Eine Illustration eines Lautsprechers mit Tonwellen davor.

Das Forschungsprojekt „Speaker“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit rund 17,6 Millionen Euro gefördert. Bild: Unsplash; Illustration: Andreas Croonenbroeck

| von Fabian Pertschy

Im privaten Gebrauch sind Sprachassistenten auf dem Vormarsch und auch in der Industrie wird diese Kerntechnologie der Mensch-Maschine-Kommunikation immer wichtiger. Trotzdem schrecken viele Firmen vor allem in Deutschland vor dem Gebrauch zurück. Mangelnder Datenschutz, drohende Wirtschaftsspionage, Probleme bei komplexen branchenspezifischen Fragestellungen: Die überwiegend aus den USA und Asien stammenden Systeme bergen einige Risiken und Schwachstellen.

„Sie erfüllen nicht immer die europäischen Datenschutzstandards und es ist unklar, wie und wo die Daten, die sie sammeln, gespeichert werden. Ihr Einsatz in Unternehmen ist daher problematisch“, erläutert Axel-Cyrille Ngonga Ngomo, der das Fachgebiet Data Science am Institut für Informatik der Universität Paderborn verantwortet.

Wissensgraphen ermöglichen Offline-Modus

Seit Anfang April soll deshalb unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Integrierte Schaltungen (IIS) und für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) eine Sprachassistenzplattform entwickelt werden, die Unternehmen datenschutzkonform, sicher und ihren Bedürfnissen entsprechend nutzen können.

Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Speaker“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit rund 17,6 Millionen Euro gefördert. Zahlreiche Großunternehmen, Mittelständler, Startups und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland sind ebenfalls beteiligt.

Während die Fraunhofer-Institute unter anderem an der akustischen Signalverarbeitung forschen, widmet sich das Team um Ngonga der Datenverfügbarkeit der neuen deutschen Sprachassistenzplattform. „Wir konzentrieren uns auf den Fall, wenn der Assistent nicht mit dem Internet verbunden ist. Der Assistent soll in der Lage sein, Nutzern auch im Offline-Modus die Daten und Informationen, die sie benötigen, zur Verfügung zu stellen.“ Dafür wird er unter anderem mit Informationen aus sogenannten Wissensgraphen gefüttert, die in dieser Form auch der Amazon-Assistent Alexa nutzt.

Assistent bei Inspektion und Qualitätssicherung

Ebenfalls interessant für die Wissenschaftler ist das Thema Datenintelligenz des neuartigen Helfers: „Bisherige Sprachassistenten basieren schon auf sehr leistungsfähigen Question-Answering-Systemen und ausgeklügelten Algorithmen. Beim Beantworten von komplexen Fragen stoßen sie aber an ihre Grenzen.“ Die Speaker-Plattform solle hier wesentlich mehr leisten, führt Ngonga aus. Aus diesem Grund werden Spracherkennung, Audiovorverarbeitung und Sprachsynthese mittels künstlicher Intelligenz kombiniert.

Das System soll mit offenen Schnittstellen zu Datenbanken ausgestattet, mehrsprachig programmiert und modular erweiterbar sein, so dass es leicht an die jeweiligen Bedürfnisse eines Unternehmens angepasst werden kann – etwa was Arbeitsabläufe und Fachbegriffe betrifft. Die Plattform könnte künftig Verwaltungs-, Prüf- und Serviceprozesse in verschiedenen Branchen effektiver gestalten.

Denkbar wäre beispielweise ein Einsatz in der Automobilindustrie, wo der Assistent bei der digitalen Inspektion und Qualitätssicherung von Maschinen und Fahrzeugen helfen kann. Während der Projektlaufzeit werden erste Pilotanwendungen individueller Sprachassistenten von den Projektpartnern in der Praxis getestet. Danach könnte ein im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung der EU stehender Assistent den Firmen endlich ermöglichen, personenbezogene und unternehmensinterne Daten besser zu schützen und sicher auszutauschen.

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