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Auch wenn seit langem von der vollautomatischen, menschenleeren Fabrik gesprochen wird. Realität ist sie noch nicht geworden. Teilweise werden Automatisierungsprozesse sogar zurückgefahren. Bild: Daimler

| von Chris Löwer

Richtig gut läuft es nicht für Tesla: Die Kalifornier lieferten im Vergleich zum Vorjahresquartal in den ersten drei Monaten dieses Jahres gut ein Drittel weniger Autos aus. Dabei ist das Auftragsbuch für das Model 3 rappelvoll. Aber nachdem die heftigen Produktionswehen ausgestanden schienen, geht der Trouble weiter. Kunden und Tesla-Chef Elon Musk haben sich das anders vorgestellt. Gar nicht so lange her, dass Musk noch von einer „Lights out factory“ fabulierte, der Fabrik ohne Licht, in der ausschließlich Roboter rund um die Uhr werkeln, die nun mal auf Beleuchtung verzichten können. Inzwischen twittert Musk reumütig Sachen wie: „Menschen werden unterschätzt“ oder „Die übertriebene Automatisierung bei Tesla war ein Fehler.“ Ein Fehler, durch den die Produktion nicht wie geplant hochgefahren werden konnte und Autos mit eklatanten Qualitätsmängeln beim Kunden landeten. Herzliche Grüße aus der Produktionshölle.

Die Abfolge von großen Versprechungen gefolgt von Murks am laufenden Band ist man von Tesla gewohnt. Allerdings: Bei fast allen OEMs keimen Zweifel an einer „übertriebenen Automatisierung“. Bei Subaru hat ein Programmierfehler, an sich unproblematische, Schweißroboter schlampen lassen, so dass für die Stabilität der Karosserie wichtige Schweißpunkte fehlten. Hierzulande gibt es immer öfter und heftigere Serienanlaufprobleme neuer Fahrzeuge, weil es bei der extrem komplexen Produktion hakt. Daimler-Benz schraubt indessen wegen der hohen Modellvielfalt den Automatisierungsgrad seiner Werke nicht etwa hoch, sondern runter. Nicht nur in Untertürkheim schätzt man neuerdings wieder verstärkt die Flexibilität, Kreativität und Improvisationsgabe von Menschen.

Steht eine Kehrtwende bei der Automatisierung an? Könnte sein. Immer häufiger werden deren Grenzen aufgezeigt. Wie auch bei einem Kongress der Fachzeitschrift „Automobil Produktion“, als Holger Heyn, Leiter Zukunftstechnologie von Volkswagen, bekannte: „Ich glaube nicht an menschenleere Fabriken.“ Rainer Rueß, Vice President Production Planning von Mercedes-Benz-Cars, gab die Marschrichtung in Sachen Automatisierungsgrad mit „So wenig wie nötig und so viel wie möglich“ vor. JLR-Produktionsleiter Wolfgang Stadler warnte hingegen vor einer Kostenexplosion, sollten Roboter komplett das Ruder übernehmen.

Doch genau das wird wohl nicht geschehen, wie ausgerechnet Automatisierungsvorreiter Toyota seit einigen Jahren demonstriert: Die Japaner fuhren sukzessive die Unterstützung durch Roboter herunter. Das Wasserstoffmodell Mirai wird sogar zu großen Teilen von Hand gefertigt. Okay, die Stückzahlen sind gering, aber auch bei Volumenmodellen lässt Fertigungschef und Toyota-Vizepräsident Mitsuru Kawai verstärkt manuell arbeiten, inzwischen werden sogar wieder Land Cruiser teilweise von Hand geschweißt, weil die Nähte der Roboter zu unsauber waren. Am Rande: Auf diese Weise wird zehn Prozent weniger Schweißdraht verbraucht, womit Millionen gespart werden.

Toyota äußert sich dazu nicht, doch Branchenexperten gehen davon aus, dass der Automatisierungsgrad in den Werken bei nur noch zehn Prozent liegt. Und das hat noch einen weiteren, nicht ganz unwesentlichen Grund, wie Kawai einem Journalisten verriet: „Roboter verbessern Prozesse nicht. Nur Menschen können das. Darum sollten sie immer im Mittelpunkt stehen.“