UVeye_Amir Hever

„In der Autobranche Fuß zu fassen, ist eine echte Herausforderung“, sagt UVeye-Chef Hever.

Das israelische Startup UVeye will mit einer automatisierten Lösung zur Fahrzeuginspektion auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen. UVeyes Expertise bei künstlicher Intelligenz hat schon lassen. Im Interview spricht UVeye-CEO Amir Hever über die neuen Herausforderungen bei der Qualitätssicherung, künstliche Intelligenz als Game Changer und wie schwierig es ist, sich als junges Unternehmen in der hierarchischen Autoindustrie einen Namen zu machen. 

Herr Hever, neue Formen der Mobilität und digitale Technologien der Industrie 4.0 stellen ganz andere Herausforderungen an die Qualitätssicherung von Fahrzeugen über den ganzen Produktlebenszyklus hinweg. Wie sollten Unternehmen vom Autohersteller bis zum Gebrauchtwagenhändler dieses Thema angehen?

Alle Beteiligten sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber und suchen entsprechend nach neuen Lösungen, zum Beispiel für mehr Flexibilität und höheren Produktionsoutput, zur Integration neuer und innovativer Technologien oder zum Erhalt hoher Qualitätsstandards und Effizienz. Automobilhersteller und andere Unternehmen, die intelligente Mobilität anbieten, sollten solche Technologien einsetzen, die ihnen eine höhere Effizienz ermöglichen und gleichzeitig historische Daten liefern. Da neue Formen der Mobilität – unter anderem Mobilität als Service – sowie umfassende Weiterentwicklungen in der IT für alle in der Branche gleichermaßen eine Rolle spielen, halte ich den Aufbau einer zentralen Plattform für sinnvoll, die Prozesse zusammenführt und standardisiert. UVeye bietet im Bereich externe Fahrzeuginspektion Lösungen für genau diese Art von Herausforderungen an – zum Beispiel für den Check von Fahrwerk, Reifen oder Karosserie. Unsere ganzheitliche Plattform findet an einem Fahrzeug in extrem kurzer Zeit eigenständig relevante Fehler oder Schäden, beispielsweise gebrochene oder fehlende Teile, bis zu einem Millimeter kleine Kratzer oder Beulen und Ölleckagen. Mit jedem Scan werden mehr historische Daten gesammelt, die für die vorausschauende Wartung oder zu statistischen Zwecken genutzt werden können.

Sie setzen mit Uveye bei der externen Fahrzeuginspektion auf künstliche Intelligenz. Sind smarte Algorithmen der entscheidende Game Changer bei der Begutachtung von Fahrzeugen?

Auf jeden Fall! Was uns beispielsweise auszeichnet, ist nicht nur die Fähigkeit, hochauflösende Bilder von allen Bereichen des Fahrzeugs aufzunehmen, sondern auch relevante Unterstützung zu liefern, wie man die Bilder zu deuten hat. Dabei spielen unsere proprietären intelligenten Algorithmen eine entscheidende Rolle. Sie kennzeichnen potenzielle Schwachstellen oder sicherheitsrelevante Fehler und liefern in Echtzeit Informationen an die richtigen Personen. Technologien wie Machine Learning und Deep Learning sind in vielen klassischen Branchen echte Game Changer. Automobilherstellern bieten sie die Möglichkeit, den Durchsatz und das Volumen in manchen Fällen zu verdrei- oder verfünffachen und somit mehr Fahrzeuge entsprechend schneller zu produzieren. Im Aftermarket beispielsweise hilft ein auf intelligenten Algorithmen basierendes System einem Mechaniker dabei, eine Fahrzeuginspektion oder -reparatur viel schneller und effizienter zu erledigen.

Vor kurzem erhielt Uveye eine satte Finanzspritze in zweistelliger Millionenhöhe, unter anderem von Toyota und Volvo. Auch mit Skoda und Daimler sind Sie in Gesprächen. Wie schwer ist es für ein Startup, beim Thema Qualitätssicherung in der doch sehr hierarchischen Automobilbranche einen Fuß in die Tür zu bekommen?

Es ist definitiv eine Herausforderung. Aber auf der anderen Seite finden wir in der Automobilindustrie auch viele Unternehmen und Menschen, die uns unterstützen. Ich denke, dass die großen Automotive-Player genau verstehen, wie notwendig es ist, Wege zu finden, Innovationen und intelligente Technologien schneller in ihren Betrieben zu integrieren – zumindest dann, wenn sie einen besseren Service bieten und ihre eigene Effizienz und ihren Output verbessern wollen. Diese Akteure brechen tatsächlich von sich aus die traditionellen Hierarchien in der Automobilindustrie auf, indem sie zusätzliche Ressourcen für spezielle Innovations- und Startup-Programme bereitstellen. Diese Programme bieten Unternehmen wie uns die Möglichkeit, die Hierarchie zu umgehen und direkt mit den OEMs zu arbeiten. Wir fühlen uns dadurch als Partner anerkannt und nicht nur als reine Lieferanten. Auf der anderen Seite sind wir aber davon überzeugt, dass wir unseren Partnern viel zu bieten haben. Viele Autohersteller verstehen die Notwendigkeit unserer Art von Service und wenden sich an uns. Wir stellen fest, dass unsere Lösungen einige sehr wichtige Herausforderungen bewältigen, mit denen Auto-, Bus und Lkw-Hersteller, aber auch andere Akteure wie Autovermietungen, Fuhrparks oder Versicherungsgesellschaften konfrontiert sind.