiere der Zulieferer dies in verschiedenen Geschäftsbereichen mit eigenen Platooning-, Smart City- oder People Mover-Lösungen. Man verfolge beim Zulieferer einen technologieoffenen Ansatz, der verschiedene Verkehrsträger gleichermaßen umfasst.

Christoph Nienhaus, IT Leiter und CIO, Cisco DACH + Slowenien und Kroatien

Mit einem Grundsatz-Statement beginnt Christoph Nienhaus seinen Vortrag: Niemand stehe morgens auf und kaufe voller Begeisterung einen Router. Vielmehr könne IT Kunden nur dann begeistern, wenn sie auf eine optimale Kundenerfahrung ausgelegt sei, so der Cisco-Experte. Unter anderem erfordere dies entsprechend stabile und intern optimal vernetzte Backend-Lösungen. Doch: „Mit den hohen Anforderungen an die Netzwerke gehen auch hohe Anforderungen an die Organisation einher“, so Nienhaus. Hier sei Automation ein geeignetes Mittel, um Prozesse deutlich zu beschleunigen.

Stefan Bratzel, Gründer und Direktor, Center of Automotive Management (CAM)

Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des CAM, stellt im Rahmen seines Vortrages die zentralen Ergebnisse des diesjährigen Connected Car Innovation Index vor, den das CAM gemeinsam mit carIT veröffentlicht. Zwischen 2010 und 2019 sei die Anzahl der Connected Car-Innovationen rapide angestiegen und betrage aktuell rund 46 Prozent aller Innovationen der Autohersteller. Innerhalb der letzten Jahre habe die Entwicklung hier jedoch ein Plateau erreicht. „Die niedrig hängenden Früchte sind bereits geerntet worden“, so Bratzel. Für kommende Herausforderungen brauche es mehr Kompetenzen, Kooperationen und Organisationsformen.

Herstellerseitig hat im aktuellen CCI-Index Volkswagen den Spitzenplatz in Sachen Connected Car-Innovationen vom Konkurrenten Daimler zurückerobert, der das hohe Niveau des Vorjahres nicht halten konnte. Gleichzeitig verschärfe sich der Abstand der Top-Performer wie VW, Daimler, BMW oder Ford gegenüber dem Verfolgerfeld, an dessen hinterem Ende Low-Performer wie FCA, Honda oder Toyota platziert sind. „Es gibt nur wenige starke Player im Connected Car-Bereich, der Rest ist deutlich abgehängt“, so Bratzel.

Noch deutlicher sei die Schieflage bei Weltneuheiten: 72 Prozent der Innovation in dem Sektor werde alleine von vier Playern geleistet: VW, Daimler, BMW und Tesla. Für die übrigen Autobauer führe der Weg mit höherer Wahrscheinlichkeit in die Abhängigkeit von IT-Partnern. „Viele Hersteller werden als Hardware-Provider enden“, so Bratzel.

Gleichzeitig sind die deutschen Hersteller der internationalen Konkurrenz deutlich voraus: Die hiesigen Autobauer kommen bei den gesamten Connected Car-Innovationen auf einen Anteil von 38 Prozent, bei den Weltneuheiten sind es sogar 55 Prozent. Allerdings fehle es Deutschland an der digitalen Stärke der örtlichen IT-Player. Daher reicht es für Deutschland im Länder-Ranking nur für den zweiten Platz hinter China, das hier deutlich stärker aufgestellt ist.

Weitere Ergebnisse des Connected Car Innovation Index stellt Stefan Bratzel am 27. November im Rahmen eines kostenfreien Webinars vor.

Verleihung des CCI Awards

Im Anschluss an den Vortrag von Stefan Bratzel steht nun die Verleihung des CCI Award 2020 von CAM, carIT und Cisco für die innovativste Lösung im Connected Car-Bereich auf der Agenda. Nominiert sind unter anderem Lösungen von BYD, Tesla, Mitsbishi, Volkswagen und Nissan.

Und der Gewinner des Connected Car Innovation Award 2020 ist Volkswagen!

Ausgezeichnet wird das Augmented Reality Headup-Display des Wolfsburger Autobauers. Den Preis nimmt Frank Welsch, Mitglied des Vorstands der Marke Volkswagen Pkw, Geschäftsbereich Technische Entwicklung, stellvertretend für sein Team entgegen. "Wir möchten zeigen, dass sich Volumen und Innovation nicht ausschließen", erklärt Welsch anlässlich der Preisverleihung.

Zu den ersten Gratulanten zählt Christian Korff, Direktor Global Accounts bei Cisco Deutschland, der in seiner Laudatio die Rolle der IT in der aktuellen Weltlage hervorhebt. „Wir konnten die aktuelle Krise ja überhaupt nur überleben, weil wir uns vernetzt haben“, erklärt Korff.

Sebastian Grams, CIO, Seat

Zu Beginn des letzten Vortragsblocks auf dem automotiveIT + carIT Kongress 2020 stellt Seat-CIO Sebastian Grams die IT-Transformation der spanischen Volkswagen-Tochter vor. Neben dem Kerngeschäft im Automobilsektor rücke dabei zunehmend auch das Geschäftsfeld Car-as-a-Service sowie der Bereich Connected Life jenseits des Autos in den Fokus des Unternehmens. Als strategischer Player gestalte die IT diesen Wandel durch ein digitales Framework mit, das sowohl Optimierungen der Wertschöpfungskette als auch die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle voranbringen soll. Im Rahmen der Strategie „Back-to-Tech“ setze man bei Seat wieder verstärkt auf technische Profile innerhalb der eigenen IT. Deren Anteil erreiche nun 46 Prozent – nach nur 13 Prozent im Jahr 2018. Im gleichen Zeitraum habe man zudem die interne Entwicklung von Software auf 30 und den Anteil agiler Entwicklungsmethoden auf 50 Prozent gesteigert.

Als Beispiel für die eigene Softwareentwicklung stellt Grams den gemeinsam mit der Fachabteilung in der Logistik erstellten „Supply Chain Control Tower“ vor – Eine Applikation, die Lieferantenströme im eigenen Unternehmen abbildet. Mit „Seat Fast Lane“ habe man gleichzeitig eine Lösung entwickelt, mit der Kunden den Status ihrer Fahrzeugbestellung online nachvollziehen können.

Robert Marek, Partner Customer Experience, MHP

Den letzten Einzelvortrag vor einer abschließenden Podiumsdiskussion übernimmt Robert Marek, Partner Customer Experience bei der Management- und IT-Beratung MHP. Zwischen 1990 und 2016 habe sich allein bei Porsche die Zahl der durchschnittlichen Besuche im Autohaus vor dem Kauf von fünf auf 1,2 verringert. Einer aktuellen MHP-Studie zufolge können sich 2020 sogar 62 Prozent aller Kunden vorstellen, ein Fahrzeug online zu kaufen. Gleichzeitig wünsche sich jeder Zweite eine persönliche Beratung durch den Vertriebspartner. MHP adressiert diese Wünsche mit Hilfe der „Elastic Content Platform“, die auf Basis von CAD- oder Produktdaten mit Hilfe der Unreal Engine von Epic aus dem Videospielbereich virtuellen Content für die Ausspielung auf Online-Kanälen erstellt. So könne man zahlreiche Online-Vertriebsfunktionen von der virtuellen Testfahrt, über das digitale Verkaufsgespräch bis hin zur Online-Vertragsunterzeichnung abbilden.

Marek greift das Thema des digitalen Vertriebs auch am Beispiel des Sportwagenbauers Pagani auf. Der Hersteller setze stark auf Individualisierung, erklärt der MHP-Experte, so dass eine Präsentation persönlicher Fahrzeuge über virtuelle Technologien ein optimales Kundenerlebnis gewährleisten könne.

Paneldiskussion

In der abschließenden Paneldiskussion des automotiveIT + carIT Kongress 2020 diskutieren nun Sebastian Grams (Seat), Robert Marek (MHP) und Nina Geiss, CEO von CarFellows. Im Fokus des Gesprächs steht unter andere die Kundenorientierung innerhalb der Autobranche. Im digitalen Bereich brauche es eine andere Kundenansprache im digitalen Raum als im stationären Handel, stellt etwa Nina Geiss klar. Dabei helfe unter anderem der Blick über den Tellerrand auf erfolgreiche Unternehmen aus anderen Branchen. Zudem spiele im Fall von CarFellows der Community-Aspekt eine starke Rolle. Im Vergleich zu etablierten Playern habe man, so Geiss, jedoch als Startup einen Vorteil dadurch, dass viele Systeme von Grund auf neu aufgebaut werden können. Eine Aussage, die bei Sebastian Grams Zustimmung findet: Bei der eigenen Transformation des Autoherstellers müsse man eng mit dem eigenen Handelsnetzwerk kooperieren.

Die Chancen des digitalen Vertriebs betont auch Robert Marek: „Kunden sind für den digitalen Autokauf nicht nur bereit, sie wollen ihn auch“, so der MHP-Experte. Für die Hersteller biete dies zahlreiche neue Möglichkeiten: Eine datengetriebene Interaktion mache eine bessere Kundenansprache ebenso möglich wie Prognosen über das Käuferverhalten. Händler- und Hersteller könnten hier auf einer zusammengeführten Datenbasis zahlreiche Synergien nutzen.

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