Hackrod_3D-Druck

Der Speedster des US-Startups Hackrod stammt fast vollständig aus dem 3D-Drucker. Bild: Hackrod

| von Chris Löwer

Diese Mischung aus klassischem Porsche 550 Spyder und Eighties-Corvette C3 sieht verdammt heiß aus. Doch der rassige Retrolook täuscht: Der Sportwagen namens „La Bandita“ des kalifornischen Start-ups Hackrod verkörpert die Zukunft des Automobilbaus. Nicht, weil in ihm ein Tesla-E-Motor summt oder seine Karbonhülle von einem leichten Alurohrrahmen getragen wird, sondern weil der Speedster fast vollständig aus dem 3D-Drucker ploppt.

Gemeinsam mit Siemens wollen die Kalifornier den Autobau revolutionieren: „Hackrod bietet ein völlig neues Modell industrieller Fertigung an“, meint Tom Tengan, Direktor bei Siemens Digital Enterprise. „Dieses kann vor allem mittelständischen Unternehmen künftig die Möglichkeit eröffnen, auch ohne große Fertigungsstraßen innovative, für ihre Kunden maßgeschneiderte Produkte auf den Markt zu bringen.“ Denn im Wesentlichen braucht es dazu Product-Lifecycle-Management-Software von Siemens und einen 3D-Drucker, der übliche Dimensionen sprengt.

Der von Hackrod entwickelte Printer ist „womöglich der größte der Welt“, lassen die Gründer verlauten. Der vier Meter breite, siebeneinhalb Meter lange und drei Meter hohe Trumm wird ebenfalls von Siemens-Software gesteuert. Wobei das Gerät nicht nur druckt, sondern der Karosserie mit Präzisionswerkzeugen auch gleich den letzten Schliff verpasst.

Über diese neuartige Produktionsplattform sollen Kunden künftig zuhause selbst ihre Wunschautos designen, woraufhin die Simulationssoftware durchspielt, ob die kühnen Ideen StVO-tauglich sind. „Hackrods Fabrik der Zukunft wird es Einzelpersonen, Startups und kleinen Unternehmen ermöglichen, ihre Wunschprodukte so einfach wie ein Videospiel zu erschaffen“, lassen die Kalifornier vollmundig wissen. Als Proof of Concept soll der Alu-Renner noch Ende dieses Jahres auf die Straße rollen.

Nicht ganz so aufregend geformt sind die Fahrzeuge von Local Motors. Doch auch hier ist man von der Zukunft des 3D-Drucks im Automobilbau überzeugt. Nicht nur für Einzelteile oder Prototypen, sondern für die Serie. Wie etwa bei dem autonomen Peoplemover „Olli“, der unter anderem im Auftrag der Bahn in Berlin Passanten umherkutschiert. Laut Local Motors reduziert der 3D-Druck die Werkzeugkosten für den Olli-Shuttle um die Hälfte und die gesamte Produktionszeit um bis zu 90 Prozent.

Derweil setzen auch etliche asiatische Hersteller auf gedruckte Autos. Oder europäische, wie die Firma X Electrical Vehicle (XEV) aus Italien, auf chinesische 3D-Drucker. Ab April kommenden Jahres will XEV sein Modell LSEV, das an einen Smart erinnert, massenweise ausdrucken lassen, wobei der Rahmen konventionell gefertigt wird. Laut XEV hat die italienische Post bereits 5000 der Kunststoffkleinstwagen vorbestellt.

Auch OEMs wie BMW liebäugeln mit dem 3D-Druck, wovon nicht zuletzt der „Additive Manufacturing Campus“ zeugt, auf dem ab 2019 industrielle 3D-Druckverfahren vorangebracht werden sollen. Das ist auch nötig, denn gerade Metalldrucker sind für die Großserie noch deutlich zu teuer und zu lahm.

Fraglich, ob überhaupt je ein Premiumfahrzeug zu großen Teilen ausgedruckt werden wird. Doch der Anfang ist gemacht, die Technik nicht mehr aufzuhalten, meint Udo Hänle, Bereichsleiter für Produktionsstrategie, technische Integration: „Additive Technologien stellen für die BMW Group eine der wesentlichen Produktionsmethoden der Zukunft mit einem vielversprechenden Potential dar.“