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Bernd Stuke arbeitet bei Bosch in der Zentralforschung im Bereich Fluidmechanik. Dabei geht es um das Verhalten von Flüssigkeiten und Gasen in Strömungen, genauer: um deren gezielte Ausnutzung und Steuerung, zum Beispiel für eine bessere Bearbeitung von Werkstoffen. „Unsere Forschung konzentriert sich sowohl auf Komponenten, aus denen perspektivisch Produkte entstehen könnten, als auch auf Methoden“, sagt Stuke. „Und da wir bei Bosch immer mehr Komponenten mit Software und mechatronischen Systemen aufwerten, wird auch künstliche Intelligenz für uns bei Datenerfassung und -auswertung immer interessanter.“

Er als Physiker habe jedoch kein tiefgehendes KI-Knowhow, so dass er sich nach einer Weiterbildung umgesehen habe. „Ich wollte einen fundierten Überblick über die Möglichkeiten der KI bekommen, nicht lernen, wie man entsprechende Algorithmen entwickelt.“ Stukes Wahl fiel schließlich auf den neuen Zertifikatslehrgang „KI Manager“, den die Bitkom-Akademie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) dieses Jahr erstmals angeboten hat.

Laut einer Befragung des Digitalverbandes Bitkom unter Startups messen 96 Prozent der Befragten künstlicher Intelligenz und Big Data eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen bei. Unter Startups ist der Einsatz von KI deutlich weiter verbreitet als in der Gesamtwirtschaft. Zudem könnte laut einer Studie von Accenture durch die Verwendung von KI die Produktivität von Unternehmen bis Mitte des übernächsten Jahrzehnts um bis zu 40 Prozent steigen. Die Wirtschaft scheint also gut beraten zu sein, ausreichend viele Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren. Umgekehrt können Beschäftigte dank KI-Kenntnissen ihren „Marktwert“ steigern.

Im Rahmen des achttägigen Kurses an der Bitkom-Akademie lernen die Teilnehmer, was sich konkret mit KI machen lässt. „Natürlich vermitteln wir auch Grundlagen, aber im Vordergrund des Lehrgangs steht die Frage, wie sich mit KI Wertschöpfung und Geschäftsmodelle generieren lassen“, erläutert Christoph Igel, wissenschaftlicher Leiter des Lehrgangs und des Educational Technology Lab am DFKI. „Praxisnähe, die Anwendbarkeit im eigenen Business – das war unser Ziel bei der Entwicklung des Angebots.“ Der Kurs richtet sich an Entscheidungsträger, etwa aus der strategischen Unternehmensentwicklung oder aus dem Bereich Digitalisierung, aber auch an Projektmanager oder Teamleiter. Vorkenntnisse in Informatik oder künstlicher Intelligenz werden nicht erwartet.

Eingeteilt ist der Lehrgang in fünf Module: Nach einem einführenden Überblick geht es um Grundlagen und Voraussetzungen von KI, um hybride Wertschöpfung durch KI, um KI in Forschung und Praxis sowie um den KI-Einsatz im Unternehmen. Die Referenten kommen vom DFKI und aus der IT-Branche. Anstelle einer Abschlussarbeit präsentiert jeder Teilnehmer am letzten Tag im Stile eines Startup-Pitches eine Idee, die er mittels KI weiterverfolgen möchte. „Der erste Kurs war nach kurzer Zeit ausgebucht und hatte 17 statt der geplanten 15 Teilnehmer“, erzählt Christoph Igel. Sie kamen aus ganz unterschiedlichen Branchen, etwa aus dem Finanzwesen, der Industrie, der Informationstechnologie oder der Telekommunikation.

„Auch das Vorwissen war sehr unterschiedlich“, so Igel weiter. „Die Spanne des fachlichen Hintergrunds reichte von Forschung und Entwicklung über das Marketing bis zum Personalwesen.“ Auf diese Heterogenität werde man bei den beiden für das kommende Jahr geplanten Folgekursen reagieren: „Die Teilnehmer können dann einerseits begleitende Vertiefungsmodule wählen, andererseits einen Mentor, der aus KI-Perspektive – also aus technischer Sicht – geplante Anwendungen vorübergehend begleitet.“ Beide Angebote sollen für die Teilnehmer ohne Zusatzkosten buchbar sein.

Bernd Stuke fand den Lehrgang „sehr praxisnah, mit vielen Beispielen und einer großen thematischen Breite“. „So wurde uns der KI-Einsatz an Produkten und Dienstleistungen veranschaulicht, etwa in den Bereichen Industrie, Smart Agriculture oder Handel.“ Durch den Lehrgang könne er nun Themen und technologische Ansätze besser einordnen, habe aber auch praktisch anwendbare Ideen für seine Arbeit bekommen: „Es sind mehrere Projekte, in denen ich meine Überlegungen nun mit unseren Experten am Bosch Center for Artificial Intelligence besprechen werde.“ Selbst auf sein häusliches Umfeld habe sich der Lehrgang bereits ausgewirkt, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt: „Ich entwickle gerade eine KI-basierte Wasserspritze, die Katzen von unseren Schildkröten im Garten fernhalten soll – ohne dass meine Frau beim Füttern der Schildkröten nass wird.“

Bild: iStockphoto/daruma46, Illustration: Sabina Vogel

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