Audi_Crowdfunding

Swarm financing at the Four Rings: For the first time, Audi employees have successfully deployed crowdfunding internally to implement their project ideas as a group, using existing financial resources. Audi is one of the first companies to effectively integrate this promising and modern approach to financing new projects within the company.

| von Claas Berlin

Das Prinzip des Crowdfundings ist für Digital Natives fast schon ein alter Hut. Vor allem in der Kreativszene gehören entsprechende Tools inzwischen zum festen Arsenal, wenn es darum geht, Mittel für Musikalben, Videospiele oder Filmprojekte aufzutreiben. Doch die Idee des Crowdfundings kommt zunehmend auch in anderen Wirtschaftssektoren an, wie zahlreiche Mammutprojekte in den Bereichen Blockchain und Kryptowährung eindrucksvoll bewiesen haben. Mit Audi setzt nun auch ein Autohersteller auf ein eigenes Crowdfunding-Portal, um die Ideen der eigenen Mitarbeiter zu realisieren.

Im Vergleich zum traditionellen Crowdfunding verfügt das System des Herstellers jedoch über einige Besonderheiten: Bei der Schwarmfinanzierung des Ingolstädter OEM müssen beispielsweise die Mitarbeiter nicht in die eigene Tasche greifen. Vielmehr soll die Onlineplattform primär dazu anregen, interne Grenzen zwischen Abteilungen aufzubrechen und Projekte gemeinsam zu initiieren. „Audi-Crowdfunding bringt kreative Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Bereichen mit internen Investoren zusammen, um gemeinsam mutige Ideen umzusetzen. Mit dieser zukunftsweisenden Arbeitsmethode fördern wir die Eigeninitiative unserer Mitarbeiter und stärken gleichzeitig das Wir-Gefühl im Unternehmen“, sagt Audi-CIO Frank Loydl.

Die finanzielle Unterstützung der jeweiligen Projekte stammt aus den regulären Abteilungsbudgets und muss vom jeweiligen Vorgesetzten explizit genehmigt werden. „Die Kollegen, die eine Projektidee einreichen, bestimmen auf Basis einer Vorabkalkulation die benötigte Funding-Summe“, erklärt Anke Wendelken aus der Mitarbeiter-IT und Expertin für Social Collaboration bei Audi. „Die jeweiligen Abteilungsleiter entscheiden eigenständig im Rahmen der internen Budgetregelungen, mit welcher Summe sie die Projektidee unterstützen wollen.“ In der Erprobungsphase der Plattform haben alle Mitarbeiter der deutschen Audi-Standorte die Möglichkeit, Projekt­ideen mit Bezug zu ihrer dienstlichen Tätigkeit vorzuschlagen, mit Kollegen zu teilen, sie virtuell zu diskutieren und zuletzt mitzufinanzieren. „Sobald eine Idee erfolgreich finanziert ist, starten die Initiatoren und Einreicher des Projektes selbst die Umsetzung“, erklärt Anke Wendelken. „Dabei gelten natürlich ebenfalls die üblichen internen Projektregeln.“

Mehrere Projekte sind bereits durch das Crowdfunding-Tool ins Leben gerufen worden. Unter anderem ein Konzept für die Nachwuchskommunikation, um Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren die Marke Audi nahezubringen. Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist die Identifikationsfigur „ADUI“ – ein zweidimensionaler Roboter. Insgesamt 20 verschiedene Abteilungen unterstützten über die Crowdfunding-Plattform die Finanzierung von Agenturpitch und Styleguide. Seine Premiere feierte ADUI im Januar 2019 im Rahmen der Audi-E-Tron-Erlebnistour am Münchner Flughafen.

In einem weiteren Projekt finanzierten mehrere Abteilungen die Entwicklung eines ersten Audi-Chatbots, der interessierten Schülern Fragen rund um Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten beim Ingolstädter Hersteller beantworten soll. Eine Testversion des Chatbots ist seit Beginn des Jahres online. Bisher seien insgesamt acht Mitarbeiterprojekte eingereicht worden, berichtet Wendelken. Zuletzt hatten Kollegen aus Neckarsulm die Idee, die Kosten für einen internen Coworking Space am Standort gemeinschaftlich zu teilen. Angesichts der Tatsache, dass man sich derzeit in der Erprobungsphase des Systems befinde und noch wenig für die Plattform werbe, sei die Anzahl der Projekte durchaus als Erfolg zu werten, so die Audi-Expertin.

Um die Mitarbeiter auf neue Projekte aufmerksam zu machen, stehen Audi verschiedene digitale Kommunikationskanäle zur Verfügung. „Wir informieren die Kolleginnen und Kollegen über interne Collaboration Tools, das Social Intranet und Mail-Trigger aus dem Portal“, erläutert Anke Wendelken. „Immer wenn ein neues Projekt eingestellt wird, bekommen alle registrierten Kollegen automatisch eine E-Mail mit Direktlink zum Projekt. So wollen wir die Mitarbeit für alle Interessierten möglichst einfach gestalten.“

Umgesetzt wurde das Tool von Audi in Kooperation mit dem Crowdfunding-Unternehmen Table of Visions. An der Betaversion der Plattform wirkte ein Team aus dem Audi Production Lab und der Mitarbeiter-IT des Ingolstädter Herstellers mit. Die Entwicklung einer komplett neuen Anwendung sei hierbei jedoch nicht nötig gewesen, heißt es seitens des Autobauers. Vielmehr habe man eine interne Datenbank für Visualisierungen anpassen und für das Crowdfunding nutzen können.

Diese Plattform ist nicht das einzige Digitalwerkzeug, mit dem sich die Mitarbeiter der Volkswagen-Tochter intern austauschen. Unter anderem stehen der Belegschaft das interne Audi Mynet – eine interne Social-Media-Plattform mit redaktionellen Inhalten – oder die Plattform Audi Team zur Verfügung, auf der Mitarbeiter sich zu Themen oder Projekten informieren können. In Audi Dox werden Dokumente geteilt und in Echtzeit bearbeitet, für einen schnellen Meinungsaustausch stehen Skype for Business und der Messenger Threema bereit.

Bild: Audi