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| von Michael Vogel

Personaldienstleister kommen bei der Vermittlung von Experten für gewöhnlich dann ins Spiel, wenn ein Unternehmen nur einen vorübergehenden Bedarf an spezifischem Knowhow hat – oder wenn es besonders schwierig ist, geeignete Kandidaten zu finden. Insofern ist der von Personaldienstleistern formulierte Bedarf immer auch ein Hinweis auf Positionen, die in Unternehmen gerade gefragt sind. „In den vergangenen ein bis eineinhalb Jahren hat sich der Bedarf der Unternehmen gerade bei Embedded-Entwicklern deutlich verändert“, sagt Katharina Hain, Abteilungsleiterin Personalbeschaffung beim Personaldienstleister Hays. „Verkürzt gesagt, waren früher Fachleute mit SPS-Kenntnissen gefragt, heute sollen sie dagegen Hochsprachen wie C++ oder C# beherrschen.“

Auch Java, cloudbasierte Ansätze und IT-Sicherheit seien nun ebenfalls Themen im Engineering, nicht nur in der klassischen Unternehmens-IT. Schließlich werde manche Maschine künftig über Apps gesteuert – „gerade auch in der E-Mobilität werden solche Anforderungen relevant“, fügt Expertin Hain an. Und bei der Vernetzung im Embedded-Bereich gehe es immer stärker um Ethernet und nicht mehr um Controller oder Industriebusse.

„Bei drei Viertel aller Anfragen wegen Embedded-Softwareentwicklern, die von Unternehmen an uns herangetragen werden, sind inzwischen solche neuen Kompetenzen gefordert“, schätzt Hain. „Die Rollen der Experten ändern sich also, wobei es eine Evolution ist, keine Revolution.“ Auch bei den sozialen Kompetenzen werde noch stärker hingeschaut: „Am liebsten ist den Unternehmen, wenn die Kandidaten bereits internationale Erfahrung mitbringen, dann natürlich Fremdsprachen beherrschen sowie flexibel und eigenverantwortlich arbeiten können“, sagt Hain. Und man könne als Kandidat davon ausgehen, dass die Besetzung einer Position viel rascher ablaufe als früher: „Oft gibt es nur noch ein Vorstellungsgespräch; die Unternehmen sind bestrebt, die Suchzeiten zu verkürzen, um schneller handlungsfähig zu sein.“

Maßgebliche Ursache für diese Entwicklung ist – natürlich – die Digitalisierung. Die großen Unternehmen in der Automobilbranche haben inzwischen die entsprechenden Ressourcen bereitgestellt, um hierauf auch personell reagieren zu können. Data Scientists, KI-Ingenieure oder Scrum Master sind Jobprofile, in denen man nicht mehr als Exot gilt. Allerdings, gibt Werner von Beyer zu Bedenken, sieht es in dieser Hinsicht bei mittelständischen Zulieferern noch ganz anders aus: „Bei einem Unternehmen mit, sagen wir, 1000 Beschäftigten gibt es bislang nicht die personellen Kapazitäten, um sich mit solchen neuen Trends wirklich zum Nutzen des eigenen Business zu beschäftigen.“

Von Beyer ist Managing Partner bei der Personalberatung QRC Group, die auch Kunden aus der Automobilindustrie betreut. Dort im Mittelstand gebe es noch starke Trennlinien zwischen IT- und Engineering-Knowhow. Von Beyer verdeutlicht den technologischen Stand solcher Unternehmen an einem Vermittlungsbeispiel aus der jüngeren Vergangenheit: „Ein mittelständischer Zulieferer hatte drei getrennte Netze für Office, ERP und produktionsnahe Systeme wie MES, CAD und PLM. Er suchte jemanden, der eine für alle Systeme wirkende IT-Security-Lösung etablieren sollte.“ Solange solche grundlegenden Dinge seitens der IT noch nicht gelöst seien, werde so ein Unternehmen sich nicht mit Herausforderungen wie Big Data oder KI beschäftigen können.

Hier finden Sie den ersten und den zweiten Teil des Karriere-Spezials von automotiveIT.

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