Der neue Porsche 911 mit dem neuen infotainmentsystem sechster Generation.

Der ikonische Porsche 911 verfügt ebenfalls über das neue Infotainmentsystem. Bild: Porsche

Das digitale Ökosystem des Fahrers hält immer mehr Einzug ins Auto und stärkt damit die Bedeutung des Infotainments. Besonders Premiumhersteller wie Porsche müssen diesem Trend gerecht werden. Mit alten Entwicklungszyklen seien schlagartige Veränderungen in diesem Bereich jedoch nicht umzusetzen, erklärt Oliver Seifert, Leiter Entwicklung Elektrik / Elektronik bei Porsche. „Wir benötigen agile Methoden, mit denen wir unsere Software entwickeln.“

Der OEM und seine Tochtergesellschaft Porsche Digital streben mit der sechsten Generation des Porsche Communication Managements (PCM) deshalb nach mehr Agilität in Verbund mit kleineren Entwicklungsschritten. Im Sommer wird das neue System zum Modelljahreswechsel im 911, Cayenne und Panamera zum Einsatz kommen.

Damit verbunden sind nicht nur Neuerungen bei der Software, auch die Hardware wurde beim PCM 6.0 angepasst. Ein Update für bestehende Fahrzeuge sei aufgrund des Hardware-Bruchs deshalb nicht möglich, erläutert Martin Bayer, Teamleiter Navigation und Infotainment. „Manchmal muss man eben größere Entwicklungsschritte gehen“, betont er.

Porsche bietet Tiefenintegration von Apple Music

Zu den Neuerungen zählt neben dem adaptiven Sound der App Soundtrack My Life vor allem die Tiefenintegration der Streamingdienste Apple Music und Apple Podcasts. Apple-Abonnenten können künftig über eine dreijährige kostenlose In-Car-Internetverbindung auf die Dienste zugreifen, ohne dass das Smartphone sich im Auto befindet. „Wir haben es geschafft, das klassische Radioerlebnis mit der modernen Streaming-Experience zu verbinden“, so Bayer. Das Fahrzeug werde mit der Apple-ID verbunden, wodurch etwa Radio-Songs zu Apple-Playlists hinzugefügt werden können – ein natives Nutzungserlebnis.  

Ob in der Zukunft auch weitere Anbieter von Musik-Streaming eingebunden werden, ließ Teamleiter Bayer offen. Es spiele auf der Roadmap allerdings eine Rolle. Der Grund, warum Porsche zunächst Apple Music einbinde, sei das Nutzungsverhalten der Kunden. Diese würden sich vornehmlich im Apple-Kosmos bewegen. Für Android-Nutzer habe man beim PCM 6.0 deshalb Android Auto eingebunden, „um weniger populäre Dienste abzudecken.“

Eine ebenfalls offene Frage bleibt die künftige Integration von Drittanbietern wie zum Beispiel Netflix. Besonders der Ladevorgang des vollelektrischen Taycan sei laut Bayer ein interessanter Anwendungsfall für das Videostreaming. Absehbar sei in dieser Hinsicht jedoch nichts. Auch bezüglich möglicher Updates für den Taycan selbst, gäbe es noch keine Informationen.

Das neue Infotainment des Porsche Panamera.
Im Panamera ist weiterhin ein 12-Zoll-Touchscreen verbaut. Bild: Porsche

Forward31 forciert In-Car-Entertainment

Mittlerweile lässt sich jedoch vermuten, wohin die Reise im Bereich In-Car-Entertainment geht: Der OEM verkündete jüngst eine strategische Partnerschaft zwischen seinem Company Builder Forward31 und dem US-Startup Zync. Das Jungunternehmen aus San Francisco stellt einen zentralen Dienst für die Fahrzeugintegration von Video-Streaming, Gaming und E-Commerce bereit. Dadurch können Dienste von Drittanbietern direkt integriert und durch ein kuratiertes Zync-Angebot ergänzt werden. Die künstliche Intelligenz empfiehlt und spielt dabei Inhalte basierend auf Nutzerinteresse, Reisedauer und Situation – etwa beim Aufladen eines Elektrofahrzeugs – aus.

Die Bündelung von Streaming-Diensten ist jedoch nicht das alleinige Ziel des Unternehmens. Auch das Innenraumerlebnis soll verbessert werden: So können neben Bildschirmen und Audio-System auch Head-up-Display, Ambientebeleuchtung, Sitzeinstellungen und Ionisatoren angesteuert werden. Für Fahrer sind Bewegtbilder ausschließlich im Stand einsehbar, während der Fahrt wechselt die Lösung zu reinen Audio-Inhalten. Autos mit dezidiertem Beifahrerdisplay könnten in diesem Sinne zusätzlich profitieren.

Die ersten Fahrzeuge mit Zync-Integration sollen kommendes Jahr zunächst in Europa und den USA verfügbar sein. Bis zum Jahr 2023 könnten weitere Funktionen wie interaktive Videospiele oder Online-Shopping integriert werden. Ob Porsche dabei den Aufschlag macht und inwieweit dies von PCM 6.0 abhängt, konnte Zync auf Anfrage nicht beantworten. Das Startup befinde sich in laufenden Gesprächen mit verschiedenen Automobilherstellern. Die Software sei für eine schnelle Integration in vorhandene Fahrzeugarchitekturen entwickelt worden, hardwareseitig bedarf es keinerlei Anpassungen.

Ein Porsche-Infotainment mit Zync.
Zync könnte Porsche ab 2022 mit einer Software-Lösung für Streaming-Dienste versorgen. Bild: Zync

Porsche verbessert seinen Sprachassistenten

Die wohl elementarste Neuerung der leistungsfähigeren Hard- und Softwarearchitektur des PCM 6.0 betrifft den Sprachassistenten Voice Pilot. Dieser versteht mittels Natural Language Processing (NLP) künftig auch Befehlseingaben im Sinne einer normalen Gesprächssituation. Er kann wie zuvor beim Taycan über „Hey Porsche“ aktiviert werden und navigiert etwa bei Sätzen wie „Ich brauche Benzin“ zur nächsten Tankstelle oder erhöht bei „Mir ist kalt“ die Innenraumtemperatur. Auch die Massagesitze oder die Ambientebeleuchtung können gezielt angesprochen werden.

Der Voice Pilot ist laut Porsche permanent über LTE online und lernt ständig neue Formulierungen – das System verbessert sich und kann den Fahrer dadurch gezielter unterstützen. Ein wirklicher Sprachassistent sei er nach aktuellem Stand jedoch nicht: Suchanfragen auf Wikipedia, Bundesliga-Ergebnisse oder eine Auskunft darüber, welche Sehenswürdigkeiten sich links und rechts der Fahrspur befinden, bleiben Zukunftsmusik. „Wir konzentrieren uns auf die Sprachbedienung – nicht auf einen Assistenten. Ob derartige Funktionen in zukünftigen Plattformen eingebunden werden, ist noch nicht spruchreif“, stellt Martin Bayer klar.

Mit dem neuen Infotainmentsystem überträgt Porsche somit die Digitalfunktionen des Taycan erstmals auf Modelle mit Verbrennungsmotor. Kalendereinträge des Smartphones können über die Porsche Connect App auf dem Touchscreen angezeigt werden, bei aktiver Bluetooth-Verbindung kann sich der Fahrer mithilfe des Kalenderdienstes auch in Telefonkonferenzen einwählen. Zudem profitieren die Modelle fortan von Over-the-Air-Updates für das Infotainment. Der Schritt ist ganz im Sinne der agilen Entwicklung ein eher kleiner, doch die Plattform lässt Raum für große Innovationen.

 

Kalendereinträge im neuen infotainment von Porsche.
Nach dem Taycan können nun auch bei Verbrennern Kalendereinträge importiert werden. Bild: Porsche

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