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Volkswagen-CIO Martin Hofmann: „Wir treiben das Heute und das Morgen gleichrangig voran.“ Bild: Claus Dick

| von Werner Beutnagel

Volkswagen soll wie ein digitaler Tech-Konzern denken und handeln, fordert das Top-Management. Nie besaßen Corporate-IT und Produkt-IT eine höheren Stellenwert. Im Interview mit automotiveIT spricht CIO Martin Hofmann über die Anforderungen, die sich aus der Business-Digitalisierung ergeben.

Die Konzern-IT von Volkswagen wird beiden Ansprüchen gerecht. Einerseits operieren wir kostenbewusst und stellen uns regelmäßig externen Validierungen. Jeden Euro, den wir einsparen, können wir in neue Technologien investieren. Deshalb sind wir zu einem Business Driver geworden. Die IT kann heute den Fachbereiche aufzeigen, wie sich operative und strategisch wichtige Ziele durch die Sammlung, Speicherung, Analyse und Bereitstellung von Daten erreichen lassen. Früher kamen die Fachbereiche also mit einer klaren Leistungsanforderung auf uns zu. Heute stellen wir ihnen enorme technologische Möglichkeiten zur Verfügung, um die Digitalisierung des Geschäfts technologiegetrieben umzusetzen.

Wie schaffen Sie es, zwischen kurzfristigen IT-Trends und Lösungen zu unterscheiden, die den Arbeitsalltag in Fabrik und Büro tatsächlich voranbringen?

Wir orientieren uns nicht an Trends, sondern an strategischen Möglichkeiten. Das ist die große Klammer. Die Herausforderung ist es, das Heute und das Morgen gleichrangig voranzutreiben. Wer sich nur auf neue Themen konzentriert, verliert die Bodenhaftung. Und wer nur starr auf den Boden schaut, weiß nicht, wie der Horizont aussieht. Als Team haben wir ein sehr gutes Gespür entwickelt, beides im Blick zu behalten. Wir modernisieren mit Hochdruck unsere Systeme und greifen Themen frühzeitig auf. Zum Beispiel Quantencomputing: Unser Engagement ist Forschungsarbeit, damit verdienen wir noch kein Geld. Aber ohne dieses Expertenwissen verlieren wir in fünf Jahren, wenn die Technologie vielleicht schon ihre Marktreife beweist, womöglich eine große Chance. Das richtige Timing ist also entscheidend.

Quantencomputing ist ein gutes Stichwort: Seit mehreren Jahren forscht Volkswagen auf diesem Feld zusammen mit Google und D-Wave. Was hat sich in dieser Zeit getan und wo stehen Sie heute?

Wir bei Volkswagen haben die Fähigkeiten erworben, Optimierungsprobleme so zu strukturieren und in Algorithmen umzusetzen, dass man mit Hilfe von Quantencomputern tatsächlich zu Lösungen gelangt. Im Rahmen des WebSummit Anfang November 2019 haben wir es beispielsweise geschafft, den Verkehr in den Straßen von Lissabon durch Routenoptimierungen in Echtzeit reibungsloser fließen zu lassen. Die Fahrtzeiten öffentlicher Busse waren mit unserem Algorithmus messbar im Schnitt zehn Prozent kürzer. Diese methodische Kompetenz besitzen nicht viele Unternehmen auf der Welt. Wir sind in der Lage, spezielle Quantenalgorithmen zu programmieren und halten in den USA bereits drei Patente. Erste Einsatzgebiete reichen von der bereits genannten Verkehrssteuerung bis zu Optimierungen in der Materialforschung. Das schärft die Wahrnehmung von Volkswagen, wir werden mit unserer Technologiekompetenz auch von großen Playern ernst genommen.

Das komplette Interview mit Martin Hofmann können Sie in der aktuellen Print-Ausgabe von automotiveIT lesen.

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