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| von Pascal Nagel

DSC_9013Die Digitalisierung zwingt ein Fertigungsunternehmen wie Schaeffler dazu, Produktionsprozesse, Produkte und Partnerschaften neu zu denken. Gerhard Baum, CDO, und Harald Gießer, CIO bei Schaeffler, über den Modus Vivendi der Zusammenarbeit, die künftige Roadmap und die neue IT-Plattform des Unternehmens.

Baum: Ich konzentriere mich vorrangig darauf, Geschäftsprozesse digital zu unterstützen, sie mit Informationen und Daten zu optimieren und neue Geschäftsmodelle offensiv anzugehen und zu gestalten. In der Vergangenheit haben mechanisch orientierte Unternehmen in Deutschland und Europa vor allem von technologischen Innovationen in ihren Produkten gelebt. Im Silicon Valley zeigt sich hingegen ein völlig anderes Bild: Dort dominieren eindeutig Geschäftsmodellinnovationen. Die Schaeffer-Gruppe möchte diese beiden Ansätze stringent ausbalancieren. Die Vorteile, die mit der digitalen Transformation verbunden sind, sollen gleichermaßen unseren Produkten, Prozessen, Technologien und Geschäftsmodellen zugutekommen.

Gießer: Die Grundlage für alle digitalen Szenarien liefert die IT mit ihren Plattformen und Applikationen. Schon heute laufen konzernweit in unseren Standardsystemen für ERP, Produktentwicklung und in der Fertigung einige Millionen digitale Transaktionen pro Sekunde ab. Künftig werden wir noch mehr Verbindungen zwischen diesen Systemwelten schaffen und intensive Datenauswertungen fahren. In den zusätzlichen Schnittstellen und den analytischen Komponenten sehe ich ein ganz entscheidendes Add-on für unsere digitale Agenda.

Im Vorstandsressort Technologie ist die Koordinierungsstelle Digitalisierung angesiedelt. Was genau tut sie?

Baum: Wir wollen unsere Produkte mit zusätzlichen Daten versorgen und so zielgerichtet ihre Funktionsräume erweitern. Nehmen Sie elektromechanische Wankstabilisatoren im Fahrwerk als Beispiel: Statten wir sie mit zusätzlichen digitalen Komponenten aus, bringen sie nicht nur mehr Nutzen. Wir können mit ihnen dann auch in ein ganz neues Spektrum des hochautomatisierten Fahrens vordringen. Das Gleiche gilt für Motor- und Getriebeelemente. Die Koordinationsstelle Digitalisierung bringt die entsprechenden Prozesse in Entwicklung, Fertigung und Supply Chain zusammen. Und man denkt dort über neue datenbasierte Ansätze im Service sowie neue Schnittstellen in Richtung Kunde nach.

Konkreter bitte: Digital Engineering und PLM sind seit Jahren im Einsatz. Was passiert Neues in der Produktentwicklung?

Gießer: Viele Mitarbeiter von Schaeffler weißen das Profil klassischer Maschinenbauingenieure auf. Jetzt ist verstärkt ITKnowhow gefragt und die Teams müssen ein Gespür dafür entwickeln, was sie mit Software und Daten alles machen können. Wird die Mechanik gut und geschickt mit digitalen Funktionen kombiniert, öffnen sich neue Welten.

Baum: Richtig. Nehmen sie den Datenrückfluss aus Entwicklung, Prototypenbau und Testumgebungen – da stehen viele Fertigungsunternehmen erst am Anfang. Schaeffler ist sicher gut unterwegs, aber in Zukunft wird noch viel mehr möglich sein. Wohlgemerkt: Wir reden hier über wettbewerbsdifferenzierende Kompetenzen, nicht nur in Einzeldisziplinen, sondern in ganzer Breite quer durch das Unternehmen hindurch. Wichtig ist ein nahtloses Zusammenspiel von Mitarbeitern, die über jahrelange praktische Erfahrungen im Produktionsumfeld verfügen, und jüngerer Kollegen, die als Digital Natives mehr und mehr zu Schaeffler stoßen und oft einen völlig anderen fachlichen Hintergrund mitbringen.

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Das Interview führten: Ralf Bretting und Hilmar Dunker
Bild: Claus Dick

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