18-19_Performance Management_IMP
| von Harald Weiss

Früher galt die Responsezeit einer Webseite als eine Art Zufallsprodukt. Zu viele Einflüsse kamen bei einem Webseitenaufruf zusammen, um daraus klare Ursache-Wirkungs-Relationen zu erstellen. Doch die Zeiten sind vorbei. Moderne Log- und Komponentenmonitore können in Echtzeit jeden Flaschenhals sofort identifizieren und bieten Lösungshilfe.

Auch in der Automobilbranche wird dieses Thema immer wichtiger. „Wir haben knapp 20 Kunden aus der Automobilbranche und das Interesse steigt rapide“, sagt John van Siclen, CEO von Dynatrace, einem Spezialanbieter von Application-Performance-Management-Software (APM).

Die Lösungen basieren auf einem Agenten, der auf dem Client eingerichtet wird und das Antwortzeitverhalten in Echtzeit misst. Alle verfügbaren Logfiles sowie eigene Messdaten werden herangezogen. Als Ergebnis stehen den Operationsmanagern dann genaue Informationen zur Verfügung, an denen sich ablesen lässt, wo welche Flaschenhälse bestehen. In Deutschland arbeiten BMW und Daimler mit Dyna­trace zusammen. Das Hauptanwendungsgebiet ist der Bereich Connected Car, also Roadside Assistance und Entertainment.

„An den zukünftigen Technologien wie Car-to-Car oder Car-to-Infrastructure wird zwar intensiv gearbeitet, aber Vorzeigbares haben wir hier noch nicht“, sagt Siclen. Viele OEMs wurden auf den Einsatz von APM aufmerksam, nachdem in den USA Chrysler mit seinem OnStar-System eine solche Monitoring­software installiert hat. Auch bei BMW wird Dynatrace seit knapp zwei Jahren im Rahmen von ConnectedDrive genutzt.

Anders dagegen der Einsatz von APM bei Toyota Europe. Hier ist Dirk Christiaens für die Kundenwebseiten von Toyota und Lexus verantwortlich und hat kürzlich ebenfalls ein Projekt zur Performance­messung gestartet. Trotzdem hinkt die Automobilbranche anderen großen Webplattformen in puncto APM ein wenig hinterher. „Aus vielen Projekten wissen wir, dass kurze Reaktionszeiten und hohe Performance für eine ausgezeichnete User Experience entscheidend sind. Deshalb ist es essenziell für solche Services, ein innovatives Digital Performance Management einzusetzen“, sagt Gerald Ismaier, Vice President von Dynatrace.

APM-Vorreiter sind naturgemäß E-Commerce-Unternehmen, für sie ist die Responsezeit ihrer Webseiten besonders wichtig. Für die Beurteilung der Response Performance stehen verschiedene Metriken zur Verfügung, die sich immer auf das Verhalten, die Aktivitäten und die Leistung der Plattform beziehen. Gibt es Performanceprobleme, stehen ausgefeilte Tools zur Ursachenforschung bereit. Mit Session Replay zum Beispiel lassen sich aufgetretene Fehler beim Ablauf einer Session quasi in Zeitlupe wiederholen.

Mit dem Thema APM beschäftigten sich bislang vor allem System- und Webadministratoren. Doch mit zunehmender Bedeutung interessieren sich inzwischen auch die CIOs und sogar die CEOs für die ermittelten Werte. Gemäß einer Untersuchung der Marktforscher von Vanson Bourne sagen 76 Prozent der CIOs weltweit, dass die Komplexität der Webanwendungen heute so schnell wächst, dass man die anfallenden Probleme schon bald nicht mehr managen könne.

In Deutschland sind es immerhin noch 70 Prozent der CIOs, die diese Ansicht teilen. Als Hinweis auf die rasant zunehmende Komplexität verweist die Untersuchung darauf, dass heute eine einzige Web- oder Mobiltransaktion im Schnitt 35 verschiedene Anwendungen oder Komponenten durchläuft – vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 22. „Die Unternehmen stehen unter enormem Druck: Sie müssen einerseits die Ansprüche einer ständig online verbundenen, digitalen Wirtschaft erfüllen und andererseits die Kunden mit echten Innovationen überzeugen“, sagt Matthias Scharer, der bei Dynatrace die Business Operations verantwortet.

Viele Analysten gehen sogar einen Schritt weiter. „Performanceprobleme sind vielfach schon zur Chefsache eskaliert. Es wird nicht mehr lange dauern, bis das IT-Management hier gehörigen Druck von ganz oben bekommen wird“, hieß es kürzlich in einem Analysten-Round-Table am Rande einer Technologieveranstaltung in Las Vegas.

Bild: Lexus, Illustration: Sabina Vogel